Die Jodlermesse «Bhüet euch!» zum fünften Mal in der Kirche Saanen
31.08.2023Im Rahmen des Gstaad Menuhin Festivals kam am vergangenen Sonntagnachmittag die ergreifende Jodlermesse «Bhüet euch!» von Marie Theres von Gunten mit den grossartigen Orgelwerken von Wolfgang Sieber zur Aufführung. In der wunderschönen, komplett vollen Saanenkirche lauschten um die 620 Besucherinnen und Besucher mit Andacht der Orgelmusik des versierten Organisten und den klangvollen Tönen der beiden Jodlerchöre. Die Botschaft des als Gottesdienst aufgebauten Werkes verstärkte und schmückte Pfarrer Peter Klopfenstein mit seinen liturgischen Texten und Gebeten sinnvoll aus.
VRENI MÜLLENER
Mit dem «Begrüessigs-Jodel» sangen sich die Sängerinnen und Sänger des Jodlerchörlis Geuensee unter der Leitung von Yvonne Fend und des Oberländerchörli Interlaken zu Beginn in die Herzen des Publikums. Kraftvoll und ruhig führte Marie Theres von Gunten, Dirigentin des Oberläderchörli, die beiden Chöre. Das Lied «Bsinnig» beschrieb die schweren Stunden im Leben und mit den Worten «Mach üs wieder zwäg!» folgte die Bitte an Gott um Wegweisung im Alltag. Passende, rassige Orgelmusik leitete zum Loblied über. Mit «Heilig» folgte die Anbetung des Allmächtigen. Über das Geheimnis des Glaubens und die Gemeinschaft untereinander wurde nach der Kurzandacht des Pfarrers zum Thema «Demut» gesungen. Den gesungenen Liedtexten folgten jeweils klar und kräftig vorgetragene Jodelmelodien.
«Bhüet euch Gott», mit diesem Segenslied wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer auf den Heimweg begleitet, aber nicht ohne ihnen das grosse Schlussbouquet «I Gottes Hand» vorgetragen zu haben. Die circa 40 Sängerinnen und Sänger setzten ihre Stimmen noch einmal voll ein und gaben allen einen bunten Melodienstrauss mit auf den Heimweg. Die machtvolle Einleitung und darnach die wiederum einfühlsame Begleitmusik von Wolfgang Sieber an der Orgel unterstrichen die besinnlichen Passagen und drückte im «lüpfigen» Dreivierteltakt Hoffnung und Freude aus. Das Miterleben dieses eindrücklichen Konzerts machte die Zuhörer nicht nur um ein musikalisches Erlebnis reicher – die zwischen den Liedern gelesenen Worte und die Kurzandacht von Peter Klopfenstein konnten Kraft und Mut vermitteln, mit den ergreifenden Melodien im Kopf und festem Vertrauen in den Alltag zurückzugehen.
BABETTE HERBERT
Die Jodlermesse ist für Babette Herbert eine Herzensangelegenheit. Anlässlich der ersten Aufführung, welche die Familie Gottfried von Siebenthal sponserte, genoss die Wahlsaanerin dieses musikalische Werk zum ersten Mal. Damals war sie bereits begeistert vom Jodeln und besuchte entsprechende Kurse. Sie war überzeugt, dass diese Aufführung regelmässig ins Saanenland gehört, und fand in Käthi von Siebenthal und dem Gstaad Menuhin Festival die geeignete Unterstützung. Dank ihrem grosszügigen finanziellen Engagement sind die Tickets gratis zu haben und die Kollekte von über 10’014 Franken kommt voll und ganz der Heilpädagogischen Schule Gstaad zugute.
MARIE-THERES VON GUNTEN
Die Komponistin der Jodlermesse «Bhüet euch!» verschrieb einen grossen Teil ihres Lebens dem Jodelgesang. Die gebürtige Luzernerin, die heute in Beatenberg lebt, ist Trägerin des Goldenen Violinschlüssels – eine verdiente Würdigung für ihr vielseitiges Wirken. Sie organisierte nicht nur unzählige Jodelkurse, sie amtete auch als Jurorin und leitete einige Jodlerchöre, so auch während ganzer 40 Jahre erfolgreich das Jodlerchörli Geuensee, welches seit Beginn der Aufführungen in Saanen mit dabei ist. Über 100 Kompositionen mit tiefsinnigen Texten, dies meistens von ihrem Bruder, stammen aus ihrer Feder. Weil der der initiative Organist Wolfgang Sieber nicht locker liess und ihr Bruder Jules Walthert aussagekräftige Texte dichtete, wagte sie sich an die Komposition dieser besonderen Jodlermesse., Wolfgang Sieber schrieb die herrlich abrundende Orgelmusik dazu.
KÄTHI VON SIEBENTHAL
Als begeisterte Jodlerin holten Käthi von Siebenthal und ihre Familie die Jodlermesse ins Saanenland. Zusammen mit dem Gstaad Menuhin Festival hält sie die Fäden der Organisation tatkräftig in den Händen. Die Aufführung, die in der Regel alle zwei Jahre stattfindet, gilt für die Gstaaderin jeweils als besonderer Höhepunkt. Stolz darf sie auf fünf Ausführungen dieses sehr beliebten Anlasses zurückschauen. Besonders glücklich ist sie, dass sie zusammen mit dem Oberländerchörli Interlaken üben und vor einheimischem Publikum mitsingen konnte.




