Nachwuchs glänzt an der Viehschau
21.04.2026 GstaadAm vergangenen Samstag bewiesen junge Landwirtinnen und Landwirte auf dem Gstaader Wispileplatz mit viel Herzblut ihr Können in der Viehzucht. In verschiedenen Kategorien wurden die schönsten Rinder gekürt, wobei besonders die feinfühlige Moderation und die ...
Am vergangenen Samstag bewiesen junge Landwirtinnen und Landwirte auf dem Gstaader Wispileplatz mit viel Herzblut ihr Können in der Viehzucht. In verschiedenen Kategorien wurden die schönsten Rinder gekürt, wobei besonders die feinfühlige Moderation und die «Kälber-Promenade» der Jüngsten für Begeisterung sorgten. Ein Tag voller Leidenschaft, bei dem Tradition auf die nächste Generation trifft.
Wenn Leidenschaft auf Tradition trifft: Ein glanzvoller Tag für die Jungzüchter:innen
Beim Jungzüchterwettbewerb auf dem Gstaader Wispileplatz präsentierten am vergangenen Samstag junge Landwirt:innen aus dem Saanenland und Obersimmental ihre Rinder, wobei Missen in den Kategorien Simmental, Swiss Fleckvieh und Red Holstein/Holstein gekürt wurden. Die Veranstaltung unterstrich die hohe Qualität der regionalen Viehzucht und sicherte die Weiterführung der Zuchttradition durch die nächste Generation. Ein besonderer Hingucker war die Promenade der Kinder mit ihren Kälbchen, einfühlsam moderiert von Barbara Kernen, der Gsteiger Gemeindepräsidentin.
RICHTER SVEN BIGLER IM INTERVIEW
«Die Gelenke sind extrem wichtig»
Es ist bemerkenswert, wie schnell Sie jeweils zu einer Bewertung gelangt sind.
Ich glaube, man entwickelt mit der Zeit gewisse Vorlieben für bestimmte Rinder – für Tiere, die einem sofort ins Auge fallen. In diesem Wettbewerb waren sehr starke Jungrinder vertreten, was die Beurteilung extrem schwierig machte, da es oft nur um Nuancen ging. Auch wenn man da und dort Unterschiede feststellen konnte, entscheiden letztlich oft die persönlichen Vorlieben für Tiere mit absolut perfekten Körpermerkmalen.
Kennen Sie die Züchter:innen?
Nein, ich wohne etwa anderthalb Stunden entfernt. Es gibt keine Bevorzugung – und so soll es auch sein. Es geht schliesslich um das Gusti und nicht um die Züchtenden.
In Ihren Bewertungskommentaren erwähnten Sie sehr oft die Sprunggelenke. Spielen die Gelenke eine wichtige Rolle?
Die Gelenke sind extrem wichtig – besonders hier in der Alpwirtschaft. Da die Tiere weit laufen müssen, um an ihr Futter zu kommen, ist eine gute Gängigkeit der Sprunggelenke das A und O.
Ein Gusti, das den Kopf stolz oben hält, erhält einen Bonus. Stimmt das?
Die Ringpräsenz spielt da definitiv mit rein; gut möglich, dass die Beurteilung dadurch noch eine Nuance besser ausfällt. Aber grundsätzlich sollte das «Zwägmache» keine dominante Rolle bei der Bewertung spielen.
EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
Ein Sportwettkampf und eine Rinderexpo weisen überraschend viele Parallelen auf, da beide auf intensiver Vorbereitung, technischem Geschick und einem strukturierten Bewertungssystem basieren. Während beim Sport oft die eigene körperliche Höchstleistung im Zentrum steht, ist eine Rinderexpo ein Präsentationsund Zuchtwettbewerb, bei dem die Ästhetik und Qualität des Tieres sowie das Geschick des Vorführenden bewertet werden.
Erfolg ist selten eine Einzelleistung. Wie im Sport braucht es ein Supportteam für die Vorbereitung «hinter den Kulissen», etwa beim «Styling» der Tiere.
Der Wettbewerb
Eingeteilt in die Rassen Simmental, Swiss Fleckvieh und Red Holstein/Holstein, sowie gegliedert in Kategorien betraten die Jungzüchter:innen mit ihren «Gusteni» den Ring.
Unter den aufmerksamen Augen des Richters Sven Bigler drehten die Vorführenden Runde um Runde. Bigler achtete dabei auf jedes Detail: Wie harmonisch wirkt das Tier im Gang? Ist die obere Linie fest? Nach wenigen Minuten des intensiven Vergleichens war es jeweils soweit. Speaker Patrik Matti ergriff das Wort und verkündete die mit Spannung erwartete Rangreihenfolge. Im Zentrum des Rings stehend, begründete der Richter seine Wahl mit präzisen Stichworten, die das zahlreiche Publikum am Ringrand fachkundig mitverfolgte.
Ehrung
Am Ende des Tages wurden die begehrten Titel vergeben. In der Kategorie Simmental sowie bei den Swiss-Fleckvieh- und Red-Holstein/Holstein-Rindern wurden die stolzen Champion-Tiere gekürt. Für die jungen Landwirt:innen aus dem Saanenland und dem Obersimmental war der Tag auf dem Wispileplatz jedoch nicht nur ein Ringen um Pokale.
Mehr als nur ein Wettbewerb
In einer Zeit, in der die Landwirtschaft zunehmend mit ideologischen Ernährungsdebatten und klimapolitischen Herausforderungen konfrontiert ist, setzte die 13. Rinderexpo Saanenland auf dem Wispileplatz in Gstaad einen bewussten Kontrastpunkt. Die Veranstaltung der Jungzüchter am 18. April war mehr als eine blosse Zuchtschau; sie war ein kraftvolles Plädoyer für die Wertschätzung bäuerlicher Arbeit.
PATRIK MATTI, OK-PRÄSIDENT RINDEREXPO SAANENLAND, IM INTERVIEW
«Die Richterleistung war äusserst souverän»
Die Jungzüchter verlassen mit ihren Tieren den Schauplatz, welches ist Ihr Fazit?
Das Fazit fällt durchwegs positiv aus: Mit über 84 «Gusteni» und sieben Kälbern auf dem Platz war die Beteiligung hervorragend; lediglich fünf Rinder mussten krankheitsbedingt abgemeldet werden. Die Verteilung auf die anwesenden Rasen: 57 Prozent Simmental, 33 Prozent Swiss Fleckvieh und 10 Prozent Red Holstein/Holstein. Bei sensationellem Wetter war zudem der Zuschaueraufmarsch grossartig.
Was gefiel Ihnen besonders gut?
Die Richterleistung von Sven Bigler war äusserst souverän. Seine Kommentare waren überzeugend und er verfolgte eine klare Linie. Ich finde, die Tiere der Jungzüchter wurden fair eingestuft und gerichtet. Das OK war begeistert von der tollen Arbeit in der Festwirtschaft.
Wie hoch war der Aufwand für die Organisation der 13. Rinderexpo?
Diese Ausstellung findet – mit Ausnahme des Jahres mit der Amtsschau – jährlich statt. Viele Arbeiten basieren auf Routine. Das Organisationskomitee, bestehend aus sechs Mitgliedern, agiert wie ein gut eingespieltes Team. Logischerweise war der Aufwand in der Woche vor der Ausstellung beträchtlich.
Die nächste Rinderexpo wird 2028 stattfinden. Werden Sie am Konzept etwas ändern?
Am Konzept gibt es eine spannende Anpassung: Wir werden die Jungzüchter aus dem Pays-d’Enhaut einladen. Damit pflegen wir den Turnus mit unseren Nachbarn – das Obersimmental hat es sehr geschätzt, seine Tiere bei uns präsentieren zu können, und nun wechseln wir ab. Zudem hoffen wir, die Teilnehmerzahlen der Einheimischen bis dahin noch etwas steigern zu können.
BEWERTUNG DES ÄUSSEREN ERSCHEINUNGSBILDES
Einige Beispiele von Beurteilungen des Richters:
– «Ein äusserst harmonisches Tier mit viel Ausstrahlung.»
– «Besticht durch ein trockenes Fundament und einen korrekten Gang.»
– «Zeigt eine sehr feste und gerade Rückenlinie.»
– «Ein breites, ideal geneigtes Becken, was ihm den Vorzug gibt.»
– «Viel Modernität und ein feiner Schliff im Widerrist.»
– «Überzeugt durch viel Rippentiefe und ein offenes Skelett.»
– «Aufgrund der besseren Beinstellung und der Eleganz in der Bewegung setze ich das Drittplatzierte vor das Viertplatzierten.»







