«No Other Choice»: Wenn die Jobsuche zum Schlachtfeld wird
09.10.2026 VorschauDas Filmpodium Saanenland zeigt am Montag, 12. Oktober, um 20.30 Uhr im Cinema Gstaad «No Other Choice» von Park Chan-wook. Der südkoreanische Film erzählt von einem Familienvater, der nach dem Verlust seiner Stelle seine beruflichen Konkurrenten aus dem Weg ...
Das Filmpodium Saanenland zeigt am Montag, 12. Oktober, um 20.30 Uhr im Cinema Gstaad «No Other Choice» von Park Chan-wook. Der südkoreanische Film erzählt von einem Familienvater, der nach dem Verlust seiner Stelle seine beruflichen Konkurrenten aus dem Weg räumen will.
Der vorbildliche Familienvater und Papierindustrie-Experte Man-soo verliert nach 25 Jahren loyalem Dienst abrupt seinen Job: wegrationalisiert und ersetzt durch modernste KI-Automatisierung. Gefangen in einer anderthalbjährigen Abwärtsspirale und getrieben von der Angst, sein mühsam abbezahltes Haus zu verlieren, fasst er einen makabren Entschluss: Wenn es keine freie Stelle für ihn gibt, schafft er sich selbst eine. Systematisch spürt er seine sieben stärksten beruflichen Konkurrenten auf, um sie dauerhaft aus dem Rennen zu nehmen.
Der Film «No Other Choice» basiert auf dem US-Roman «The Ax» von Donald E. Westlake. Der Regisseur Park Chan-wook verwebt den Stoff brillant mit den heutigen Ängsten vor technologischer Verdrängung und dem extremen südkoreanischen Leistungsdruck. In einer Gesellschaft, in der die persönliche Ehre und der soziale Status bedingungslos an den Beruf und das Eigenheim gekoppelt sind, wird der Jobmarkt zur existenziellen Arena.
Der Film zeigt, wie sehr Man-soo unter dem Druck steht, seine Familie als Ernährer abzusichern, und das hyperkapitalistische Prinzip «Fressen oder gefressen werden» mit messerscharfer, grotesker Logik auf die Spitze treibt.
Dies spiegelt sich schon im koreanischen Originaltitel «Eojjeolsuga eopda» wider, was übersetzt so viel bedeutet wie: «Da lässt sich wohl nichts machen.» So wird Man-soos persönliche Verzweiflung zum Spiegel einer Gesellschaft, in der wirtschaftliche Unsicherheit und technologische Verdrängung jeden Einzelnen jederzeit ins Abseits drängen können. Zwischen bitterer Komik und schonungsloser Gewalt entlarvt der Film die zerstörerische Logik eines Systems, das seine Opfer dazu bringt, einander als Konkurrenten statt als Verbündete zu betrachten.
Für den südkoreanischen Kultregisseur Park Chan-wook, bekannt für Filme wie «Oldboy» oder «The Handmaiden», ist dieser Thriller eine absolute Herzensangelegenheit, an deren Umsetzung er erstmals bereits 2009 gearbeitet hat. «No Other Choice» ist sein 13. Spielfilm. Auf die Frage, warum es letztlich so lange bis zur Realisierung gedauert hat, antwortete er in Interviews gewohnt trocken und pragmatisch mit nur einem einzigen Wort: «Geld.» Auch diesmal verbindet Park Chan-wook gekonnt blutige Thriller- Elemente mit scharfem, schwarzem Humor. Seine perfektionistische Handschrift zeigt sich nicht nur in der präzisen Kameraarbeit, sondern auch im orchestralen Soundtrack, den er extra in den legendären Londoner Abbey Road Studios einspielen liess.
Im Abspann widmet er das Werk zudem seinem Vorbild Costa-Gavras, der den Stoff 2005 schon einmal in Europa verfilmte.
Direkt nach seiner Weltpremiere bei den «Filmfestspielen von Venedig» wurde «No Other Choice» zu einem internationalen Festival-Liebling. Beim «Toronto International Film Festival» gewann der Film den begehrten «International People’s Choice Award». In Südkorea erhielt er bei den «Blue Dragon Awards» insgesamt sieben Preise. Ausserdem wurde er als offizieller südkoreanischer Beitrag ins Rennen um die «Oscars» geschickt.
Regisseur Park Chan-wook bringt die gesellschaftskritische Tragikomödie des Films und das moralische Dilemma seiner Hauptfigur pointiert auf den Punkt: «Zuerst wollte ich der inneren Welt eines Individuums folgen und als Nächstes die Gesellschaft darstellen, von der dieses Individuum ein Teil ist, und beide Dinge in einer einzigen Geschichte kombinieren. (...) Man-soos wahres Problem ist, dass er die Waffe auf das falsche Ziel richtet.»
Wer «Parasite» mochte, ist hier genau richtig: ein ebenso verstörender wie sehenswerter Mix aus bitterbösem Humor, gesellschaftlichen Abgründen und packender Spannung! Nicht verpassen!
FILMPODIUM SAANENLAND
Wir zeigen den Film am Montag, 12. Oktober 2026, um 20.30 Uhr im Cinema Gstaad. Nichtmitglieder sind herzlich willkommen und zahlen an der Abendkasse.

