Die Schweizer Kinos erleben einen Aufschwung: In der ersten Jahreshälfte 2026 stiegen die Eintritte gegenüber dem Vorjahr um 17,2 Prozent. Auch Hansjörg Beck, Betreiber des Ciné Theater Gstaad, spricht von einem guten ersten Halbjahr. Dabei müssen viele Komponenten stimmen, damit ein ...
Die Schweizer Kinos erleben einen Aufschwung: In der ersten Jahreshälfte 2026 stiegen die Eintritte gegenüber dem Vorjahr um 17,2 Prozent. Auch Hansjörg Beck, Betreiber des Ciné Theater Gstaad, spricht von einem guten ersten Halbjahr. Dabei müssen viele Komponenten stimmen, damit ein Film zum Publikumsmagneten wird.
JONATHAN SCHOPFER
Eine kaum überschaubare Menge an Fernsehsendern und Streamingdiensten buhlen mit Filmen um die Aufmerksamkeit der Zuschauerinnen und Zuschauer. Das Kino steht unter grossem Konkurrenzdruck. Dennoch gibt eine aktuelle Entwicklung Anlass zur Hoffnung: Mehrere Medien wie der «Walliser Bote» und der «Tagesanzeiger» vermelden, dass die Schweizer Kinos einen Anstieg an Eintritten verzeichnet haben. Dabei beziehen sie sich auf das Bundesamt für Statistik (BFS): 5,3 Millionen Menschen schauten im ersten Halbjahr 2026 einen Film im Kino an. Das entspricht einem Plus von 17,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Filme wie das Michael-Jackson-Biopic «Michael» lockten viele Menschen ins Kino.
«Vor allem einzelne Filme stossen auf grosses Interesse», sagt Hansjörg Beck. Er betreibt das Ciné Theater Gstaad sowie Kinos in Frauenfeld und Rapperswil. «Wir bemerken eine Art Rückkehr.» Konkrete Besucherzahlen seiner Kinos nennt er jedoch nicht.
Früheres Niveau bleibt unerreicht
Vom früheren Niveau sind die Besucherzahlen weiterhin weit entfernt. Im gesamten Jahr 1980 wurden laut dem Bundesamt für Statistik rund 21 Millionen Kinoeintritte gezählt. 2023 waren es mit rund 10,5 Millionen noch etwa halb so viele. Auch Beck ordnet die aktuelle Entwicklung entsprechend ein: «Natürlich sind wir nicht auf dem Niveau der 1980er-Jahre, als man zu Hause noch zwei Fernsehsender hatte und öfter ins Kino ging.»
Der Kinobesuch hängt von vielen Faktoren ab
«Filme wie ‹Die Odyssee› oder ‹Spider-Man› ziehen die Menschen ins Kino», sagt Beck, denn die Kinos seien auf gute Filme angewiesen. Das zeige sich auch nach den Hollywood-Streiks im Jahr 2023, der in den Folgejahren Auswirkungen auf die Besucherzahlen in der Schweiz hatte. «Als die Filmschaffenden in Hollywood streikten und weniger Filme produzierten, bemerkten wir das auch bei den Zuschauerzahlen.»
Doch nicht nur das Filmangebot ist laut Beck entscheidend. Auch das Wetter spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle: «Wenn im Sommer die Sonne scheint, verbringen die Menschen lieber Zeit draussen.»
Gstaad ist schwer vergleichbar
«Gstaad lässt sich wegen der saisonalen Gäste nur schwer mit anderen Standorten vergleichen», sagt der Kinobetreiber. Im Mai und Juni lohne es sich oftmals nicht, das Kino offen zu halten. Der Cineast Beck – der für Filmkongresse auch Reisen ins Ausland auf sich nimmt – bietet dann trotzdem Filme an. «Ich bin nicht einer, der so einfach die Flinte ins Korn wirft.»
DIE KINOCHARTS DES ERSTEN HALBJAHRES
Während europäische Filme gegenüber Hollywoodfilmen in den letzen Jahren Marktanteile gutmachen konnten, liegen US-Produktionen laut dem Bundesamt für Statistik in der Schweiz nach wie vor an der Spitze.
Auch die Jahresrangliste 2026 von ProCinema wird zurzeit von drei US-Produktionen angeführt.
«Michael»: 400’841 Eintritte
«The Super Mario Galaxy Movie»: 358’261 Eintritte
«The Devil Wears Prada 2»: 322’554 Eintritte
Stand: 27. Juli 2026
JSC