Polo in Gstaad: teurer Sport – lockere Atmosphäre
18.08.2026 SportPolo gilt als exklusiver Sport mit komplizierten Regeln. Beim Hublot Polo Gold Cup Gstaad kommt ein gemischtes Volk zusammen. Vor dem Turnierstart am Donnerstag spricht Präsident Pierre Genecand mit dem «Anzeiger von Saanen» über Polo für Neulinge, Pferde und die Atmosphäre am ...
Polo gilt als exklusiver Sport mit komplizierten Regeln. Beim Hublot Polo Gold Cup Gstaad kommt ein gemischtes Volk zusammen. Vor dem Turnierstart am Donnerstag spricht Präsident Pierre Genecand mit dem «Anzeiger von Saanen» über Polo für Neulinge, Pferde und die Atmosphäre am Spielfeldrand.
MAXIME VÖGELE
Wer denke, Polo sei ohne Regelkenntnisse uninteressant, irre sich, erzählt Pierre Genecand, Präsident des Hublot Polo Gold Cups Gstaad. «Neunzig Prozent der Leute kennen die Regeln nicht», sagt er mit einem Lachen. Die Regeln seien durchaus komplex: «Es basiert auf den englischen Regeln – und die Engländer sind kompliziert.» Ein Speaker erklärt das Geschehen neben dem Gstaad Airport während der Spiele. «Nach fünf Minuten versteht man, wie es funktioniert», meint Genecand.
Was es dabei zu verstehen gilt, vergleicht Genecand mit einer bekannteren Sportart: «Es ist wie beim Fussball: Man verfolgt die Spieler, den Ball und schaut auf die Tore.» Zwei Teams mit je vier Spieler treten gegeneinander an, einen Torhüter gibt es nicht. Ein Match besteht aus vier sogenannten Chukkas – Spielabschnitten – von jeweils sieben Minuten. Ungewohnt sei für Neulinge: Nach jedem Tor wechseln die Mannschaften die Spielrichtung.
120 Pferde für 16 Spieler
Dass Polo den Ruf eines exklusiven Sports hat, kommt nicht von ungefähr. «Polo kostet viel Geld», sagt Pierre Genecand. Jeder Spieler braucht mehrere Pferde für ein Spiel. Bei vier Mannschaften in Gstaad sind es etwa 120 Pferde für 16 Spieler.
Nach jedem Chukka wird das Pferd gewechselt, teilweise sogar mitten im Spiel. «Bei rund 30 Pferden pro Team würde ich zum Beispiel in einem Match ungefähr sechs Pferde reiten», erklärt Genecand, selbst passionierter Polospieler. Pferdepfleger – im Polo «Petiseros» genannt – und ein Tierarzt überwachen den Zustand der Polo-Ponys. «Wir legen grossen Wert auf das Wohlergehen der Pferde», sagt Genecand.
Dabei spielt die Erfahrung der Pferde eine wichtige Rolle. Ein gut ausgebildetes, acht- bis zehnjähriges Polopferd habe Vorteile gegenüber einem jungen Tier. «Wenn acht Pferde gemeinsam mit voller Geschwindigkeit unterwegs sind, schauen die jungen Pferde überall hin», erklärt Genecand. Mit einem erfahrenen Pferd sei das deutlich einfacher.
Viele der Polo-Ponys kommen zu Beginn der europäischen Saison aus der Hochburg des Polos, aus Argentinien. Sie werden per Flugzeug nach Europa transportiert und reisen anschliessend mit Lastwagen von Turnier zu Turnier.
Polo ist teuer – der Besuch muss es nicht sein
Das Publikum in Gstaad sei auch wegen dem kostenlosen Zugang bunt gemischt, erzählt Pierre Genecand: «Wir haben Chaletbesitzer, Leute aus dem Saanenland, ausländische Gäste und viele Polofans.»
Auf die Frage, ob man sich am Spielfeldrand in einer bestimmten Form kleiden und verhalten sollte, antwortet Genecand knapp: «Nein, relax.» Die Atmosphäre in Gstaad unterscheide sich für ihn von Poloanlässen wie dem Snow Polo in St. Moritz: «Das Publikum hier ist anders, die Atmosphäre ist weniger streng.»
Polo sei in Gstaad auch ein gesellschaftlicher Anlass. Man verfolgt eine schnelle Aktion auf dem Feld, unterhält sich, trinkt etwas und trifft Freunde. Die meisten verfolgten nicht das gesamte Spiel konzentriert.
Internationaler Anlass – lokales OK
Hinter dem internationalen Turnier steht eine kleine, lokal verankerte Organisation. Das OK besteht aus lediglich 13 Personen, viele davon aus der Region. «Meine Leute sind alle aus Gstaad», sagt Genecand. Jeder wisse anhand einer Art Drehbuch, was wann zu tun sei: «Und es funktioniert.»
Nicht kontrollieren kann das eingespielte OK hingegen das Wetter. Bei starkem Regen kann nicht gespielt werden, da der Platz Schaden nehmen und die Sicherheit der Pferde gefährdet werden könnte.
DAS TURNIER IM ÜBERBLICK
Vier Teams spielen beim Hublot Polo Gold Cup Gstaad vom 20. bis 23. August um den Sieg – alle mit einem Gesamthandicap von 14 Goals. Titelverteidiger Gstaad Palace trifft auf die Teams Kielder Agro Group, Albinati Aeronautics und Hublot.
Letzteres hat dieses Jahr ein besonderes Ass im Ärmel: Gonzalo Pieres Jr. wird in der Medienmitteilung als einer der bedeutendsten Spieler des modernen Polos beschrieben. Der dreifache Sieger des Argentine Open tritt erstmals in Gstaad an. Sein Bruder Nicolás Pieres war bereits im vergangenen Jahr dabei.
Am Donnerstag stehen zwei Qualifikationsspiele auf dem Programm, am Freitag zieht die Spielerparade durch Gstaad. Am Wochenende folgen die Halbfinals und das Finale.
Der Eintritt zum Polofeld beim Gstaad Airport ist für das allgemeine Publikum kostenlos, ein Ticket ist nicht erforderlich. Auf dem Gelände gibt es zudem Food Trucks und verschiedene Stände sowie Aktivitäten für Kinder.
MAV


