Nein zur Bildungsinitiative: Unsere Schule brauchen konkrete Lösungen
15.09.2026 LeserbriefeUnsere Schulen stehen heute vor grossen Herausforderungen. Der Mangel an Lehrpersonen ist längst Realität. Viele Lehrpersonen sind stark belastet, die Anforderungen im Schulalltag nehmen zu und auch die Schulleitungen stehen unter immer grösserem Druck. Gleichzeitig erwarten wir zu ...
Unsere Schulen stehen heute vor grossen Herausforderungen. Der Mangel an Lehrpersonen ist längst Realität. Viele Lehrpersonen sind stark belastet, die Anforderungen im Schulalltag nehmen zu und auch die Schulleitungen stehen unter immer grösserem Druck. Gleichzeitig erwarten wir zu Recht eine gute und verlässliche Bildung für unsere Kinder und Jugendlichen.
Diese Situation darf uns nicht gleichgültig sein. Im Gegenteil: Wir müssen handeln. Doch gerade deshalb sollten wir genau hinschauen, ob eine politische Forderung die bestehenden Probleme tatsächlich löst. Die Bildungsinitiative ist aus meiner Sicht nicht die richtige Antwort. Eine Erweiterung der Kantonsverfassung mag auf den ersten Blick gut klingen. Doch ein neuer Verfassungsartikel allein bringt keine einzige zusätzliche Lehrperson ins Klassenzimmer. Er entlastet keine Lehrperson, reduziert die zunehmende Bürokratie nicht und nimmt auch den Schulleitungen keine Aufgaben ab. Wir dürfen uns deshalb nicht mit schönen Formulierungen und politischen Versprechen zufriedengeben. Bildungspolitik muss dort ansetzen, wo die Probleme tatsächlich entstehen – im Schulalltag.
Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für Lehrpersonen, damit der Beruf attraktiv bleibt und wieder mehr Menschen dafür gewonnen werden können. Wir müssen Lehrpersonen von unnötigen Zusatzaufgaben entlasten und ihnen ermöglichen, sich auf ihre wichtigste Aufgabe zu konzentrieren: das Unterrichten und Begleiten unserer Kinder. Auch die Schulleitungen brauchen mehr Unterstützung, damit sie ihre Führungsaufgabe wahrnehmen können, anstatt immer mehr Zeit mit Administration und zusätzlichen Anforderungen zu verlieren. Das sind die Fragen, mit denen sich die Politik beschäftigen muss. Wie gewinnen wir genügend Lehrpersonen? Wie entlasten wir die Schulen konkret? Wie stärken wir die Schulleitungen? Und wie schaffen wir gute Bedingungen für einen erfolgreichen Unterricht? Genau hier überzeugt die Bildungsinitiative nicht. Sie greift zwar wichtige Herausforderungen wie den Lehrpersonenmangel, die Belastung der Lehrpersonen und die Bildungsqualität auf. Sie beschränkt sich jedoch auf grundsätzliche Vorgaben in der Kantonsverfassung und schafft aus meiner Sicht noch keine konkreten und unmittelbar wirksamen Lösungen für den Schulalltag. Ein Nein zur Bildungsinitiative ist deshalb kein Nein zu einer starken Volksschule und kein Nein zu Investitionen in die Bildung. Im Gegenteil. Wer eine gute Schule will, muss bereit sein, die tatsächlichen Probleme anzupacken und dort zu investieren, wo es Wirkung zeigt. Unsere Kinder brauchen gute Schulen. Unsere Lehrpersonen brauchen bessere Bedingungen. Unsere Schulleitungen brauchen Unterstützung. Und die Bevölkerung darf von der Politik erwarten, dass sie dafür konkrete Lösungen entwickelt. Darum lehne ich die Bildungsinitiative ab. Nicht, weil unsere Schulen keine Veränderungen brauchen – sondern weil sie die richtigen Veränderungen brauchen. Sagen wir Nein zu einer Initiative, die den Anspruch erhebt, unsere Bildung zu verbessern, aber die zentralen Herausforderungen des Schulalltags nicht löst. Und sagen wir Ja zu einer Bildungspolitik, die Verantwortung übernimmt, Prioritäten setzt und konkrete Verbesserungen umsetzt.
GROSSRAT DOMINIK BLATTI (EDU), OBERWIL
