Nächste Hürde geschafft
05.06.2026 GstaadDas Genossenschaftsprojekt Ebnitmatte nimmt weiter Form an. An der Generalversammlung konnte die Wohnbaugenossenschaft über zugesicherte Förderdarlehen von fast drei Millionen Franken informieren. Trotz Einsprachen und noch offener Finanzierungsschritte zeigt sich der Vorstand ...
Das Genossenschaftsprojekt Ebnitmatte nimmt weiter Form an. An der Generalversammlung konnte die Wohnbaugenossenschaft über zugesicherte Förderdarlehen von fast drei Millionen Franken informieren. Trotz Einsprachen und noch offener Finanzierungsschritte zeigt sich der Vorstand zuversichtlich. Warum der Bund das Projekt unterstützt, wie weit die Finanzierung inzwischen fortgeschritten ist und weshalb die Verantwortlichen weiterhin mit einem Baustart 2027 rechnen, lesen Sie im Bericht.
Fördergelder zugesichert – Ebnitmatte bleibt auf Kurs
Das geplante Genossenschaftsprojekt Ebnitmatte kommt trotz Einsprachen voran. An der Generalversammlung konnte die Wohnbaugenossenschaft über zugesicherte Fördergelder von fast drei Millionen Franken, eine wachsende Finanzierung und den weiterhin angestrebten Baustart im Jahr 2027 informieren.
SONJA WOLF
Die Wohnbaugenossenschaft Ebnitmatte hat an ihrer Generalversammlung über den Stand des geplanten gemeinnützigen Wohnbauprojekts in Gstaad informiert. «Wir sind auf Kurs», sagte Präsident Hanspeter Reichenbach zuversichtlich vor den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern.
Bund bestätigt Projekt
Ein wichtiger Meilenstein sei erreicht: Aus dem Fonds de Roulement und dem Solidaritätsfonds wurden der Genossenschaft Darlehen von insgesamt 2,94 Millionen Franken zugesichert. Die Zusage sei für das Projekt eine wichtige Bestätigung, erklärte Reichenbach. Das Bundesamt für Wohnungswesen habe das Vorhaben fachlich und finanziell geprüft. Dabei sei unter anderem beurteilt worden, ob die Gemeinnützigkeit gewährleistet sei, ob die Wohnungen langfristig zweckgebunden bleiben, ob keine Gewinnorientierung bestehe und welchen sozialen Nutzen das Vorhaben habe.
Dass die Förderzusage erteilt wurde, sei nicht selbstverständlich gewesen. Die Anlagekosten des Projekts liegen über den vom Bund vorgesehenen Limiten. Dies habe die Genossenschaft begründen müssen. «Die zuständigen Stellen haben das sehr wohlwollend aufgenommen», sagte Reichenbach. Man habe anerkannt, dass sowohl die Baukosten als auch die Mieten im Saanenland über dem Durchschnitt lägen. Zudem seien die breite Unterstützung aus der Bevölkerung und das Engagement der Gemeinde positiv gewürdigt worden.
Breite Unterstützung aus der Region
Finanziell hat das Projekt einen weiteren Schritt gemacht. Nach eigenen Angaben verfügt die Genossenschaft inzwischen über rund 15,4 Millionen Franken zugesicherte oder einbezahlte Mittel. Dazu gehören unter anderem das Land, das von der Einwohnergemeinde Saanen als Sacheinlage eingebracht wurde, sowie die zugesprochene Bareinlage der Gemeinde. Hinzu kommen die beiden Förderdarlehen sowie die Zusage eines zinslosen Darlehens einer Privatperson über eine Million Franken.
Von den aktuell 77 Genossenschafterinnen und Genossenschaftern kommen rund 4,2 Millionen Franken einbezahltes Genossenschaftskapital. Das ursprünglich angestrebte Zeichnungsziel von 6,2 Millionen Franken ist damit zu rund zwei Dritteln erreicht. «4,2 Millionen Franken von Unternehmern und Privatpersonen aus der Region – das ist nicht selbstverständlich», sagte Reichenbach. Die breite Unterstützung zeige, dass das Anliegen in der Bevölkerung verankert sei.
Einsprachen bleiben Herausforderung
Weiterhin beschäftigen die Einsprachen gegen das Baugesuch den Vorstand der Genossenschaft. Insgesamt sind acht Einsprachen eingegangen. Drei Einsprachen betreffen nach Einschätzung der Genossenschaft eher technische oder klärbare Punkte. Fünf richten sich grundsätzlicher gegen das Projekt. Man habe die Einsprachen mit Rechtsberatern geprüft und eine Strategie festgelegt, erklärte Reichenbach. Ziel sei es, in Verhandlungen zu treten und Einsprechende zum Rückzug ihrer Eingaben zu bewegen. Er zeigte sich vorsichtig optimistisch, betonte aber auch, dass Einsprachen zeitlich schwer berechenbar seien.
Neue Regeln gegen Unterbelegung
Angepasst wurden auf Hinweis des Bundesamts für Wohnungswesen auch die Vermietungsrichtlinien. Neu sollen Belegungsvorschriften nicht nur beim Einzug, sondern auch während des Mietverhältnisses gelten. Damit soll verhindert werden, dass grössere Wohnungen dauerhaft stark unterbelegt bleiben, wenn beispielsweise erwachsen gewordene Kinder aus der elterlichen Wohnung ausziehen. In solchen Fällen soll innerhalb der Überbauung nach Möglichkeit ein Wechsel in eine kleinere Wohnung angeboten werden.
Baustart weiterhin 2027 geplant
Vor dem Baustart muss die Gemeinde Infrastrukturarbeiten, insbesondere im Bereich Kanalisation und Wasser, ausführen. Gelingt es, die Einsprachen zu bereinigen und die weiteren Vorarbeiten wie geplant abzuschliessen, hält die Genossenschaft an ihrem Ziel fest, im Sommer 2027 mit dem Bau zu beginnen. Die ersten Wohnungen könnten dann 2029 bezogen werden.
DIE WOHNBAUGENOSSENSCHAFT EBNITMATTE AUF EINEN BLICK
– 63 Wohnungen in sieben Mehrfamilienhäusern sind geplant.
– 77 Genossenschafterinnen und Genossenschafter unterstützen bisher das Projekt.
– 4,2 Mio. Franken Genossenschaftskapital wurden bisher einbezahlt.
– 15,4 Mio. Franken zugesicherte oder einbezahlte Mittel stehen aktuell zur Verfügung.
– 2,94 Mio. Franken Förderdarlehen wurden vom Fonds de Roulement und Solidaritätsfonds zugesprochen.
– Ein zinsloses Darlehen einer Privatperson über eine Million Franken.
– 24’000 Franken Zinsertrag erzielt, weil ein Teil der vorhandenen Mittel bis zum Baubeginn verzinst angelegt wurde.
– 8 Einsprachen gingen gegen das Baugesuch ein.
– Holzbauweise ab Erdgeschoss ist vorgesehen.
– Photovoltaikanlagen auf zwei Häusern sind geplant; für weitere Dächer werden zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten geprüft.
– 63 Einstellhallenplätze und 20 Aussenparkplätze sind vorgesehen.
– Geplanter Baustart: Sommer 2027.
– Geplanter Bezug: 2029.
SWO
«Wir sind noch in der Bringschuld»
Wie geht es mit der Finanzierung weiter? Wie günstig werden die Wohnungen tatsächlich sein? Und gibt es bereits Interessenten? Nach der Generalversammlung stellte sich Präsident Hanspeter Reichenbach den Fragen des «Anzeigers von Saanen».
SONJA WOLF
Mit 4,2 Millionen Franken Genossenschaftskapital ist das Finanzierungsziel noch nicht ganz erreicht. Wie wollen Sie die fehlenden Mittel beschaffen?
Wir sind noch in der Bringschuld. Zuerst müssen wir die Baubewilligung erreichen. Wenn das Projekt bewilligt ist, wird es einfacher, die noch fehlenden Mittel zusammenzubringen.
Was viele besonders interessiert: Werden die Wohnungen tatsächlich günstiger sein als andere Neubauwohnungen in Gstaad?
Unser Ziel ist ganz klar, unter dem lokalen Marktniveau zu liegen.Sobald die Finanzierung steht und wir den Kostenvoranschlag nochmals überarbeitet haben, können wir die Mietzinse genauer berechnen. Bei gemeinnützigen Wohnbauten liegen die Mieten erfahrungsgemäss rund 15 Prozent unter vergleichbaren Angeboten.
Gibt es bereits Menschen, die sich für eine Wohnung auf der Ebnitmatte interessieren?
Ja, es gab bereits erste Anfragen. Im Moment würde eine Interessentenliste aber nichts bringen. Zuerst müssen wir die Baubewilligung und die Finanzierung sichern. Nach dem Baustart verschiebt sich unser Fokus auf die Vermietung. Es wird viel über die Wohnungsnot gesprochen, aber wir müssen die 63 Wohnungen am Ende auch füllen. Leerstände wollen wir natürlich keine haben.




