Musikalischer Glanzpunkt vor Ostern: Musikgesellschaft Gstaad begeistert das Publikum
31.03.2026 KulturAm vergangenen Wochenende lud die Musikgesellschaft Gstaad zu ihrem traditionellen Konzert ins Kirchgemeindehaus ein. Unter der Leitung von Sandro Frautschi bot das Ensemble ein Programm, das sowohl musikalisch als auch optisch vollends überzeugte. Ein besonderer Höhepunkt waren ...
Am vergangenen Wochenende lud die Musikgesellschaft Gstaad zu ihrem traditionellen Konzert ins Kirchgemeindehaus ein. Unter der Leitung von Sandro Frautschi bot das Ensemble ein Programm, das sowohl musikalisch als auch optisch vollends überzeugte. Ein besonderer Höhepunkt waren die Auftritte der verschiedenen Solistinnen und Solisten. Mit beeindruckender virtuoser Technik und einer tiefen, spürbaren Leidenschaft für ihre Instrumente verliehen sie dem Konzert eine ganz persönliche Note. Das Publikum zeigte sich begeistert von der Präzision und dem emotionalen Ausdruck der Einzelvorträge, die immer wieder mit anhaltendem Applaus gewürdigt wurden.
EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
In neun mitreissenden Darbietungen bewies das Ensemble seine Klasse. Mit ihren Vorträgen spannten die Akteure einen musikalisch weiten Bogen – von klassischen Werken bis hin zu modernen Kompositionen. Die Spielfreude des Orchesters war deutlich spürbar.
Ausschnitt aus einem abwechslungsreichen Programm
Obwohl die Karnevalszeit mit dem Aschermittwoch offiziell ihr Ende fand, wählte die Musikgesellschaft Gstaad (MGG) mit Philip Sparkes «Klezmer Karneval» einen denkbar schwungvollen Auftakt – zunächst am Samstagabend und am darauffolgenden Sonntagnachmittag erneut vor einem gut besetzten Kirchgemeindehaus. Die Interpretation vermochte das Publikum sichtlich zu begeistern. Den Musikanten gelang es hervorragend, die für die Klezmer-Tradition typischen Kontraste herauszuarbeiten. Mal rasant und voller Lebensfreude, mal tiefgreifend melancholisch, tanzten die Melodien durch den Saal. Besonders die fliessenden Tempowechsel und die präzisen Registereinsätze unterstrichen das hohe musikalische Niveau der Gesellschaft.
Der musikalische Kontrast vom ersten zum zweiten Stück hätte nicht grösser sein können. Mit «Compostela» von Thierry Deleruyelle wagte sich der Dirigent wahrlich in höhere Sphären, wird doch das Werk als mittel bis schwer eingestuft. Aber der Ehrgeiz der MGG ist, dieses brillante Thema, das von der Pilgerreise nach Santiago de Compostela erzählt, am Eidgenössischen Musikfest in Biel vorzutragen. Wenn die Musikgesellschaft dieses Niveau bereits jetzt anpeilt, scheint die Marschrichtung für Biel absolut zu stimmen.
Im Vorfeld des Konzerts schrieb die Musikgesellschaft, sie würde ein buntes und ausgefallenes Programm liefern. In der Tat, mit «Compostela» aus dem 21. Jahrhundert sprang der Programminhalt in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, nämlich zu Pjotr Iljitsch Tschaikowski, aus dessen Feder der «Blumenwalzer» aus der «Nussknacker Suite» stammt. Der typische Dreivierteltakt mochte zu gefallen. Nach der eher kargen, ehrfürchtigen Atmosphäre von «Compostela» wirkte dieser Walzer wie ein farbenfroher Ausbruch voller Lebensfreude.
Ein besonderer Ohren- und Augenschmaus war der Auftritt der Juniors als Solisten. Den Titel «Funky Kidz» des bekannten norwegischen Komponisten Svein Fjermestad intonierten die jungen Talente stilsicher. Das Stück forderte rhythmisch heraus. Das Publikum genoss die modernen Rhythmen.
Bevor der Konzertsaal ganz im Zeichen lateinamerikanischer Rhythmen stand, sorgten die Moderatorinnen Silina von Siebenthal und Amelia Westemeier mit witzigen Sprachspielen rund um den Buchstaben B (Bellinzona oder Barcelona?), eingebettet in einen vergnüglichen Sketch, für pures Vergnügen. Bei «Oye Cómo Va», einem absoluten Klassiker des Mambo und Cha-Cha-Cha, komponiert vom legendären Tito Puente, wirkte die Spielfreude des Ensembles so ansteckend, dass selbst minimal Tanzfreudige im Takt mitwippten. Man liess sich von der zeitlosen Energie des Latin-Jazz mitreissen. Mit «Gonna Fly Now», besser bekannt als das «Theme from Rocky», wurde auch die Frage beantwortet, was Tanzmusik mit Kickboxen zu tun haben soll.
Mit dem Orchester im Hintergrund kickten und boxten Alina Kohli (Saxofonistin) und Ava Constance (Klarinettistin) vor der Bühne. Im Rhythmus der Musik tänzelten sie hin, her, vor und zurück, um den Fäusten oder Füssen der Gegnerin auszuweichen. Eine wahrlich spektakuläre Inszenierung die auch offenbarte, wie jung die Musikgesellschaft Gstaad geblieben ist.
Zugaben sind ein besonderes Ritual der gegenseitigen Wertschätzung zwischen dem Publikum und dem Orchester. Der Dirigent war vorbereitet und verwöhnte die musikkundigen Gäste gar mit zwei Titeln, nämlich mit «Floral Dancer» und «Dance from the Est». Das zweite Stück klang sehr orientalisch, wirbelte Wüstensand auf und liess vergessen, dass Gstaad nochmals von Frau Holle Besuch erhielt.
Ein Wochenende, zwei Konzerte und pure Leidenschaft für die Blasmusik
Während der Samstagabend in geselliger Runde an der Bar ausklang, bot der Sonntag mit der Ehrung verdienter Mitglieder einen emotionalen Höhepunkt bei Kaffee und Kuchen. Die Begeisterung im Saal war greifbar – der langanhaltende Applaus war der verdiente Lohn für eine intensive Probenphase. Ein kulturelles Highlight, das die musikalische Vielfalt der Region glanzvoll unterstrich.



