Musikalische Ostern mit einer würdigen Ehrung für Markus Bach
07.04.2026 KulturVom Kulturkalender Saanen nicht mehr wegzudenken sind die Osterkonzerte, die vor 45 Jahren von Markus S. Bach ins Leben gerufen worden sind. Längst unterliegen sie der Leitung seines Sohnes Michael S., einige Male auch des Sohnes Philipp, doch die Organisation blieb bis heute in den ...
Vom Kulturkalender Saanen nicht mehr wegzudenken sind die Osterkonzerte, die vor 45 Jahren von Markus S. Bach ins Leben gerufen worden sind. Längst unterliegen sie der Leitung seines Sohnes Michael S., einige Male auch des Sohnes Philipp, doch die Organisation blieb bis heute in den Händen des Gründers und Pioniers Markus S. Nach seinem 80. Geburtstag zieht sich Vater Bach nun auch vom Organisatorischen zurück.
LOTTE BRENNER
Was heute als selbstverständlich erscheint und zum kulturellen Ritus in Saanen gehört, begann vor 45 Jahren in bescheidenem, kammermusikalischen Rahmen. In der Folge entstanden regelmässig Konzerte in der Altjahrs- sowie der Karwoche, und zu den anfänglichen paar befreundeten Musikern gesellten sich nach und nach ein Orchester (Orchestra degli Amici) und ein Chor (Mauritius). Auch Solisten aus der Region kamen hinzu.
Nach der Auflösung des Mauritius-Chors wurde 2024 unter der Leitung von Deborah Reber ein neues Chorprojekt ins Leben gerufen. Dieser Projektchor, bestehend aus rund 60 Sängerinnen und Sängern aus der Region, bereicherte auch das diesjährige Osterkonzert mit lupenreinem, wunderbarem Chorgesang. Erstaunlich, welche Reinheit und stimmliche Ausgewogenheit von diesen durch Inserate angeworbenen Chormitgliedern ausging. Welch eine Leistung, in so wenigen Proben, mit Laien, die sich vorher nicht kannten, ein solches Chorprogramm auf hohem Niveau auszuarbeiten!
Ein würdiger Abschied
Einen schöneren Rücktritt als Organisator gibt es wohl kaum, als ein feierlicher Abschied anlässlich eines Osterkonzerts, das sowohl mit Rosinen aus klassischer Orchestermusik als auch einem wunderbar eindringlichen, tiefsinnigen Chorprogramm bestückt war. Es versetzte am Karfreitag und Karsamstag ein Publikum, das zum Teil von weit angereist kam und die Mauritiuskirche in Saanen füllte, in freudige Begeisterung. Als würdiger Höhepunkt durfte der «Vater der Osterkonzerte», der nun sein aktives Engagement abgibt, noch einmal das Orchester dirigieren und sich mit Beethovens «Ode an die Freude» verabschieden – in gutem Wissen, dass diese zur Tradition gewordenen Konzerte in seinem Sinn weitergeführt werden.
Über der Erde schwebend
Fast wähnte man sich in himmlischen Sphären, hätten da am Freitag nicht einige zu spät eingetroffene Konzertbesucher unbedingt noch während des geheimnisvoll mystischen ersten Stücks von Ralph Vaughan Williams ihre Plätze aufsuchen müssen. Die Besinnlichkeit, die das Orchestra degli Amici, unter der Leitung von Michael S. Bach, in den alten Mauern der Kirche Saanen verbreitete, zusammen mit der Konzertmeisterin Simone Roggen, die als Solistin wirkte und sich in das lyrische Stück «The Lark Ascending» eindringlich in die Herzen des Publikums spielte, erlaubte kein Räuspern, kaum das Atmen. Dann eine befreiende Öffnung: Das Orchester und die Sologeige brachten rhythmisch und melodiös ein paar Emotionen ins Spiel – Gedanken, welche die Solistin virtuos geschmeidig weiterspann und wiederum hauchdünn zart in weite Fernen führte.
Mit den beiden bekannten Orchesterwerken «Sinfonie Nr. 7, die Unvollendete» von Franz Schubert und die «Peer Gynt» – Suite Nr. 1 op. 46 von Edvard Grieg gelang es dem Orchester mit seinen einfühlsamen Musikerinnen und Musikern und ihrem Dirigenten Michael Bach einmal mehr, bekannte und doch immer neu empfundene Musik erlebnisreich einzubringen.
Ein vollendet schönes Programm
Unvollendet war an diesem Konzert D 759, die aus der Hand des Komponisten lediglich zwei Sätze aufweist. Als vollendet hingegen könnte das gesamte Konzertprogramm bezeichnet werden. Denn nebst den kurzen, prägnanten Orchesterwerken, erklangen drei wohlklingende Chorgesangsstücke. Der Projektchor, der heuer zum dritten Mal aufgestellt worden ist, vermittelte spontane, frische Singfreude. Mit Auszügen aus «Sunraise Mass» von Ola Gjelo, dem bekannten Lied «You Raise Me Up» von Rolf Lovland und dem «Sommerpsalm» von Waldemar Ahlén, den der Chor bewundernswert rein a capella darbrachte, zeigte Deborah Reber, dass der «angeheuerte» Chor in Präzision und Klarheit dem Orchester keineswegs nachsteht, wenn in den paar Proben, die vor dem Konzert zur Verfügung stehen, hart und begeistert gearbeitet wird.
Fest steht: Das treue Saaner Publikum trat beglückt den Heimweg an, und viele freuen sich bereits auf die Altjahrskonzerte, zu denen bereits wieder am 26. und 27. Dezember geladen wird.




