Persönliches Highlight 2025: Mehr Kühe als Menschen
06.01.2026 KolumneWas für ein Einstieg! Mein erster Auftrag als Journalistin und ich wurde mitten in die Traditionen der Schweiz geworfen. Im Saanenland soll es mehr Kühe als Menschen geben, wobei das schwer zu glauben ist, so überfüllt wie die Promenade an der Züglete war. Die ...
Was für ein Einstieg! Mein erster Auftrag als Journalistin und ich wurde mitten in die Traditionen der Schweiz geworfen. Im Saanenland soll es mehr Kühe als Menschen geben, wobei das schwer zu glauben ist, so überfüllt wie die Promenade an der Züglete war. Die Züglete 2025 war für mich persönlich ein beeindruckendes Ereignis.
PAULA H. MITTAG
Ende August zog ich in die Schweiz. Mein erstes Mal alleine wohnen und noch dazu im Ausland. Nach der Einführung in die Welt des Journalismus wurde ich auch sofort ins kalte Wasser geworfen: «Hey Paula, du gehst nächstes Wochenende für deinen ersten Auftrag zur Züglete», sagte mir meine Kollegin. Völlig aufgeregt und begeistert stimmte ich zu, während ich, die keine Ahnung von Schweizer Tradition hatte und noch dazu von Alpabzügen, mich für ein Interview bereit machte und recherchierte.
Ermutigt von den Kühen (ich liebe Kühe) stand ich also am Samstag, an einem Septembermorgen, bewaffnet mit meiner Kamera mitten in der Gstaader Promenade. Der erste Anblick erschlug mich fast (im positiven Sinne): Überall drängten sich Menschen aneinander, um einen Blick auf die nächste Züglete zu erhaschen, und die Standbesitzer:innen warben eifrig für ihre regionale und traditionelle Ware. Es war sehr schönes Wetter und ein wunderbares Ambiente, da alles so friedlich wirkte – sozusagen waren alle Probleme vergessen. Aber wenn wir ehrlich sind, war ich sehr nervös, die Leute anzusprechen, ob sie mich bitte für ein Foto durchlassen können oder ein Interview führen wollen. Also versuchte ich, mich immer wieder dazwischenzudrängeln, bis meine Kollegin zu mir stiess und mir auf die Schulter tippte: Meine Güte, war ich erleichtert. Sie bot mir an, auf die Dachterrasse des GST zu gehen, um von dort aus bessere Fotos zu machen. Und zack! Das Foto war im Kasten. Nachdem nun diese Herausforderung, ein gutes Züglete-Kuhbild zu schiessen, erfüllt war, konnte ich mich ganz auf die Interviews konzentrieren. Da mein Schwerpunkt die Standbesitzer:innen waren, wählte ich die Stände, die ich, als deutsches Stadtkind, persönlich noch nie gesehen hatte: wie den Treichelstand beispielsweise. Auch den Landfrauen blieb ein Interview nicht erspart, genauso wenig wie den Jodlern. Danach durfte ich noch selbstständig und ohne weitere Arbeitsaufträge durch die Promenade schlendern und mich umsehen. Also genoss ich meine Freiheit und schaute mit viel Begeisterung den geschmückten Kühen und den traditionell gekleideten Landwirten beim Zügeln zu. Ein Souvenir darf natürlich auch nicht fehlen, also genehmigte ich mir passend zum Anlass eine kleine Kuhglocke, die bis heute an meiner Zimmerwand hängt. An diesem Tag merkte ich, dass Journalismus sehr spannend ist, da man diese Anlässe viel intensiver erlebt als die meisten anderen und sich vorher richtig ins Thema «reinfuchst», um es besser zu verstehen und möglichst gute Fragen für die Interviews zu stellen. Ich hatte somit die Chance, die Kühe von ganz nah zu sehen. Anstatt den Anlass nur oberflächlich zu betrachten, hatte ich ein viel grösseres Verständnis und einen guten Einblick in das Geschehen. Es war fast schon ein bisschen klischeehaft mit all den Jodlerklubs in ihren Trachten und die ganze Szenerie, doch das war das schöne daran, denn das ist das Saanenland: traditionell, sympathische Einwohner und wunderschöne Landschaft.
Am nächsten Tag durfte ich dann alles noch Mal Revue passieren lassen, als ich den Artikel verfasste. Scheinbar hat es mir so gut gefallen und sich so in mein Gedächtnis und Herz eingebrannt, dass ich nun drei Monate später mein Highlight darüber schrieb.
Das ganze Jahr über sind wir Journalistinnen und Journalisten mit Leidenschaft im Einsatz, um jede Woche zwei Zeitungen zu gestalten, die nicht nur über Relevantes und Wichtiges informieren, sondern auch Geschichten enthalten, die fesseln und manchmal zum Schmunzeln bringen. In unserer Serie «Mein persönliches Highlight» teilen wir stets Ende Jahr die Geschichten, die uns tief berührt, zum Lachen gebracht, zum Grübeln angeregt oder einfach begeistert haben. Kurz gesagt: Momente, die uns nicht losgelassen haben.

