Motion für den Erhalt der Frutiger Geburtenabteilung

  16.04.2025 Politik

Per 31. März 2025 wurde die Geburtenabteilung im Spital Frutigen geschlossen. Die Grossräte Nils Fiechter (Oberwil, SVP), Hans Schär (Schönried, FDP) und Dominik Blatti (Oberwil, EDU) wollen dies nicht hinnehmen und haben eine dringliche Motion eingereicht.

KEREM S. MAURER
Seit der Schliessung der Geburtenabteilung im Spital Frutigen herrsche in der Bevölkerung des Kandertals, des Niedersimmentals sowie in der erweiterten Region des ganzen Berner Oberlands – auch aus dem Saanenland gingen Frauen nach Frutigen zum Gebären – «grosse Enttäuschung», heisst es im Text der Motion mit dem Titel «Wiedereröffnung Geburtenabteilung im Spital Frutigen«. Die drei Urheber der am 5. April eingereichten dringlichen Motion – die Grossräte Nils Fiechter (SVP), Hans Schär (FDP), Dominik Blatti (EDU) – haben in ihrem Antrag an den Regierungsrat fünf Forderungen formuliert (siehe Kasten). Auf die Frage, warum sich unter den Motionsurhebern keine Kandertaler Grossrätinnen und -räte befinden, sagt Hans Schär auf Anfrage: «Die Grossräte vom Kandertal bereiten eine griffigere Motion vor, welche den ganzen Kanton betrifft und die im Grossen Rat eher eine Mehrheit findet.» Die Frutiger SP-Grossrätin Beatrix Hurni präzisiert auf Nachfrage: «Wir sind tatsächlich dran, auch etwas auf die Beine zu stellen. Ob es letztlich eine weitere Motion ist oder in anderer Form daherkommt, ist noch offen. Wichtig für uns ist eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, und dass wir eine tragfähige Lösung finden, um die ländlichen Regionen zu stärken.»

Der Schönrieder FDP-Grossrat schätzt die Chancen ihrer Motion als «gering» ein, aber: «Es geht ums Prinzip. Wenn wir nicht hinnehmen wollen, dass in der Peripherie, sprich in Randregionen, immer mehr Dienstleistungen abgebaut werden, müssen wir uns dagegen wehren.» Schär erinnert daran, dass die gegenwärtig unbefriedigende Situation mit dem Spital Zweisimmen auch einst mit der Schliessung der Geburtenabteilung seinen Lauf nahm.

Schliessungsbeschluss trotz neu gegründeter Stiftung
Mit Beschluss vom Mittwoch, 19. März 2025 habe der Regierungsrat dem Vorhaben der Spitäler fmi AG zugestimmt, die Geburtenabteilung per Ende März zu schliessen, heisst es im Motionstext weiter. Und dies obschon im Februar dieses Jahres eine Stiftung zur Rettung der Frutiger Geburtenabteilung gegründet worden war. Und obwohl die am 6. März vom Büro des Grossen Rates für dringlich erklärte Motion Hurni – die unter anderem die Geburtshilfe in Frutigen erhalten will – in der kommenden Sommersession des Grossen Rates zur Abstimmung gelange. Die erwähnte Stiftung habe der Spitäler fmi AG im März angeboten, die Geburtenabteilung mit einem Betrag in der Höhe von 250’000 Franken zu unterstützen, sollte diese bis mindestens Ende Jahr betrieben werden. Bis dann – so hoffe die Stiftung – hätte man auch jüngere Fachkräfte für Diensteinsätze gewinnen und sie allenfalls langfristig an das Spital binden können. Laut dem «Frutigländer» begründete die Spitäler fmi AG ihren Entscheid damit, dass «ein ganzes Bündel» an Faktoren zum Schliessungsentscheid geführt habe. Dazu noch einmal Hans Schär: «Der Fachkräftemangel und finanzielle Überlegungen haben bei diesem Entscheid eine Rolle gespielt.»

30’000 Unterschriften nicht ignorieren
Ein weiterer Grund für Hans Schär, sich für den Erhalt der Frutiger Geburtenabteilung einzusetzen, ist die Tatsache, dass dafür rund 500 Personen in Frutigen auf die Strasse gegangen und dass aufgrund einer sofort lancierten Petition rund 30’000 Unterschriften gegen die Schliessung der Geburtenabteilung gesammelt worden seien. «Der Wille der regionalen Bevölkerung, die zu verschiedenen demokratischen Mitteln greift, um sich für ihre Geburtenabteilung einzusetzen, darf vom Grossen Rat nicht ignoriert werden.» Ebenso dürfe es nicht passieren, dass die Räumlichkeiten der Geburtenabteilung kurzfristig umgenutzt würden.

Noch gibts Hoffnung
Eine Motion ist ein Instrument, das den Rat, indem sie eingereicht wird, zum Handeln zwingt. Das heisst, wenn dem gestellten Dringlichkeitsantrag stattgegeben wird, muss der Grosse Rat in der kommenden Herbstsession im September über die Motion entscheiden. Das bedeutet, den geforderten Punkten zustimmen oder sie ablehnen. Im Falle einer Zustimmung könnte das Aus der Frutiger Geburtenabteilung – zumindest vorerst – verhindert werden.


DER REGIERUNGSRAT WIRD BEAUFTRAGT:

1. Ein Konzept zur schnellstmöglichen Wiedereröffnung der Geburtenabteilung im Spital Frutigen zu erarbeiten.
2. Ein unter Umständen auch ausserordentliches, unkonventionelles Finanzierungsmodell für die Geburtenabteilung im Spital Frutigen auszuarbeiten, das die anteilsmässige finanzielle Beteiligung von regionalen Gemeinden, des Kantons, privaten Spendern, bestehenden oder neu zu gründenden Stiftungen und/ oder weiteren Organisationen vorsieht.
3. In Bezug auf vorgenannte Ziffer 2 namentlich ein Pilotprojekt einer mit Stiftungsmitteln und öffentlichen Geldern geführten Geburtshilfe mit Beleghebammen und Belegärzten am Spitalstandort Frutigen durchzuführen.
4. Den Verwaltungsrat der Spitäler fmi AG mit der schnellstmöglichen Wiedereröffnung der Geburtenabteilung im Spital Frutigen zu beauftragen;
5. Sich mit aller Kraft für den Erhalt und die Stärkung des Spitals Frutigen einzusetzen.

(Eine Motion kann gesamthaft oder auch nur punktweise zur Abstimmung gebracht werden).

 


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