Mao Fujita – ein Name, den man sich merken sollte
05.02.2026 KulturIm Rahmen der Sommets musicaux de Gstaad bezauberte der junge Pianist Mao Fujita in der Kirche Rougemont ein zahlreich erschienenes Publikum mit anspruchsvollen Stücken aus der Zeit der Romantik. Es sollte ein Abend werden, der unter die Haut ging und den man nicht so rasch wieder ...
Im Rahmen der Sommets musicaux de Gstaad bezauberte der junge Pianist Mao Fujita in der Kirche Rougemont ein zahlreich erschienenes Publikum mit anspruchsvollen Stücken aus der Zeit der Romantik. Es sollte ein Abend werden, der unter die Haut ging und den man nicht so rasch wieder vergisst. Auf dem Programm standen Werke von Beethoven, Wagner, Berg, Brahms und Liszt.
HANSUELI GAMMETER
Mao Fujita wurde 1998 in Tokio geboren und begann im Alter von drei Jahren mit dem Klavierspiel. Nachdem er 2017 beim Concours Clara Haskil in Vevey den ersten Preis gewonnen hatte, nahm seine Karriere an Fahrt auf und er wurde zu zahlreichen Festivals und renommierten Konzertreihen eingeladen.
Die Raffinesse des Konzerts begann mit der Programmierung. Sie zeigte verschiedenste Aspekte der musikalischen Romantik. Mit Beethoven und Berg wurden zu Beginn des Konzerts die zeitlichen Eckpunkte abgesteckt.
Beethoven, zur Hauptsache noch ein Vertreter der Wiener Klassik, steht bereits an der Schwelle zur Romantik. Berg seinerseits ist mit seinen frühen, noch tonalen Stücken ein Vertreter der Spätromantik. Und zwischen diesen Polen stand der Koloss der 1. Klaviersonate von Johannes Brahms. Es gibt darin viele Bezüge zu Beethoven, sie weist mit der Art der Materialverarbeitung aber auch in die Zukunft. Alle diese Stücke sind zum Teil oder in ihrer Gesamtheit ausserordentlich schwierig zu spielen, sie stellen höchste Anforderungen in Bezug auf Technik und musikalische Gestaltung. Mao Fujita scheint in dieser Hinsicht keine Grenzen zu kennen. Er liess das Publikum an seiner Spielfreude teilhaben, setzte die richtigen Akzente, fand die richtigen Tempi und Klangfarben.
Beethoven, Wagner, Berg
Bereits seine erste Klaviersonate konzipierte Beethoven viersätzig, eine ansonsten den Quartetten und Symphonien, d.h. Werken, die in Konzerten öffentlich aufgeführt wurden, vorbehaltene Form. Beethoven gab damit zu verstehen, dass seine Klaviersonaten nicht blosse Hausmusik seien, sondern dass ihnen der gleiche Rang wie den publikumsorientierten Gattungen zukomme. Beethoven widmete die Sonate seinem Lehrer Joseph Haydn. Sie lässt den Einfluss Haydns erkennen, ist aber insgesamt bereits unverkennbar beethovensche Musik.
Es folgte eines der raren Klavierstücke von Wagner, das im Jahr 1861 in Paris entstandene und der Fürstin von Metternich zugeeignete Albumblatt. Wegen des Standesunterschieds dürfte Wagner für dieses Stück eine recht züchtige und wenig emotionale Musik gewählt haben. Im direkten Anschluss spielte der Pianist Bergs «12 Variationen über ein eigenes Thema». Es handelt sich dabei um ein frühes Klavierwerk Bergs, das dieser noch während seiner Studienzeit bei Arnold Schönberg geschrieben hat. Es ist ein tonales, sehr expressives Werk, weist aber bereits die für Berg typische motivische Dichte und strukturelle Komplexität auf, die später in die Atonalität und Zwölftontechnik münden.
Brahms und Liszt
Schwerpunkt und Mitte des Programms bildete die in jeder Hinsicht masslose 1. Klaviersonate von Brahms (im Programm angegeben wurde irrtümlicherweise die viel spätere 1. Violinsonate in einer Bearbeitung für Klavier solo). Sie ist masslos an jugendlicher Energie, Leidenschaft, pianistischer Dichte und Virtuosität. Sie ist von Brahms bewusst als erstes publiziertes Werk gewählt worden, mit ihr tritt er selbstbewusst vor sein Publikum. Im ganzen Werk sind Einflüsse Beethovens erkennbar, so erinnert bereits der kraftvolle Beginn mit seinen Akkordfolgen an Beethovens «Hammerklavier-Sonate».
Brahms war bereits in jungen Jahren ein technisch versierter, begnadeter Pianist. Entsprechend sind die Anforderungen, denen sich der Interpret gegenübersieht. Unglaublich, mit welcher Selbstverständlichkeit Mao Fujita die raschen, dichten und forte zu spielenden Passagen hinkriegte und dabei auch gestalterisch stets ein Höchstmass an Ausdruck zu bieten vermochte. Die Begeisterungsstürme nach dem Vortrag waren in jeder Hinsicht verdient.
Auch das letzte Stück auf dem Programm, Liszts Klaviertranskription von «Isoldes Liebestod» aus Wagners Oper «Tristan und Isolde», überträgt die orchestrale Klangwelt auf das Klavier. Dabei nutzt der Komponist Tremoli, Arpeggien und massive Akkordfolgen, um das Anschwellen des Orchesters und die flirrenden Streicher nachzuahmen. Liszt fertigte zahlreiche solcher Transkriptionen von Werken Wagners an, um sie selber vorzutragen und dem Publikum zugänglich zu machen. Mao Fujita belohnte das Publikum mit einer etwas ruhigeren Zugabe und holte dieses damit in die Realität eines gewöhnlichen Montagabends zurück.



