Mitreden, mitvoten, mitgestalten
09.04.2026 TourismusVom Zuhören zum Mitreden: Der Destinationsrat der Ferienregion Gstaad hat sich spürbar gewandelt. Was vor fünf Jahren als eher frontale Informationsveranstaltung begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Treffen, an dem sich die Mitglieder aktiv einbringen. Letzte Woche in ...
Vom Zuhören zum Mitreden: Der Destinationsrat der Ferienregion Gstaad hat sich spürbar gewandelt. Was vor fünf Jahren als eher frontale Informationsveranstaltung begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Treffen, an dem sich die Mitglieder aktiv einbringen. Letzte Woche in Zweisimmen wurde engagiert diskutiert – und erstmals auch digital in Echtzeit abgestimmt. Die Themen: ein mögliches Feuerwerksverbot, die Zukunft des Caprices Festivals und Investitionen in die Schneesicherheit. Dabei zeigte sich, wie die Leistungsträger der Region diese Fragen einschätzen – und wo sie differenziert hinschauen.
Zwischen Feuerwerksverbot und Caprices Festival: der Destinationsrat als Stimmungsbarometer
Der Destinationsrat Gstaad hat sich in den vergangenen fünf Jahren spürbar verändert. Was einst als Informationsplattform begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Ort des Austauschs und der Mitwirkung. An seiner zehnten Sitzung zeigten Diskussionen und Umfragen, wo die Region zusammensteht – und wo es knirscht.
SONJA WOLF
«Heute ist es kein Frontalprogramm mehr», sagte Präsident Oliver Waser nach dem offiziellen Programm im Interview. «Die Inputs kommen aus der Mitte der Versammlung.» Genau davon lebe der Rat: dass sich Leistungsträger, Gemeinden und Institutionen aktiv einbringen und gemeinsam an der touristischen Zukunft arbeiten. «Am Schluss wollen wir eine Veranstaltung sein, die nicht nur die Traktanden abhandelt. Die Anwesenden sollen auch Spass daran haben, sich aktiv einbringen können und den Mehrwert spüren, den ihre Anwesenheit bringt», resümierte der Präsident, der genauso gut gelaunt beim anschliessenden Netzwerk-Apéro weiterdiskutierte wie die anderen Destinationsratsmitglieder.
Neues Tool zum Stimmungseinfang
Dass dieses Miteinander funktioniert, zeigte sich eindrücklich an dieser zehnten Sitzung des Destinationsrats in Zweisimmen. Erstmals kam das digitale Abstimmungstool Mentimeter zum Einsatz. Die Teilnehmenden gaben zu den Themen des Abends ihre Einschätzungen per Smartphone ab – anonym, aber in Echtzeit auf der Leinwand sichtbar. Die Resultate ersetzten die Diskussionen zwischen den Mitgliedern nicht. Sie dienten vielmehr als Ausgangspunkt für Diskussionen oder um nach erfolgter Diskussion nochmals die Gesamtstimmung im Rat zu veranschaulichen. Einstimmigkeit gab es nicht immer. Aber zunehmend eine gemeinsame Gesprächsbasis.
Feuerwerk: Mehrheit für Einschränkungen
Am deutlichsten zeigte sich das beim Thema Pyrotechnik. Ausgehend von einer Präsentation von Michel Zysset wurde die Frage diskutiert, ob Feuerwerke noch zur Positionierung einer nachhaltigen Destination passen.
Die Ausgangslage ist klar: Gstaad versteht sich als naturverträgliche Tourismusregion. Feuerwerk hingegen steht für Lärm, Feinstaub, Belastung für Tiere und Sicherheitsrisiken – Argumente, die auch in der Präsentation aufgeführt wurden.
Das Stimmungsbild im Raum bestätigte diese kritische Haltung. In der anonymen Mentimeter-Umfrage sprachen sich 68 Prozent für ein Verbot aus, 32 Prozent dagegen.
Auch die Wortmeldungen zeigten eine klare Tendenz: Viele sehen Feuerwerk als nicht mehr zeitgemäss – insbesondere wegen der Belastung für Tiere und der zunehmenden Ausdehnung über mehrere Tage. Gleichzeitig plädierten mehrere Stimmen für differenzierte Lösungen: etwa Einschränkungen statt eines vollständigen Verbots oder zentrale, kontrollierte Feuerwerke an wenigen Anlässen wie dem Schweizer Nationalfeiertag.
Der Destinationsrat zeigte eine klare Verschiebung: weg vom unkontrollierten Abbrennen hin zu einer Regulierung und einem bewussteren Umgang mit Feuerwerken.
Caprices: wirtschaftlich überzeugend – gesellschaftlich diskutiert
Ein differenziertes Bild zeigte sich auch beim Caprices Festival. Einmal sprechen die Zahlen für sich: Der Winter entwickelte sich insgesamt positiv, unter anderem dank zusätzlicher Frequenzen im März. Insgesamt wurde ein Plus von 5,5 Prozent Logiernächten gegenüber dem Vorjahr verzeichnet.
Dazu trug auch das Caprices Festival bei, das über zwei Wochenenden stattfand. «Es stärkte den März als Fokusmonat – so wie wir es auch in der Tourismusstrategie definiert haben», sagte Tourismusdirektor Flurin Riedi.
Auch die Einschätzungen im Destinationsrat fielen mehrheitlich positiv aus: Auf einer Skala von 1 bis 10 erhielt das Festival 7,5 Punkte in der Passung zur Marke Gstaad und 7,9 Punkte in der Frage nach einer jährlichen Durchführung. Als grösster Mehrwert wurde die Auslastung im Spätwinter sowie die Verjüngung der Zielgruppen genannt.
Gleichzeitig blieben kritische Stimmen nicht aus. Themen wie Lärm, Helikopterflüge oder allgemeine Störungen wurden mehrfach genannt. Für den Destinationsrat ist klar: Der Nutzen ist vorhanden – doch die Ausgestaltung muss weiterentwickelt werden.
Schneesicherheit: breite Unterstützung für weitere Investitionen
Weniger kontrovers fiel die Diskussion zur Schneesicherheit aus. Das Thema ist in der Region nicht neu – neu ist jedoch die Dimension der anstehenden Investitionen.
Bisher wurden bereits rund 70 Millionen Franken in die Beschneiungsinfrastruktur investiert. Nun steht ein letzter grosser «Effort» an, wie Matthias In-Albon betonte. Auf Basis der Studie Kompass Schnee (wir berichteten im AvS vom 18. Dezember 2025) begründete er, dass die technische Beschneiung der zentrale Erfolgsfaktor für die Zukunft der Destination sei. «Aktuell reicht die Wasserkapazität allerdings nicht aus, um das gesamte Gebiet in den vorgegebenen Kältefenstern gleichzeitig zu beschneien», so In-Albon.
Helfen soll der neue Speichersee am Hornberg, der aufgrund gestiegener Auflagen ca. 20 Millionen Franken kosten wird. Zudem sind 2,5 Millionen
Franken für die Sanierung der Leitung in Saanen und für eine Erweiterung des Pumpenhauses am Standort Eggli-Videmanette zur Kapazitätsoptimierung vorgesehen. Dazu kommt jeweils knapp eine Million Franken für den Leitungsbau an jeder der vier Etappen im Bereich Saanerslochgrat – Chaltebrunne – Parwengesattel – Lengebrand.
Das Stimmungsbild im Destinationsrat gemäss Mentimeter fiel eindeutig aus: Alle Anwesenden unterstützten die weiteren Investitionen. Die Beschneiung wird damit klar als zentraler Pfeiler für die zukünftige Wertschöpfung im Winter gesehen.
Zweisimmen: Projekte, die funktionieren – und solche, die herausfordern
Einblick in die lokale Entwicklung gab Zweisimmens Gemeindepräsidentin Beatrice Zeller. Konkret wird derzeit die Verlegung des Seilparks geprüft: Die Bäume am heutigen Standort sind teilweise überaltert oder sterben ab, weshalb die Sicherheit langfristig nicht mehr gewährleistet ist. Neu soll die Anlage nicht weit von der jetzigen in der Nähe des Schwimmbads entstehen – die Neueröffnung ist für 2028 geplant.
Als Erfolgsmodelle nannte Zeller unter anderem das Schwimmbad und das Gebiet Sparenmoos, die stark von lokalem Engagement und Freiwilligenarbeit getragen werden. Gleichzeitig zeigen sich auch Herausforderungen: «Zweisimmen ist beliebt, viele Menschen züglen hierher», erklärte die Gemeindepräsidentin. Das Wachstum bringe aber auch Druck auf die Infrastrukturen, etwa bei der Schule, wo zusätzlicher Schulraum und weitere Klassen nötig werden.
Auch den zukünftigen Ersatz der Rinderbergbahn bezeichnete Zeller als eine der nächsten grossen Herausforderungen für die Gemeinde. In Zweisimmen werden zukünftig intensive Debatten geführt werden müssen, wie die finanziellen Mittel eingesetzt werden. Dazu Beatrice Zeller provokativ: «Brauchen wir Tourismus oder ist die Schule wichtiger?»
NEUE MITGLIEDER UND ANGEPASSTE LEITLINIEN
Der Destinationsrat wächst weiter: Neu aufgenommen wurden die Montreux-Berner-Oberland-Bahn (MOB) sowie der Gstaad Yacht Club.
Die Leitlinien wurden entsprechend angepasst: Neu können Mitglieder sowohl in der Frühlings- als auch in der Herbstsitzung aufgenommen werden.
Wie kommt es zu einer Aufnahme? Laut Präsident Oliver Waser oft ganz pragmatisch: Die Institutionen kämen auf den Destinationsrat zu. Oder: Man entdecke Institutionen, die für die Destination zentral seien – und «fragt sich, warum sie noch nicht Teil des Gremiums sind», so Waser scherzhaft.
MOB-Direktor Yves Marclay freute sich über die Aufnahme – und zeigte sich überzeugt, dass die Zusammenarbeit zwar spät kam, dafür umso fruchtbarer sein werde. Gerade im Bereich der Nachhaltigkeit sehe er gutes Potenzial.
SWO









