PAULA H. MITTAG
Als ich hier ins Saanenland gekommen bin, habe ich gedacht, dass ich Interviews führe, ein paar Fotos mache und Artikel schreibe. Doch nie hätte ich gedacht, dass ich mich an einem Montagmorgen wegen des «Anzeigers» mehrere hundert Meter über dem ...
PAULA H. MITTAG
Als ich hier ins Saanenland gekommen bin, habe ich gedacht, dass ich Interviews führe, ein paar Fotos mache und Artikel schreibe. Doch nie hätte ich gedacht, dass ich mich an einem Montagmorgen wegen des «Anzeigers» mehrere hundert Meter über dem Boden in einem Heissluftballon befinden würde.
Nachdem ich die 25-minütige Fahrt nach Château-d’Oex und die ewige Parkplatzsuche überstanden hatte, wurde ich begrüsst und durch die Absperrung gelassen. Dort durfte ich all die Aliens, Tukane oder Luftschiffe mit Gesichtern bestaunen und ihnen beim Aufblasen und Abheben zusehen. Nach einer einstündigen Wartezeit, in der dummerweise meine Füsse nass wurden, bekam ich meinen Heissluftballon zugeteilt. Die Nummer 9, ein grosser Ballon, sollte mich ins Saanenland bringen, und unser Captain kam aus Litauen. Das erste Problem war die Sprachbarriere: 90 Prozent der fast 13 Ballonfahrenden hatten Französisch als Hauptsprache und konnten teilweise Englisch sprechen. Also musste ich auf meine Englisch-Skills zurückgreifen. Beim Ballon angekommen, bekamen wir noch eine kurze Sicherheitserklärung und schon ging es los. Oben in der Luft fühlte sich die Welt auf einmal sehr klein an. Bereits beim Aufstieg konnte man die Landebahn in Saanen sehen, obwohl ich mit dem Auto 25 Minuten nach Château-d’Oex gebraucht hatte. Anfangs hatte ich noch etwas Angst, dass ich gleich hinausfallen oder mein Handy über den Rand fallen lassen könnte, doch mit der Zeit verlor sich diese Angst und verwandelte sich in pure Begeisterung. Wir waren auf derselben Höhe wie die Berge und konnten all die kleinen Dörfer sehen. So schnell, wie die Ballonfahrt angefangen hatte, war sie auch wieder vorbei, als wir nach etwa anderthalb Stunden in einem Feld landeten. Doch das war nur die Hälfte unserer spannenden Reise. Denn normalerweise helfen alle Passagiere mit, den Heissluftballon zusammenzupacken und werden anschliessend von einem Van abgeholt. Bei uns lief das allerdings ein wenig anders: Während wir versuchten, den Ballonstoff in seine Tasche zu stopfen, blieb der Van im Schnee stecken. Wir versuchten mehrmals gemeinsam, ihn herauszuschieben, erfolglos. Also holten wir zwei Platten, die wir unter die Räder legten. Doch der Van rutschte erschreckenderweise ab. Ein Atemzug später und nach ein paar Beinaheherzinfarkten stand er wieder sicher. Die Fahrerin gab Gas, vier Leute schoben von hinten und endlich fuhr er wieder. Doch das war nicht die letzte Herausforderung. Der Landwirt, dem das Feld gehörte, nahm es nicht sonderlich gut auf, dass wir auf seinem Land gelandet waren, weshalb er verärgert auf uns zukam. Das einzige Problem: Die Organisatoren konnten kein Deutsch, und der Landwirt sprach weder Englisch noch Französisch. Also gut, dann fungierte ich eben als Übersetzerin. Nachdem die kleinen Unannehmlichkeiten endlich geklärt waren, wurden wir zurück zum Festival gebracht, und schon war das Abenteuer vorbei.
paula.mittag@anzeigervonsaanen.ch