Nächstenliebe leben
28.08.2026 KircheZuflucht
Rund 37’300 Eritreer, welche aus ihrem wunderschönen ostafrikanischen Land flüchten mussten, fanden in der Schweiz eine Zuflucht. Es sickern nicht so viele Informationen durch, da das Land von einem repressiven, militärdiktatorischen Regime ...
Zuflucht
Rund 37’300 Eritreer, welche aus ihrem wunderschönen ostafrikanischen Land flüchten mussten, fanden in der Schweiz eine Zuflucht. Es sickern nicht so viele Informationen durch, da das Land von einem repressiven, militärdiktatorischen Regime regiert wird.
Viele mussten fliehen, weil sie ihren christlichen Glauben nicht frei ausleben dürfen. Offiziell erlaubt sind nur die orthodoxe und die katholische Kirche – Religionsfreiheit sieht anders aus.
Dazu kommt, dass Männer und auch Frauen in den oft lebenslangen Militärdienst einberufen werden, wo sie schweren Übergriffen ausgesetzt sind.
Viele Pastoren, Wehrdienstverweigerinnen und Systemkritiker wurden ins Gefängnis gesteckt und fristen seit Jahrzehnten ein furchtbares Dasein unter menschenverachtenden Zuständen und nicht wenige sind elendiglich gestorben. Verständlicherweise wollen viele nicht mehr in einem solchen Land leben.
Über Umwege gelangen einige nach Europa. Leider gibt es immer wieder Flüchtende, welche in der Wüste verdursten oder sie ertrinken im Mittelmeer, da etliche Boote kentern. Sie mussten den «Schleppern» Tausende von Dollars für ihre Flucht zahlen. Diese Verbrecher versprechen ihnen, dass sie sicher in einem europäischen Land ankommen werden.
Wir können uns das unermessliche Leid nicht vorstellen, welche diese Menschen erleiden müssen. Sie sind mit furchtbaren Bildern konfrontiert, welche eigentlich niemand sehen sollte. Viele sind deswegen traumatisiert.
Gastfreundschaft
Trotzdem ist dieses Volk unendlich liebevoll und gastfreundlich. Ich wurde schon mehrmals von eritreischen Freunden zu einem leckeren «Injera» (Nationalgericht) eingeladen und konnte dabei ihre enorme Freundlichkeit am eigenen Leibe erleben.
Diejenigen Eritreer, welche ich persönlich kenne, sind den Schweizer Behörden sehr dankbar, dass sie in ein friedliches Land, wo sie ihren Glauben frei ausüben dürfen, als anerkannte Flüchtlinge aufgenommen wurden.
Jesus als Flüchtling
Ein Engel Gottes erscheint nach der Geburt Jesu seinem Vater Josef im Traum und befiehlt ihm, dass er mit seinem Kind und seiner Frau Maria nach Ägypten fliehen soll. Der damalige König Herodes will Jesus suchen und ihn umbringen, weil er die Prophezeiungen der jüdischen Schriften gehört hat, welche einen neuen König der Juden vorhersagen. Er sieht seine Herrschaft in Gefahr und hat grosse Angst um seine Macht. Bis zum Tod dieses Königs der Juden bleibt Jesu Familie in Ägypten. (Matthäusevangelium Kapitel 2, Verse 13–15)
Jesus Christus weiss genau, was es heisst, auf der Flucht zu sein. Er kennt die Sorgen, Ängste und Traumata solcher Menschen, da er selber als Mensch dasselbe erlebt hat.
Umgang mit Flüchtlingen
Wie sollten wir nun als Schweizer:nnen mit solchen Menschen umgehen? Wir müssen bedenken, dass keiner von uns frei entscheiden kann, wo er auf die Welt kommt. Ob wir in einem friedvollen Land mit hohen Lebensstandards oder in einem von Kriegen gebeutelten Entwicklungsland geboren werden, obliegt nicht unserer Wahl.
Dieses Bewusstsein sollte uns helfen, die Motive der Flüchtlinge zu verstehen, weshalb sie ihr Land verlassen müssen. So sollen wir ihnen mit Empathie, Achtung und Respekt begegnen. Sie haben auch Hoffnungen, Ängste und Freuden, es sind Menschen wie du und ich.
Das Doppelgebot der Liebe
Im neuen Testament lesen wir im Matthäusevangelium, Kapitel 22, Verse 37 bis 39 folgende Aufforderungen, welche Jesus Christus den damaligen religiösen Leitern gibt. Sie haben auch für uns heute ihre Wichtigkeit nicht verloren: «Liebe Gott von ganzem Herzen… und deinen Mitmenschen wie dich selbst.» Im ersten Teil sollen wir Gott von ganzem Herzen lieben.
Vielleicht fällt uns dies leichter, wenn wir wissen und dann auch glauben, dass Gott aus Liebe seinen einzigen Sohn Jesus Christus auf diese Welt geschickt hat, damit er für unsere Zielverfehlungen am Kreuz stirbt. Damit steht uns der Weg zu dem heiligen Gott offen. Er möchte eine persönliche Beziehung zu uns aufbauen. Mit einem einfachen Gebet, das heisst mit Ihm kommunizieren, lässt sich dies erreichen.
Ich möchte mich nun auf den zweiten Teil dieses Gebotes konzentrieren. Dazu muss man sich die Frage stellen, wer denn unser Mitmensch ist. Es ist jede Person, welche uns in irgendeiner Art und Weise über den Weg läuft. Dazu gehören auch die eritreischen Flüchtlinge. Sie sind sehr offen und viele von ihnen nehmen Deutschkurse und man kann leicht mit ihnen ins Gespräch kommen. Oder man kann ihnen mit einem kleinen Lächeln begegnen.
In dieser Welt gibt es genug Mobbing, Gewalt und Kriege. Lasst uns in unserem Umfeld Frieden, Freundlichkeit und Herzlichkeit zu allen Menschen säen.
Am Schluss des biblischen Zitats steht geschrieben, dass wir uns selbst lieben sollen. Dies dürfen wir natürlich nicht vergessen.
Ich wünsche allen Leser:innen alles Gute und Gottes Segen.
STEFAN BURRI

