Es muss Anfang der 1970er-Jahre gewesen sein. Ein Dutzend Militärkameraden hatten sich in Bern zum Mittagessen im Restaurant Krone verabredet. Etwas zu früh war ich dort angekommen, aber der Soldat Walter H. – er war von Beruf Journalist wie ich auch – stand schon zivil ...
Es muss Anfang der 1970er-Jahre gewesen sein. Ein Dutzend Militärkameraden hatten sich in Bern zum Mittagessen im Restaurant Krone verabredet. Etwas zu früh war ich dort angekommen, aber der Soldat Walter H. – er war von Beruf Journalist wie ich auch – stand schon zivil gekleidet und in ganzer Grösse lächelnd vor der Tür.
Wir begrüssten uns und plauderten über dies und das. Nach einer kleinen Gesprächspause sagte Walter, er werde dann gleich am Buffet nachfragen, ob er die Getränke mit der Kreditkarte bezahlen könne. Und stolz zeigte er mir sein Lederetui, worin über ein halbes Dutzend Karten steckten: Visa, Mastercard, American Express, Diners Club… soweit ich mich erinnern mag. Die Postfinance Card gab es noch gar nicht. Bald kamen dann weitere Kollegen und bewunderten Walters Reichtum an Kreditkarten.
Politisch konnte ich den Walter nie so richtig einordnen. Aber bei einer Gelegenheit erklärte er mir, nicht nur religiös, sondern auch politisch sei er ein Ungläubiger. Das nütze ihm auch beruflich. Ohne Parteizugehörigkeit könne er schreiben, was er wolle. Der inzwischen verstorbene Walter kommt mir heute noch jedes Mal in den Sinn, wenn man irgendwo in einem Geschäft eingeladen wird, «mit Karte» zu bezahlen. Meistens verlasse ich dann den Laden wieder. Nicht ohne noch zu reklamieren: «In der Schweiz muss man mit Bargeld bezahlen können.»
Aber das ist ein Irrtum.
1950 begann erst in den USA mit Diners Club und Visa das Kartengeschäft, während es in Europa anfänglich mit Barclays Fahrt aufnahm.
Mittlerweile nimmt auch in der Schweiz die Nutzung digitaler Zahlungsmittel zu. Noch Ende 2024 waren über 17,5 Millionen Karten im Umlauf. Somit sind alle erwachsenen Menschen in unserem Land durchschnittlich mit zwei Bankkarten unterwegs. Entsprechend sinkt die Bedeutung des Bargelds. Gemäss den Ermittlungen der Schweizerischen Nationalbank sank der Anteil des mit Bargeld bezahlten Geldverkehrs von 70 Prozent im Jahr 2017 auf 36 Prozent im Jahr 2022.
Diese ganze Entwicklung hat zu einer etwas komplizierten Volksinitiative mit dem Titel «Ja zu einer unabhängigen freien Schweizer Währung mit Münzen oder Banknoten (Bargeld ist Freiheit)» geführt.
Der Bundesrat hat bereits mit einem Gegenentwurf den Initiant:innen den Wind aus den Segeln genommen, mit einem Artikel in der Bundesverfassung, bestehend aus zwei Sätzen: 1. Die schweizerische Währung ist der Franken.
2. Die Schweizerische Nationalbank gewährleistet die Bargeldversorgung. Vorausgesetzt, derselbe wird von Volk und Ständen angenommen.
OSWALD SIGG
JOURNALIST, EHEMALIGER BUNDESRATSSPRECHER
oswaldsigg144@gmail.com