Mit Sommerschuhen auf dem Schlitten
23.02.2026 SportOhne grosse Schlittenerfahrung, dafür mit Sommerwanderschuhen und viel Mut stand ich am Start des Hornschlittenrennens am Horneggli – und fragte mich spätestens beim ersten steilen Hang, worauf ich mich da eingelassen hatte.
PAULA H. MITTAG
Es ist ...
Ohne grosse Schlittenerfahrung, dafür mit Sommerwanderschuhen und viel Mut stand ich am Start des Hornschlittenrennens am Horneggli – und fragte mich spätestens beim ersten steilen Hang, worauf ich mich da eingelassen hatte.
PAULA H. MITTAG
Es ist neun Uhr morgens am vergangenen Sonntag. Doch was macht eine Praktikantin des «Anzeigers von Saanen» so früh auf den Beinen und noch dazu an einem Wochenende? Richtig! Sie geht an das Hornschlitten- und Gibelrennen. Man könnte meinen, dass jemand, der so motiviert an einem Gibelrennen teilnimmt, bereits die eine oder andere Schlittenerfahrung gesammelt hat. Aber nein. Das einzige Mal, dass ich wirklich Schlitten gefahren bin, war während der Corona-Zeit. Trotzdem habe ich sogar noch meine Freundin überredet, gemeinsam mit mir anzutreten.
Der Weg dorthin
Also fahren wir los nach Schönried ans Horneggli – sie mit vier Stunden Schlaf und eher wenig Motivation. Nach ewiger Parkplatzsuche und einem kleinen Stau in einer sehr engen Strasse haben wir es endlich geschafft: Wir stehen auf dem richtigen Parkplatz. Jetzt fehlen nur noch unsere Startnummern und die Schlitten. Bei der Startnummernausgabe angekommen, bekommen wir unsere Nummern zugeteilt und dürfen, ganz ohne Ski und Skischuhe, mit dem Sessellift nach oben fahren. Wenn ich sage, dass sich diese «Nacktheit» an den Füssen komisch angefühlt hat, dann meine ich das auch so.
Gutes Schuhwerk ist wichtig
Apropos Schuhwerk: Wir wurden darauf hingewiesen, dass gutes Schuhwerk wichtig sei. Eigentlich logisch. Doch für jemanden, der gerade erst aufgewacht ist und keine Ahnung vom Schlittenfahren hat, offenbar nicht. Also trete ich mit meinen am besten geeigneten Schuhen an: Sommerwanderschuhen. Oh je – das wird nass. Allerdings habe ich es noch besser getroffen als meine Freundin, die rutschige Stiefel mit ebenso rutschiger Sohle trägt.
Das Rennen
Mit unseren Schlitten in der Hand gehen wir zum Start und warten, bis wir aufgerufen werden. Mit steigender Nervosität rücken wir immer weiter nach vorne. Dann geht es endlich los. Meine Nummer wird aufgerufen und ich zweifle kurz an sämtlichen Lebensentscheidungen. Beim Startpfiff sause ich los. Mit viel Motivation, aber auch viel Ungeschick nehme ich die erste erstaunlich steile Kurve. Die Törchen leiten mich weiter talwärts. Ich versuche beim Lenken mein Bestes, doch nach wenigen Sekunden sind meine Schuhe voller Schnee und meine Brille ebenfalls. Bis zum Slalom-Teil ist noch alles möglich. Dort sollte man eigentlich elegant durch die Tore fahren. Wenn man es denn kann. Ich verfehle mindestens vier Törchen, bevor ich beschliesse, dass mein oberstes Ziel nun lautet: heil unten ankommen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich zwar bereits mehrere Sekunden eingebüsst, da ich die Torfehler gemacht habe, aber ich kann ja trotzdem noch versuchen, eine gute Zeit aufzustellen. Also nehme ich das mit dem Bremsen nicht mehr ganz so ernst. Das stellt sich allerdings als Fehler heraus, denn prompt fliege ich aus der nächsten Kurve. Kurz aufgerichtet, den Schlitten gepackt und zurück auf die Bahn gerannt: Weiter geht’s. Kurz vor dem Ziel wartet eine gerade Abfahrt. Endspurt! Trotz meiner eher bescheidenen «Schlittenskills» werde ich angefeuert, während ich ins Ziel fahre. Puh, geschafft! Solche Rennen sind erstaunlich anstrengend. Im Ziel stehen mehrere Pavillons, an denen Getränke und Essen ausgegeben werden. Die anderen Mädchen kommen kurz nach mir an.
Trotz Torfehlern auf dem dritten Platz
Nachdem wir nochmals Teile des Rennens angeschaut haben, fahren meine Freundin und ich schnell nach Hause, um unsere verschwitzten Kleider zu wechseln. Pünktlich zur Siegerehrung sind wir jedoch wieder zurück. Und dann die Überraschung: Ich lande trotz mehrfachen Torfehlern tatsächlich auf dem dritten Platz. Als Preis gibt es einen kleinen Fresskorb mit allerlei feinen Snacks wie Schokolade, Crackern, Salatsauce und Tee. Am Ende des Tages fahre ich glücklich nach Hause – mit neuen Vorräten für meinen Kühlschrank und einem Lächeln im Gesicht.
Für mehr Infos: www.hornschlitten-gstaad.ch





