Offene Keller- und Gadentüren zum Jubiläum im Alpkäselager im Grund
02.10.2026 LandwirtschaftDie Idee des Verwaltungsrats der Käse-Reifungslager Saanenland AG, den 50. Geburtstag mit einem Tag der offenen Türen zu feiern, stiess auf grosses Interesse. Einheimische, viele Gäste aus dem Unterland und den französischsprachigen Nachbarkantonen begaben sich im ...
Die Idee des Verwaltungsrats der Käse-Reifungslager Saanenland AG, den 50. Geburtstag mit einem Tag der offenen Türen zu feiern, stiess auf grosses Interesse. Einheimische, viele Gäste aus dem Unterland und den französischsprachigen Nachbarkantonen begaben sich im Laufe des Tages auf den Rundgang durch das Gebäude. Unterwegs konnten sie viele Informationen zur Käselagerung im Gaden und Keller sowie zur Käsepflege mit modernster Technik erfahren.
VRENI MÜLLENER
Obwohl die Organisatoren viele Käseproduzenten erwarteten, setzten sie sich zum Ziel, vor allem Konsument:innen anzusprechen und ihnen zu zeigen, was es alles braucht, bis ein frischer Alpkäse zum weitherum begehrten Hobelkäse wird. Dieses Ziel wurde ganz klar erreicht. Wer sich nicht scheute, die blauen Plastiküberzüge über seine Schuhe zu stülpen, begegnete im Rundgang durch das Gebäude interessanten Infotafeln, die die Geschichte des Lagers erzählten und auf denen die herkömmliche und moderne Alpkäseproduktion dargestellt wurden. Geduldig beantworteten die Verwaltungsräte die aufkommenden Fragen der Besuchenden. An den beiden Marktständen auf dem zur Festwirtschaft umfunktionierten Parkplatz wurden fleissig – zum Teil mehrsprachig – Informationen weitergegeben und erfolgreich Alpprodukte verkauft. Immer grosser Beliebtheit erfreut sich die Schaukäserei auf dem alten Aebi-Zweiachser von Willi Bach. Die (einheimischen) Liebhaber:innen der Zwischenprodukte «Schluck» und «Britsche» kamen voll auf ihre Rechnung. In der Festwirtschaft wurde allerlei gegen den Durst sowie «Cheesbrätel» und Käseteller mit Trockenwurst angeboten. Manch eine:r holte sich mürbe «Nideltäfeli» zum (Jubiläums)-Kaffee am Stand der Älplerfamilie Gander.
Betrieb einst und jetzt
Als 1977 die ersten Käse eingeliefert wurden, war die ganze Käsepflege im neuen Lager wie auf den Alpen: aufwendige Handarbeit, die sorgfältig erledigt sein wollte. Ältere Einlieferer erinnern sich noch gut an Robert Scheidegger, der als Erster im Käselager einzog und von da an täglich die angelieferten Käse zur Pflege entgegennahm. Seither sah das Käselager einige Betriebsleiter, einmal sogar eine Betriebsleiterin, kommen und gehen. Seit drei Jahren versieht Laszlo Kozma diesen Posten. Stolz präsentierte er den vollautomatischen Schmierroboter. «Wenn dieses technisch hochausgeklügelte Gerät richtig eingestellt ist, schmiert es in der Stunde circa 100 Stück Käse, Tag und Nacht», schwärmte der Betriebsleiter aus Tschechien. Ein Roboter brauche keine Znüni- und Mittagspause, erklärte Kozma den Unterschied zu den Arbeitern, die die Schmiermaschinen von Hand bedienen. Ein geübter Salzer bringt es dort auf 250 Stück pro Stunde.
Da sich immer weniger Arbeitskräfte für diese eher eintönige Arbeit finden, bringen die technischen Geräte eine enorme Erleichterung bei gleichbleibender Qualität. Gegenwärtig liefern um die 100 Produzent:innen ihre Käse ins Lager. Die Arbeit im Keller unterliegt grossen Schwankungen, die Zahl der eingelieferten Käse nimmt im Verlauf des Sommers ständig zu. Ende Oktober übernehmen die Molkereien und Händler die zum Verkauf stehenden Käse. Im Lauf des Winters werden die mit der Maximalnote von 20 Punkten bewerteten Laibe zur weiteren Lagerung ins «Gade» gebracht. Dort werden sie stehend gelagert und reifen in eineinhalb bis zweieinhalb Jahren zum beliebten Hobelkäse.
Die Aktiengesellschaft
Die Planung und der Bau eines Käsereifungslagers sei ein äusserst wichtiges Gemeinschaftswerk für die Milchproduzenten des Saanenlandes, betonte Herr Horisberger in seiner Begrüssung anlässlich der Gründungsversammlung der Käse-Reifungslager Saanenland AG im Mai 1976.
Die Gesellschaft begann mit einem Aktienkapital von 50’000 Franken, aufgeteilt auf die drei Milchgenossenschaften Gstaad, Saanen und Schönried sowie die drei Gemeinden Saanen, Gsteig und Lauenen. Die Bausumme von 1,571 Mio. Franken setzte sich aus Beiträgen der Milchgenossenschaften, der Gemeinden und Beiträgen von Bund und Kanton sowie einem Baukredit zusammen. Während längerer Zeit amtete Robert Sumi als erster Verwaltungsratspräsident.
1995 wurde die Firma mit einer Aktienkapitalerhöhung auf 300’000 Franken erfolgreich saniert, seither sind die Käseeinlagerer als Aktionäre mitbeteiligt.
Seit Mai 2025 steht Yvan von Grünigen dem neunköpfigen Verwaltungsrat vor. Eine grössere Herausforderung in diesem Gremium hat er – zusammen mit seinen Kollegen der Verwaltung, mit der Geschäftsführerin Irene Nischan, dem Betriebspersonal und freiwilligen Helfer:innen – am vergangenen Sonntag mit Bravour gemeistert.
DIE GESCHICHTE DES KÄSEREIFUNGSLAGERS
Aufgrund der personellen Lage auf den Alpen, zum Teil auch aus Platzgründen, wurden die Käse je länger je mehr im Tal gelagert. Weil immer mehr Bauernhäuser renoviert und mit Zentralheizungen ausgerüstet wurden, verschwanden die guten, privaten Käsekeller mit der Zeit. Der Bau eines Käsereifungslagers entsprach einem grossen Bedürfnis.
– Juli 1972: Erste Sitzung einer Milchwirtschaftlichen Expertenkommission bestehend aus Vertretern der Milchgenossenschaften Gstaad, Saanen und Schönried zur Planung eines zentralen Käselagers.
– Mai 1976: Gründungsversammlung der Käse-Reifungslager Saanenland AG.
– Juni 1976: Spatenstich zum Bau des Käselagers.
– Mai 1977: Fertigstellung des Gebäudes mit vier Kellern für 8000 Laibe Alpkäse und einem Käsegaden für 4500 Stück Hobelkäse. Im Weiteren entstanden eine Betriebsleiterwohnung sowie ein Studio im Dachgeschoss.
– Sommer 1977: Die ersten Käseeinlieferungen erfolgten.
– 1990: Die Umrüstung des Gadens von fixen Gestellen zu praktischen Rollgestellen ergibt Platz für weitere 6200 Käselaibe.
– 1992: Anbau des kleinen Holzchalets, ursprünglich als Verkaufslokal gedacht.
– 2001: Tag der offenen Tür zum 25-Jahr-Jubiläum.
– 2003: Erweiterung um einen Keller für zusätzliche 4300 Käselaibe.
– Bis 2019: laufende Modernisierung mit Anschaffung des vollautomatischen Schmierroboters.
– 2025: Sanierung des Flachdachs am nördlichen Teil des Gebäudes.
VMU







