«Der Magic Pass richtet sich vor allem an Stadtbewohner ohne Zweitwohnung»
13.03.2026 Gstaad320’000 Abonnenten, rund 128 Millionen Franken Umsatz und immer mehr Skigebiete im Verbund: Magic-Pass-CEO Sébastien Travelletti erklärt, warum Gstaad vom Beitritt profitiert, weshalb kleine Skigebiete wichtig sind und wie die Einnahmen im System ...
320’000 Abonnenten, rund 128 Millionen Franken Umsatz und immer mehr Skigebiete im Verbund: Magic-Pass-CEO Sébastien Travelletti erklärt, warum Gstaad vom Beitritt profitiert, weshalb kleine Skigebiete wichtig sind und wie die Einnahmen im System verteilt werden.
JOCELYNE PAGE
Für die Destination Gstaad ist es der erste Winter im Magic-Pass-Verbund. Können Sie bereits sagen, welchen Einfluss der Beitritt von Gstaad hatte?
Gstaad hat bis Ende Februar ein Plus von rund 33 Prozent bei den Ersteintritten verzeichnet. Im gesamten Berner Oberland liegen die Zahlen hingegen leicht im Minus, bei etwa vier Prozent. Das zeigt, dass es gewisse Verschiebungen innerhalb der Region gibt. Im Berner Gebiet hatte der Magic Pass bereits kleinere Stationen im Abonnementsverbund.
War es von Anfang an Ihre Strategie, grössere Skigebiete wie Gstaad aufzunehmen?
Die Strategie des Magic Pass war stets, den urbanen Gast, also die Stadtbewohner ohne Zweitwohnung, anzusprechen. Für sie ist das Abonnement eine attraktive Saisonlösung, ohne an eine einzelne Destination gebunden zu sein. Im ersten Jahr haben wir deshalb bewusst kleinere Skigebiete in der Nähe grosser Städte wie Bern, Freiburg oder Lausanne integriert. Im Berner Oberland haben wir dann gesehen, dass dieses Modell funktioniert und zu mehr Gästen und Eintritten führt. Das hat auch das Interesse grösserer Destinationen wie Gstaad geweckt.
Wie viele Abonnements haben Sie im Kanton Bern verkauft?
Im Kanton Bern haben wir im 2025/26 rund 70’000 Magic-Pässe verkauft. Davon stammen etwa 40’000 nicht aus dem Berner Oberland, sondern aus städtischen Regionen wie Bern oder Biel.
Und wie viele Abonnenten hat der Magic Pass insgesamt?
Aktuell haben wir rund 320’000 Abonnenten. Langfristig sehen wir ein Potenzial von etwa 500’000. Dafür braucht es jedoch zusätzliche Skigebiete im Netzwerk. In dieser Grössenordnung würden wir rund sechs Millionen Ersteintritte pro Winter erreichen. Dies wären etwa 25 Prozent aller Skitage in der Schweiz.
Wie soll sich der Magic Pass neben ihren Abonnentenzielen in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
Als wir 2017 gestartet sind, hatten wir 25 Gebiete, vor allem in der Romandie. Heute sehen wir vor allem in den Regionen Bern, Zürich und Basel noch grosses Potenzial. Deshalb bauen wir das Netzwerk dort schrittweise aus. Auch in der französischen Haute-Savoie sehen wir Möglichkeiten, während Italien derzeit nicht unsere Priorität ist. Insgesamt liegt unser grösstes Wachstumspotenzial weiterhin in der Schweiz.
Gibt es konkrete Anfragen von Destinationen? Beispielsweise Adelboden-Lenk? Dieses Gebiet war ja vor dem Magic Pass mit der Destination Gstaad im Aboverbund Top4.
Wir sprechen mit vielen Destinationen, aber wir analysieren jedes Gebiet sehr genau. Es geht nicht darum, möglichst viele Skigebiete aufzunehmen. Entscheidend ist, ob eine Destination zusätzliches Potenzial, also neue Gäste für den Aboverbund, anspricht. Jede neue Destination muss somit ein neues grosses Einzugsgebiet mitbringen. Bei Gebieten, die bereits sehr stark frequentiert sind, ist dieses Potenzial oft kleiner. Das gilt nicht speziell für Adelboden-Lenk, sondern generell für stark ausgelastete Destinationen. Wir zahlen unseren Mitgliedern eine Garantie und müssen deshalb genau prüfen, ob ein Beitritt wirtschaftlich Sinn ergibt.
Was prüfen Sie konkret bei einer möglichen Aufnahme?
Wir analysieren, wie viele zusätzliche Gäste ein Gebiet bringen könnte und wie sich die Ersteintritte verteilen würden. Ein Gebiet wie Gstaad generiert beispielsweise sehr viele Ersteintritte und damit auch viel Umsatz für das System. Zudem muss ein Skigebiet finanziell gesund aufgestellt sein. Der Magic Pass ist kein Wohlfahrtsprojekt für Skigebiete. Diese Analyse machen wir für jede Destination und beobachten sie oft über ein oder zwei Jahre, bevor wir eine Entscheidung treffen.
Profitieren eher die grossen oder die kleineren Destinationen vom Magic Pass?
Gerade kleinere Gebiete profitieren stark, etwa im Jura oder in stadtnahen Regionen. Dort lernen viele Familien und Anfänger Ski fahren. Später wechseln diese Gäste oft auch in grössere Destinationen. Für uns ist diese Kombination zentral: Kleine Gebiete sichern die nächste Generation von Gästen für die grossen Skigebiete.
Was ist derzeit die grösste Herausforderung für den Magic Pass?
Die grösste Herausforderung ist, allen Destinationen im Verbund ihren Platz zu geben. Mit 20 oder 30 Gebieten war das deutlich einfacher als heute mit rund 100. In einem so grossen Netzwerk entstehen auch Spannungen, etwa wenn einzelne Gebiete besonders erfolgreich sind. Dann müssen die anderen genau hinschauen, woran das liegt. Oft haben diese Destinationen stärker investiert, etwa in Infrastruktur, Gastronomie oder Parkplätze. Eine zweite Herausforderung ist die wirtschaftliche Entwicklung. Nicht alle Destinationen verdienen jedes Jahr automatisch mehr Geld. Deshalb müssen wir darauf achten, dass der Magic Pass für alle attraktiv bleibt und dass einzelne Gebiete nicht über mehrere Jahre hinweg verlieren. Unser Ziel ist es, die Risiken im System zu verteilen und gleichzeitig die Attraktivität und den Umsatz hochzuhalten.
Nach welchem Verteilschlüssel werden die Einnahmen aus dem Magic Pass auf die Destinationen verteilt?
Wir arbeiten mit einem zweistufigen System. Zuerst gibt es eine fixe Garantie: Vergangenen Winter haben wir einen Umsatz von rund 116 Millionen Franken erzielt, davon zahlen wir im Herbst rund 33 Prozent aus, das entsprach etwa 39 Millionen. Damit haben die Destinationen eine gewisse Planungssicherheit. Der restliche Umsatz wird nach Ersteintritten verteilt. Ein Ersteintritt entsteht, wenn ein Magic-Pass-Inhaber an einem Tag erstmals durch das Drehkreuz eines Skigebiets geht. Der Wert dieses Eintritts richtet sich nach einem Punktesystem: Der offizielle Erwachsenentarif zwischen Weihnachten und Ostern bestimmt die Anzahl Punkte, ein Franken entspricht einem Punkt. Kostet die Tageskarte beispielsweise 78 Franken, erhält das Gebiet 78 Punkte pro Ersteintritt, bei 48 Franken entsprechend 48 Punkte. So kombiniert das Modell eine fixe Sicherheit mit einer leistungsabhängigen Verteilung.
Kritiker werfen dem Magic Pass vor, er betreibe Preisdumping und entwerte das Produkt Skifahren. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Von Preisdumping kann keine Rede sein. Die Tageskartenpreise in unseren Destinationen sind vergleichbar mit jenen anderer Gebiete. Der Unterschied liegt im Volumen: Mit dem Magic Pass erzielen die Gebiete mehr Ersteintritte und insgesamt mehr Umsatz. Der durchschnittliche Erlös pro Eintritt ist nicht tiefer als früher. Wir verändern also nicht den Preis, sondern das Geschäftsmodell.
In Gstaad freut sich ein Teil der Bevölkerung über das grössere Angebot, da die Bergbahnen prognostiziert mehr Einnahmen generieren. Andere sprechen von mehr Verkehr, vollen Parkplätzen und längeren Wartezeiten an den Skianlagen. Wie beurteilen Sie diese unterschiedlichen Reaktionen?
An einzelnen Spitzentagen kommt es tatsächlich zu mehr Verkehr und längeren Wartezeiten. Das betrifft aber oftmals nur bestimmte Tage im Winter und zwar die Tage, die auch schon vor der Einführung des Magic Pass gut besucht waren, beispielsweise über die Feiertage oder im Februar. An stark besuchten Tagen sind in der Destination Gstaad zwischen 12’000 und 14’000 Gäste am Berg, unter der Woche nur 4’000 bis 5’000. Und diese paar Tausend Gäste während der Woche sind eine wichtige Auslastung für die Bergbahnen. Denn ein Grossteil der Magic-Pass-Inhaber sind Seniorinnen und Senioren sowie Familien mit Kindern, die während der Woche auf die Piste können. Gleichzeitig sehen wir, dass die grosse Mehrheit der Akteure im Tourismus sehr zufrieden ist, weil mehr Gäste kommen und die Wertschöpfung steigt. Höhere Einnahmen der Bergbahnen kommen letztlich der ganzen Destination zugute, weil wieder mehr in Infrastruktur oder neue Bahnen investiert werden kann. Solche Effekte zeigen sich jedoch erst mit der Zeit. In drei oder vier Jahren wird man die Auswirkungen des Magic Pass auf die Region noch klarer beurteilen können.
63 Prozent mehr verkaufte Abonnements An der Medienkonferenz des vergangenen Dienstags haben die Verantwortlichen des Magic Pass über die vergangene Saison und die Neuerungen informiert. So hat sich der Magic Pass 321’000 Mal verkauft, dies entspricht einem Wachstum von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Preiserhöhung der Abonnementspreise sei deshalb nicht geplant, so die Verantwortlichen. Die geografische Verteilung zeige «eine massive Eroberung neuer Märkte»: Während der Kanton Waadt mit 70’655 Kundinnen und Kunden (+19 Prozent) weiterhin an der Spitze steht, folgt der Kanton Bern dicht mit 69’881 Abonnenten (+186 Prozent). «Die massiven Zuwächse in Luzern und Obwalden bestätigen die Verankerung des Abonnements in der Zentralschweiz», heisst es in der Medienmitteilung.
Im Sommer 2025 verzeichnete der Magic Pass 961’201 Eintritte, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr (425’190). Der Sommer macht damit bereits 20 Prozent der jährlichen Nutzung aus. Ziel für die Ausgabe 2026/2027 sei nun eine Stabilisierung der Abonnentenzahl mit einem moderaten Wachstum von drei Prozent.
Integration des öffentlichen Verkehrs
Für die nächste Saison bietet der Magic Pass über 100 Destinationen im Winter an, 53 im Sommer. Neu dabei: Klewenalp Stockhütte (NW), Sattel Hochstuckli (SZ), Hohe Winde (SO), Valbirse (BE), Bernex im französischen Chablais und Domobianca in Italien, südlich des Simplons.
Eine weitere Neuerung ist die Integration des öffentlichen Verkehrs: In Zusammenarbeit mit RailAway und der Alliance SwissPass können alle Abonnentinnen und Abonnenten ab dem 1. November 2026 während der gesamten Wintersaison fünf Tagesfahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln von ihrem Wohnort zur Magic-Pass-Destination ihrer Wahl nutzen, dies ohne zusätzliche Kosten. Dieses Pilotprojekt soll unter anderem eine Alternative zum Individualverkehr schaffen und den Privatverkehr entlasten. «Wir wollen die Leute dazu animieren, mit dem ÖV ins Skigebiet zu kommen», sagte Magic-Pass-Direktor Sébastien Travelletti gegenüber SRF. Auch um Verkehrsprobleme wie in Blatten oder anderen Destinationen zu verhindern, worüber Medien wie der «Walliserbote» und die «Berner Zeitung» berichtet hatten.
Bei diesem Vorhaben der integrierten Mobilität werde Magic Pass bereits von den Kantonen Waadt und Wallis unterstützt. Gespräche mit weiteren Kantonen hätten sie aufgenommen. «Ziel ist es, diese Unterstützung schrittweise auf das gesamte Netzwerk auszuweiten und die Entwicklung der Mobilität in allen beteiligten Regionen weiter voranzutreiben», führen die Verantwortlichen aus.
PD/JOP


