«Mir ist wichtig, dass die Landeskirche bei der Sache, bei ihrem Kerngeschäft bleibt»
13.03.2026 GstaadPfarrer Bruno Bader geht nach 18 Jahren Ende März geht vorzeitig in Pension. «Es ist schön, so aufzuhören», sagt er im Gespräch mit dem «Anzeiger von Saanen».
ANITA MOSER
Nach 18 Jahren als Pfarrer der ...
Pfarrer Bruno Bader geht nach 18 Jahren Ende März geht vorzeitig in Pension. «Es ist schön, so aufzuhören», sagt er im Gespräch mit dem «Anzeiger von Saanen».
ANITA MOSER
Nach 18 Jahren als Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Saanen-Gstaad, nach der Fusion Saanen-Gsteig, gehen Sie Ende Monat in Frühpension. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge?
Mit einem lachenden. Ich mache meine Arbeit immer noch gerne und ich fühle mich im Saanenland und in der Kirchgemeinde wohl. Ich hatte mir immer vorgenommen, zu einem Zeitpunkt aufzuhören, wo beides so ist. Und wenn es noch Leute gibt, die sagen: «Es ist schade, dass du gehst.» Ich bin der Meinung, dass viele Leute zu lange am gleichen Ort bleiben. Politiker genauso wie Pfarrer… Ich freue mich. Es ist schön, so aufzuhören.
Weshalb haben Sie Theologie studiert?
Mich hatten religiöse, philosophische, theologische Fragen schon immer interessiert. Zudem ist das Theologiestudium ein sehr breites Studium. Du musst Sprachen lernen, beschäftigst dich mit philosophischen, theologischen, historischen und mit dogmatischen Fragen. Aber eigentlich wollte ich nicht Pfarrer werden.
Sondern?
Ich wollte Theologie studieren, aber irgendwann muss man ja auch Geld verdienen. Ich arbeitete damals als freier Journalist beim «Bieler Tagblatt» und nach dem Studium wurde mir eine Stelle angeboten. Ich wäre wahrscheinlich ein ordentlicher Journalist geworden (schmunzelt), habe mich dann aber für das Pfarramt entschieden. Und habe es zu keinem Zeitpunkt bereut.
Würden Sie, wenn Sie nochmals jung wären, wieder Pfarrer werden wollen?
Ja, ich würde wieder Theologie studieren. Zumindest unter den damaligen Bedingungen. Heute sind die Bedingungen für die Kirche viel schwieriger.
Was hat Sie dazu bewogen, sich vor 18 Jahren für die freie Pfarrstelle in Saanen zu bewerben?
Ich fühlte mich in Zürich nicht mehr wohl. Ich wollte wieder zurück in den Kanton Bern und kontaktierte deshalb
einen Kollegen von der Berner Kirche. Er wies mich auf die ausgeschriebene Verweserstelle in Saanen hin. Ich habe das Berner Oberland damals nicht gekannt. Ich brauchte aber eine Stelle, also habe ich mich beworben – in der Annahme, es sei etwa für ein Jahr. Ich habe aber sehr schnell gemerkt, dass es mir hier gefällt, im Saanenland und in der Kirchgemeinde. Es ist ein guter Ort, spannend in der Kirchgemeinde und inspirierend, hier zu leben. Deshalb bin ich auch so lange geblieben.
Die Kirchgemeinde wurde immer von einem Dreierteam betreut. Wie schätzen Sie sich ein, sind Sie ein guter Teamplayer?
(Lacht.) Eigentlich müssten Sie die andere fragen. Wir hatten in den 18 Jahren in den wechselnden Teams immer einen guten «modus laborandi» (Anm. d. Red.: Arbeitsweise). Zu jedem Team
– und unser Team besteht ja nicht nur aus den drei Pfarrpersonen – gehört eine gewisse Dynamik, in Sachfragen gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Aber wir haben es in allen Teams geschafft, uns zu einigen beziehungsweise nach aussen geeint aufzutreten. Das ist zumindest meine Wahrnehmung.
Was lag/liegt Ihnen als Pfarrer besonders am Herzen?
Im Saanenland sind die traditionellen kirchlichen Aufgaben wichtig: Kasualien (Anm. d. Red.: kirchliche Amtshandlungen und Gottesdienste zu besonderen Lebensstationen wie Beerdigungen, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten). Mir war und ist wichtig, die Leute in diesen Situationen ernst zu nehmen, mir Mühe zu geben und etwas zu sagen, das dieser Situation gerecht wird, das Hand und Fuss sowie Substanz hat und nicht zu «laberen».
Was waren die prägendsten Erlebnisse und Momente als Pfarrer?
Das ist schwer zu sagen. Es gab viele Momente, in denen ich mit grossem Schmerz konfrontiert war. Es gab auch viele Situationen, die wir als ganze Kirchgemeinde gut bewältigt, gut gestaltet haben. Dafür bin ich auch dankbar – und zwar für das ganze Team, vom Kirchgemeinderat bis zur Sekretärin, vom Organisten bis zum Sigristen.
Sie sind der dienstälteste Pfarrer in der Kirchgemeinde. Was hat sich verändert in den 18 Jahren?
Es gab natürlich viele personelle Wechsel. Aber grundsätzlich hat sich ja die ganze Kirchenlandschaft in der Schweiz verändert. Viele gesellschaftliche Entwicklungen kommen mit einer gewissen Verzögerung auch ins Oberland. Das betrifft auch die Kirche. Eine grosse Veränderung ist der Wunsch nach Individualisierung. Gerade bei Kasualien. Viele wünschen sich eine Taufe, eine Beerdigung oder eine Trauung, die sehr auf sie zugeschnitten ist. Das hat sich sehr akzentuiert in den 18 Jahren.
Aus Ihrer langen Erfahrung geschöpft: Wie sollen die Landeskirchen damit umgehen, dass sich immer mehr Leute von ihr distanzieren und ihren geistigen Halt anderswo suchen?
Mir ist wichtig, dass die Landeskirche bei der Sache, bei ihrem Kerngeschäft bleibt: Gottesdienst, Unterricht, Seelsorge, das Evangelium verkündet – natürlich in einer Sprache, welche die Leute versteht. Ich wünsche mir, dass die Landeskirche nicht zeitgeistlichen Aktivismus etabliert, dass sie sich nicht als NGO präsentiert. Im Saanenland ist das (noch) kein Thema.
Zum anderen finde ich es nicht bedrohlich, wenn die Landeskirche kleiner wird, wenn sie über weniger Geld verfügt. Unser Meister hat nicht eine Bewegung für die Mehrheitsgesellschaft gegründet. Jesus und seine Jünger waren eine kleine Schar. Wenn wir wieder kleiner werden, hat das vielleicht auch einen gegenteiligen Effekt: Dass wir uns wieder vermehrt auf das besinnen, was uns wichtig ist, das, was uns ausmacht, das, was uns auch unterscheidet.
Hatten Sie im Rahmen Ihrer Anstellung immer alle Freiheiten oder wurden Ihnen Grenzen auferlegt?
Nein. Ich hatte in all den Jahren im Pfarramt und beim Kirchgemeinderat immer grösste Freiheiten – natürlich im Rahmen meiner Aufgaben. Und das habe ich extrem geschätzt. Ich habe diese Grenzen gemäss meiner Wahrnehmung auch nie gesprengt oder ausgenutzt. Ich fühlte mich vom Kirchgemeinderat auch immer gut unterstützt. Und ich empfand den Kirchgemeinderat auch immer als ein kompetentes Gremium. Ich habe es als ein Hand-in-Hand-Arbeiten empfunden. Der Kirchgemeinderat leistet einen grossen Einsatz – freiwillig. Das habe ich immer bewundert. Natürlich gab es Fragen, bei denen der Kirchgemeinderat anders entschied als ich es hätte. Aber das liegt an den unterschiedlichen Rollen.
Gottesdienste, Trauungen, Hochzeiten, Beerdigungen, Seelsorge, Anlässe für ältere Menschen, kirchliche Arbeit mit Kindern: Was liegt Ihnen am meisten, was weniger?
Bis jetzt haben wir hier noch das Modell, dass jede Pfarrperson in allen Bereichen arbeitet. Mit KUW, Konfirmationsunterricht, mit den mittleren Generationen, mit Senioren. Das gefiel mir extrem gut. Und das führt zu einem sehr vielseitigen beruflichen Anforderungsprofil. Diese Bandbreite – sowohl über Generationen als über auch soziale Schichten hinweg – empfand ich als sehr inspirierend und spannend.
Immer mehr Menschen oder Angehörige entscheiden sich für «alternative» Bestattungen ausserhalb der Kirche, ohne Gottesdienst. Ist das bloss ein Trend oder geht es mit der Abkehr vom Glauben einher?
Was mir auffällt – die Coronazeit hat dies vielleicht beschleunigt – ist, dass es mehr und mehr Familien gibt, die Bestattungen im engsten Familienkreis wünschen. Manchmal bedaure ich das. Denn der verstorbene Mensch hatte ja nicht nur Bezug zur Familie, sondern auch zu Freunden, Bekannten, Kameraden, Nachbarn und all diesen nimmt man die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Aber wirklich schlimm finde ich, wenn es gar nichts gibt. Und das nimmt zu, vor allem in den Städten. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Vielleicht liegt es am gesellschaftlichen Wandel zu immer mehr Individualisierung. Meiner Meinung nach bräuchte es aber irgendein Abschiedsritual, ob christlich, muslimisch oder buddhistisch ist weniger wichtig. Der Verzicht auf Abschiedsrituale ist in den Städten sehr ausgeprägt und so langsam fasst es auch Fuss im Saanenland. Was wir hier aber kaum kennen, sind freie Bestattungsredner.
Sie haben 18 Jahre in Saanen gelebt und gearbeitet. Wie ist Ihre Beziehung zu den Leuten hier im Tal? Haben Sie als Privatperson Freundschaften geknüpft?
Natürlich fühle ich mich mittlerweile hier zugehörig. Aber als Pfarrer hast du immer die Rolle von jemandem, der etwas ausserhalb steht. Und das ist auch sinnvoll. Denn du wirst gerufen für familiäre oder private Situationen, in denen es hilfreich ist, wenn jemand kommt, der nicht Teil dieses Systems ist. Aber das heisst nicht, dass man keine herzliche Beziehung haben kann.
Ich pflege viele sehr herzliche Beziehungen. Es gibt viele Leute, die ich sehr schätze, bei denen mir sehr wohl ist, auch wenn sie sich zum Teil in völlig anderen Lebenswirklichkeiten aufhalten als ich. Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere Kontakt erhalten bleibt. Meine Frau ist Oberländerin, sie ist in Spiez aufgewachsen und wir wollen regelmässig für Wochenenden oder Ferien ins Oberland kommen.
Was für ein Mensch ist der Saaner?
(Überlegt.) Was mich von Anfang an beeindruckt hat und mich über all die Jahre begleitet: Ich habe ganz viele Saaner Frauen kennengelernt, die selbstbewusst und stark sind und die in einer Selbstverständlichkeit emanzipiert sind, ohne permanent davon zu reden. Das ist eines der Vorurteile, das ich relativ schnell losgeworden bin…
Das Vorurteil, dass für Frauen im Saanenland – oder auf dem Land allgemein – die Emanzipation kein Thema ist?
Genau. Und das ist ja auch nicht wahr, war es nie.Aber es ist das Bild, das man hat. Und was mich weiter beeindruckt hat, betrifft die Männer. In den Städten führt man die Diskussion – früher noch etwas mehr als heute –, dass das alte patriarchale Modell ausgedient hat. Im Unterland kannte ich jedoch niemanden, der diesen Wechsel vollzogen hatte. Aber im Saanenland bin ich relativ schnell zwei Familien begegnet, die das gelebt haben. Und zwar ohne Aufhebens – der Mann hat die Hausarbeit besorgt und die Frau war erwerbstätig.
Und die Saaner allgemein?
Sie sind am Anfang – wie vielleicht alle Oberländer – etwas zurückhaltend. Wenn sie merken, der gibt sich Mühe, er nimmt uns ernst und weiss nicht von vornherein alles besser, sind sie sehr zugänglich. Also ich habe mich hier relativ rasch wohlgefühlt.
Was hat sich verändert in den vergangenen 18 Jahren?
Gstaad, das Saanenland hat sich insofern verändert, dass aus meiner Sicht die Gefahr besteht, dass der Mittelstand mehr und mehr verdrängt wird. Es gibt immer mehr Luxushotels, Boutiquen, Galerien. Für die normale Mittelschicht – und dazu zähle ich mich auch – wird es immer schwieriger, sich hier im Saanenland zu bewegen. In den 18 Jahren, die ich überblicken kann, hat sich das verändert. Und das erfüllt mich mit Sorge. Die Gefahr ist gross, dass «wir normale Einheimischen» nur noch dafür da sind – plakativ gesagt –, für die reichen Gäste zu putzen, zu kochen und am Sonntag Alphorn zu spielen.
Was schätzen Sie am Saanenland?
Ich schätze die Vielfalt der Menschen, die Bodenständigkeit. Die Saaner lassen sich nicht so schnell beeindrucken
– weder von grossen Namen noch von viel Geld. Die Leute hier sind so gar nicht hysterisch oder promigeil. Das gefällt mir sehr.
Sie haben in der Vergangenheit zu politischen oder sozialen Themen offen Ihre Meinung kundgetan. Sind Sie dafür kritisiert worden?
Sie sprechen die Konzernverantwortungsinitiative vom November 2020 an. Ja, ich wurde kritisiert, sogar heftig. Aber eigentlich habe ich mich ja nicht politisch positioniert. Ich habe gesagt, dass es nicht die Aufgabe der Kirche sei, konkrete Abstimmungsempfehlungen zu machen. Dieser Meinung bin ich noch immer.
Sie haben die Befürworter der Initiative mit den Taliban verglichen.
Ja, ich habe meine Meinung in einer sehr pointierten Art gesagt. Rhetorische Zuspitzung halte ich für ein zulässiges Stilmittel.
Beziehen Sie in Gottesdiensten Position zu aktuellen Themen wie zum Beispiel zum Ukraine-Krieg oder dem aktuellen Krieg im Nahen Osten?
Nein, respektive nur im Fürbittegebet, mit der Bitte für die Opfer von Krieg und Terror. Es ist nicht an mir, zu konkreten politischen Themen den Leuten zu sagen, was sie denken sollen und was nicht. Aber natürlich ist die Welt mit ihren Brüchen, mit ihren Widersprüchen, mit ihren Schwierigkeiten immer wieder ein Thema. Ich bin schliesslich ein interessierter Zeitgenosse. Aber ich habe mich zum Beispiel auch nie öffentlich zum Spital geäussert. Ich habe aber immer, wenn mein Gottesdienst auf einen Abstimmungs/- oder Wahlsonntag fiel, in den Mitteilungen darauf aufmerksam gemacht. Denn zum reformierten Christsein gehört es, Verantwortung im Staat zu übernehmen und das heisst auch, dass ich abstimme oder wähle.
Wie ist Ihre Beziehung zu Gott? Hadern Sie auch manchmal mit ihm?
Ja. Gegenstand meines Glaubens ist, dass Gott mich und uns begleitet und an unserer Seite ist. Aber sein Gesicht ist manchmal auch dunkel, manchmal verstehe ich ihn nicht, manchmal leide ich an ihm. Ich habe das im Pfarramt oft erlebt. Ich musste Kinder beerdigen, Unfallopfer. Und das sind Situationen, in denen die betroffenen Familien und auch ich mit Gott hadern. Ich habe ihn aber nie verantwortlich gemacht «für den Mist», den wir Menschen produzieren. Wenn jemand ob all den Kriegen fragt: «Wie kann Gott das zulassen?», antworte ich: «Sorry, aber Kriege zetteln wir Menschen an.» Hadern, Zweifeln und mit Gott Ringen gehört jedoch zum christlichen Glauben – das findet sich auch im Alten Testament – und zu meiner persönlichen Frömmigkeit.
Angesichts der Kriege, Gewaltexzesse und menschlicher Not, wie behalten Sie die Hoffnung und den Glauben an eine bessere Welt?
Wir leben in einer sehr unvollkommenen Welt, aber es ist nicht Gegenstand meiner Hoffnung, dass unsere Welt einmal perfekt sein wird. Wir können schauen, dass wir das Leben auf unserer Welt so gestalten, dass möglichst alle die Möglichkeit haben, ein gutes Leben zu führen – aus eigener Kraft. Der Staat soll Rahmenbedingungen schaffen, dass jeder und jede seine Ressourcen so nutzen kann, dass er ein gutes Leben haben kann – aber er oder sie ist dafür verantwortlich. Zum Beispiel hat die Idee des Sozialismus, eine perfekte Welt bauen zu wollen, immer zu Not, Leid und Vertreibung geführt. Deshalb verstehe ich auch nicht, dass sozialistische Ideen wieder an Aufwind gewinnen. Gut, als junger Mensch war ich auch Sozialist…
Ganz allgemein: Was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?
Mir fällt im Zusammenhang mit dem Sozialismus oder im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Israel und Palästina auf, dass ganz viele – vor allem junge – Leute keinerlei historische Kenntnis mehr haben, dass historische Bildung fehlt. Ich würde mir wünschen, dass das Geschichtsbewusstsein nicht ganz verloren geht. Dass wir das kurzfristige Denken überwinden, damit wir auch langfristige Zusammenhänge erkennen. Dass wir mehr Zeit verbringen mit Lesen und Nachdenken als mit kurzfristigen Videos, Junkfoods wie Netflix oder Tiktok. Aber das betrifft natürlich auch mich…
Fachkräftemangel ist auch in Ihrer Branche ein Thema. Woran liegt es aus Ihrer Sicht, dass es so schwierig ist, Pfarrstellen zu besetzen?
Es gibt weniger Theologiestudenten und von jenen, die studieren, gehen lange nicht alle ins Pfarramt. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Bedeutung der institutionalisierten Kirche abnimmt. Und für viele junge Leute ist der Beruf nicht so attraktiv. Man hat zum Beispiel keine geregelten Arbeitszeiten. Speziell auf das Saanenland bezogen ist es halt auch schwierig, Leute zu finden, die hierherziehen möchten. In einigen Branchen mag Pendeln eine Alternative sein, aber als Pfarrperson sollte man vor Ort wohnen.
Und generell haben sich die Rollenbilder geändert. Der Pfarrer, der Doktor und der Polizist haben nicht mehr das Prestige wie früher. Für mich war das allerdings nie ein Problem.
Der Abschiedsgottesdienst findet am kommenden Sonntag in der Kirche Saanen statt. Wird er speziell
Ich halte die Predigt, anschliessend wird die Kirchgemeinderatspräsidentin Monika Steiner ein paar Worte sagen und danach sind alle Gottesdienstbesucher:innen zum Apéro im Landhaus eingeladen.
Zu welchem Thema werden Sie predigen?
Ich werde über die Stärke und Schönheit vom Protestantismus sprechen. Das liegt mir am Herzen. Dass wir das protestantische Erbe nicht verlieren. Es hat eine unglaubliche Kraft und hat unsere westliche Zivilisation stark geprägt. Aber wir laufen Gefahr, dieses Erbe zu verspielen. Es gibt viele Beispiele, bei denen ich das Gefühl habe, dass wir uns wieder in die Zeit hinter die Aufklärung bewegen.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Plötzlich spielt es wieder eine Rolle, ob jemand weiss ist oder schwarz. Inspiriert von der protestantischen Tradition hat die Aufklärung gesagt, dass es keine Rolle spielt, ob du Bauernfrau oder Standesherr bist. Aber plötzlich spielt das wieder eine Rolle. Ich befürchte, dass wir unser Erbe verspielen – das, was den Westen und auch die Schweiz stark gemacht hat.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Ich ziehe nach Wabern. Meine Frau und ich haben dort eine Wohnung. Ich möchte künftig vor allem Freiwilligenarbeit leisten, dazu gehören beispielsweise Besuche in den bernischen Gefängnissen. Das ist bereits aufgegleist, ich habe dafür eine kleine Ausbildung beim Amt für Justiz absolviert. Und meine Frau und ich wollen uns auch in der lokalen Kirchgemeinde engagieren. Zudem will ich Russisch lernen, ich finde, es ist eine interessante Sprache. Was ich nicht machen werde, sind regelmässige Stellvertretungen. Aber hie und da eine Stellvertretung kann ich mir schon vorstellen.
ZUR PERSON
Bruno Bader (Jg. 1963), ist in Biel geboren und aufgewachsen. Er hat in Bern und Tübingen Theologie studiert. Seine berufliche Laufbahn als Pfarrer hat in Aarberg im Seeland begonnen. Weitere Stationen waren die Heiliggeistkirche in der Stadt Bern während zehn Jahren und danach drei Jahre bei der Zürcher Landeskirche in Zürich. Auf August 2008 wurde er von der Kirchgemeinde Saanen-Gstaad als Verweser angestellt und im Mai 2009 von der Kirchgemeindeversammlung glanzvoll zum Pfarrer gewählt. Von 2009 bis Ende März 2010 gehörte er zum Sprecherteam der Sendung «Wort zum Sonntag» im Schweizer Fernsehen. Ende März tritt er nach 18 Jahren als Pfarrer in Saanen in den vorzeitigen Ruhestand. Bruno Bader ist verheiratet und wohnt in Saanen und Wabern.
MOA



