Seit Längerem beobachte ich, dass ab und zu ein grosses Postauto durch den Oeyetliweg in Saanen fährt. Ich habe mich deswegen bereits gewundert, sehe ich doch die anderen Postautos über die Bellerivestrasse verkehren, am Reitzentrum vorbei Richtung Postauto Endstation. Zudem ...
Seit Längerem beobachte ich, dass ab und zu ein grosses Postauto durch den Oeyetliweg in Saanen fährt. Ich habe mich deswegen bereits gewundert, sehe ich doch die anderen Postautos über die Bellerivestrasse verkehren, am Reitzentrum vorbei Richtung Postauto Endstation. Zudem verwundert es mich noch mehr, dass eine Zeitersparnis in der 30er-Zone kaum attraktiver ist als über die Gstaadstrasse mit 60km/h zu fahren. Ich bin täglich im Reitzentrum und darf den Postauto-Chauffeuren mein Lob aussprechen. Sie reduzieren meistens ihre Geschwindigkeit und grüssen freundlich, wenn wir mit den Pferden unterwegs sind. Letzten Sonntagabend gegen 18 Uhr waren wir auf dem Heimritt auf dem Oeyetliweg Richtung Reitzentrum, wo wieder ein grosses Postauto von der Verzweigung Rübeldorfstrasse in den Oeyetliweg einbog, um Richtung Endstation zu fahren. Ich frage mich, warum ein Postauto-Chauffeur den Oeyetliweg wählt. Es hatte am Sonntagabend viele Velos, Spaziergänger, Kinder, Hunde und wir waren mit unseren Pferden auch auf diesem Weg.
Zwischen der Brücke bei der Verzweigung Rübeldorfstrasse und dem Oeyetliweg 10a gibt es für niemanden Platz zum Ausweichen. Auf der einen Seite ist der Bach und auf der anderen Seite ein Elektrozaun. Das Postauto war aus dem Graubünden. Wie ich mich später erkundigte, werden auswärtige Postautos ins Saanenland geholt, weil hier zu wenig Fahrzeuge sind. Man mag mich mit dieser Aussage korrigieren, vielleicht habe ich das falsch verstanden. Der Postautochauffeur vom Sonntagabend war alles andere als zufrieden, das Stück Oeyetliweg im Schneckentempo hinter uns herzufahren. Wir hatten versucht, vorne bei der Ruhebank auszuweichen, aber ein entgegenkommendes Auto und eines der Pferde, welches emotional reagierte, verhinderten unseren Plan. Und da noch ein Kind dabei war, wählte ich den sicheren Weg, weiter vorne dem Postauto Platz zu machen. Der Chauffeur war nicht «amused» über uns: Er reklamierte und fuhr ganz knapp hinter uns her. Das andere Pferd blieb zum Glück ruhig, aber das Kind hatte Angst, mit dem gelben Riesen im Rücken.
Das Fazit meiner Geschichte: Toleranz und Respekt im Strassenverkehr. Innehalten, reflektieren, Handzeichen geben, grüssen, danken und entschuldigen gehören für mich zu den Werten, die mir wichtig sind, und die wir der jüngeren Generation vorleben. Manchmal geht es ein paar Minuten länger, als geplant war, aber alle kommen unfallfrei zu Hause an. Viele wissen es erst, wenn etwas passiert ist. Ein Unfall verändert ein Leben für immer. Hätte ich doch, wäre ich doch... sind quälende Gedanken. Dabei ging es nur um ein paar Minuten.
YVONNE GISIN, FEUTERSOEY