«Peter und der Wolf»… und Erwachsene ebenso
01.09.2026 KulturDas klassische Musikmärchen «Peter und der Wolf», vor 110 Jahren vertont von Sergei Prokofjew, macht auch heute noch die Kinder froh… Aber nicht nur die vielen Kinder im Festivalzelt Gstaad, sondern auch die erwachsenen Konzertgäste und nicht zuletzt das Royal ...
Das klassische Musikmärchen «Peter und der Wolf», vor 110 Jahren vertont von Sergei Prokofjew, macht auch heute noch die Kinder froh… Aber nicht nur die vielen Kinder im Festivalzelt Gstaad, sondern auch die erwachsenen Konzertgäste und nicht zuletzt das Royal Philharmonic Orchestra mit dem Dirigenten Vasily Petrenko sowie der Erzähler Daniel Hope liessen sich mit Leib und Seele von der Geschichte verzaubern.
LOTTE BRENNER
Wer hat schon Angst vor dem Wolf, an einem solch sonnigen, klaren Sonntagmorgen? Mutig stellten sich kleine und grosse Kinder der Auseinandersetzung mit dem gefürchteten Tier und folgten der Geschichte des kleinen Peter im sinfonischen Märchen von Sergei Prokofjew. Festivalintendant Daniel Hope führte mit zartem Humor und kindergerechter Fantasie durch die Matinee. Dabei nutzte er die Gelegenheit, nicht nur die einzelnen Instrumente vorzustellen, wie es der Komponist im Märchen bildhaft zum Ausdruck bringt, sondern auch die Musikerinnen und Musiker, die, wie aus dem Namen Royal Philharmonic Orchestra hervorgeht, aus einem Land kommen, das uns zwar vertraut erscheint und wo doch alles ein wenig anders ist als bei uns.
Der Schildherr dieses Orchesters ist nämlich niemand geringerer als King Charles III. Doch obschon Hope und die Kinder im Saal gründlich Ausschau hielten, konnten sie den König im Publikum nirgends entdecken. Offenbar wurde er von seinen unzähligen Verpflichtungen aufgehalten. Aber schliesslich macht nicht nur die Monarchie die Andersartigkeit von England aus. Daniel Hope zeigte kurz einige Merkmale des Heimatlandes des Gastorchesters auf – wie etwa das Autofahren auf der linken Fahrspur, die Masseinheiten wie Pfund und Meile oder das Trinken von Tee mit Milch. Was hingegen genau gleich wie bei uns verläuft, ist die Musik. So stellt Hope das traditionelle Orchester vor, bestehend aus den Holzbläsern Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott, den Blechbläsern wie Hörner und Trompeten, den Streichern mit Geigen, Bratschen, Celli und Bässen und Perkussionsinstrumenten, der Pauke und der Trommel. Dabei verweist Hope darauf, dass alle 40 Musiker:innen ihr Instrument auf denselben Ton A stimmen und dass alle der Regie des Dirigenten folgen, damit eine harmonische Einheit entsteht.
Fantasievoll lernen
Jeder Protagonist in der Geschichte von «Peter und der Wolf» hat im Orchester eine eigene Stimme. Der Vogel wird von der Flöte, die Katze von der Klarinette und die Ente von der Oboe dargestellt. Für die besorgten Einwände des Grossvaters ist das Fagott zuständig. Für den Wolf braucht es gar drei Hörner und der Jäger wird glaubwürdig durch die grosse Trommel und die Pauke vertreten. Dem mutigen und besonnenen Peter stehen die Streicher bei, welche den kleinen Helden mit einer munteren Leitmelodie begleiten.
Wie Daniel Hope feststellte, werden da weder Kostüme benötigt, noch ein echter, richtiger Wolf. Allein das Orchester und die Fantasie lassen das tolle Märchen aufleben. Trotzdem wurde noch ein wandelndes Bühnenbild hinter dem Orchester an die Wand projektiert, schlicht in zart gedämpften Farben und doch fröhlich aufmüpfig.
Ob die musikalische Illustration der brummligen Warnung vor dem Wolf durch den Grossvater, das Schleichen der Katze, das Streitgespräch zwischen Vogel und Ente oder die gierigen Augen, die lüstern heraushängende Zunge des Wolfes, der imposante Auftritt des Jägers oder die Geschichte als solche fasziniert – oder aber beides zusammen –, war jedem Konzertgast individuell überlassen. Fest steht: Das Publikum war voller Spannung, voller Musik und voller Begeisterung. Es spendete dem wundervollen Orchester mit seinem jungen, dynamischen Dirigenten einen sehr langen, begeisterten Applaus.
DER FÜNFJÄHRIGE LUAN MEINT…
Nach dem Konzert trafen wir den fünfjährigen Luan aus Grenchen (SO) an. Wir wollten wissen, was ihn am meisten beeindruckte und welche Instrumente ihm besonders gefallen haben. Klar äusserte er sich zum Auftritt des Jägers und so hinterliess denn auch die Trommel einen gewaltigen Eindruck, obschon er sich an dieser lauten Stelle die Finger in die Ohren stopfen musste. Was dem Fünfjährigen jedoch auch ganz gut gefiel, waren die Melodien der Streichinstrumente, die durch die Geschichte führten. Er selber spiele zwar noch kein Instrument, aber halte sich doch recht oft am Klavier auf, wo er auf der Klaviatur allerhand ausprobiere, erläutern die Begleitpersonen von Luan, der «Grandpapa» und seine Frau Susu.
Auch Luan, genannt «Lulu», hat zu Hause Tierfreunde. Bei den Grosseltern sind es Chihuahua-Hunde und zu Hause ein Corgi. Und da Letzterer zur bevorzugten Hunderasse von Queen Elizabeth gehörte, kann Luan sehr wohl eine Brücke zu Hopes Einleitung in die englischen Gepflogenheiten schlagen.
Da bleibt nun noch eine Frage aus dem Prokofjew-Märchen: Wie geht es nun weiter mit der lebendig verschlungenen Ente im Bauch des Wolfes? Die tröstliche Lösung weiss Grossmutter Susu: «Irgendwann muss der Wolf mal gehörig husten. Dabei wird er die Ente ausspucken, die dann wieder an ihren Teich zurückkehren kann, indes der Wolf im Zoo gut aufgehoben bleibt.»
BRE





