Nach einem schweren Sturz im Training musste Fabrice von Grünigen seinen Start im Snowboardcross aufgeben. Doch der Athlet liess sich nicht entmutigen und sorgte im Banked Slalom mit Silber doch noch für ein starkes Ende seiner Paralympics.
JOCELYNE PAGE
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Nach einem schweren Sturz im Training musste Fabrice von Grünigen seinen Start im Snowboardcross aufgeben. Doch der Athlet liess sich nicht entmutigen und sorgte im Banked Slalom mit Silber doch noch für ein starkes Ende seiner Paralympics.
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«Äs isch schön. Super Gschicht. Ich ha Fröid ka», antwortet Fabrice von Grünigen auf die Frage der SRF-Journalistin, ob er seine Leistung in Worte fassen kann. Dabei zuckt er mit den Schultern, lächelt, grinst. Man sieht ihm an: Seine Silbermedaille im Banked Slalom an den paralympischen Winterspielen ist erst wenige Minuten her. Vieles gibt es noch zu realisieren, vieles muss noch verarbeitet und bestimmt auch gefeiert werden.
Zwei Tage nach seinem grossen Coup spricht er mit dieser Zeitung. Auf die Frage, wie sich dieser Erfolg anfühle, sagt er: «Gar nicht so schlecht.» Der Saaner Snowboardathlet ist kein Mann für pathetische Sätze. Keine grossen Worte. Die braucht es auch nicht. Seine Leistung im Banked Slalom spricht eine deutliche Sprache.
Unglücklicher Start in die Spiele
Dass die Paralympischen Spiele für ihn letztlich so erfolgreich endeten, war keineswegs selbstverständlich. Beim Training im Snowboardcross, seiner Paradedisziplin, stürzte er schwer. Laut den Trainern war er drei bis vier Minuten bewusstlos. Er erlitt eine Hirnerschütterung sowie Prellungen am ganzen Körper, besonders der Rücken bereitete ihm Schmerzen.
Die Enttäuschung war gross. Wie er selbst sagt, bereitet ihm gerade der Cross besonders viel Freude. «Es war eine spezielle Situation. Durch den Unfall erlebte ich an den Paralympics das ganze Spektrum an Gefühlen, von grosser Enttäuschung darüber, nicht im Snowboardcross starten zu dürfen, bis hin zum schönen Ende im Banked Slalom», erzählt er.
Ein Lauf, der seine Stärken ausspielte
Das schöne Ende: die Silbermedaille. Mit einem Vorsprung von 1,14 Sekunden beendete er seinen Lauf und übernahm zunächst die Führung. Am Ende musste er sich nur dem Italiener Emanuel Perathoner geschlagen geben. Sein Lauf habe sich zwar gut angefühlt, sagt von Grünigen, doch dieses Gefühl habe sich auch schon als trügerisch erwiesen. «Trotzdem hat es mir Spass gemacht, und ich denke, dass der abgesteckte Lauf gut zu meinen Stärken gepasst hat.»
Familie und Freunde: Unterstützung in schweren wie in guten Zeiten
Nach einem solchen Rückschlag so schnell wieder zurückzufinden, erfordert grossen Willen. Ebenso wichtig ist jedoch die Unterstützung aus dem Umfeld. Diese erhielt er zunächst vom Schweizer Physio- und Ärzteteam. «Ich wurde super betreut», erzählt er dankbar.
Eine weitere wichtige Komponente ist sein familiäres und freundschaftliches Umfeld. Mutter und Freundin waren stets vor Ort, fieberten, litten, feierten und jubelten mit. Auch seine Freunde wollten ursprünglich für den Snowboardcross anreisen und kamen dennoch, obwohl er nach dem Sturz nicht starten konnte. Statt ihn anzufeuern, unterstützten und motivierten sie ihn für den weiteren Wettkampf. Eine Unterstützung, die sich am Ende auszahlte.
Saison neigt sich dem Ende zu
Nach den Paralympics stehen für Fabrice von Grünigen keine weiteren Rennen mehr an. Wie die kommende Weltcupsaison aussehen wird, wie er sich darauf vorbereitet und wann es wieder losgeht, wird er in den nächsten Wochen gemeinsam mit seinem Trainerstab besprechen. «Aber zuerst sind Ferien angesagt», sagt er lächelnd.