Präsident Steimle tritt nach 22 Jahren ab – Matti übernimmt bei der Saanen Bank
20.04.2026 WirtschaftDer langjährige Verwaltungsratspräsident Victor Steimle ist an der Generalversammlung der Saanen Bank zurückgetreten. Nach 22 Jahren, davon neun Jahre als Präsident, übergibt er das Amt an Daniel Matti. Neben weiteren personellen Wechseln stellte CEO Jürg von ...
Der langjährige Verwaltungsratspräsident Victor Steimle ist an der Generalversammlung der Saanen Bank zurückgetreten. Nach 22 Jahren, davon neun Jahre als Präsident, übergibt er das Amt an Daniel Matti. Neben weiteren personellen Wechseln stellte CEO Jürg von Allmen vor allem das 63-köpfige Team ins Zentrum.
JOCELYNE PAGE
Warum stand eine Holzbank auf der Bühne im Festivalzelt?
Auf der Bühne des Festivalzelts in Gstaad stand am vergangenen Freitagabend ein ungewöhnliches Möbelstück: eine schlichte Holzbank. Sie war als Geschenk für den abtretenden Verwaltungsratspräsidenten Victor Steimle gedacht – ein Symbol für das stabile Fundament, das er in 22 Jahren mitgeprägt hat. Gleichzeitig war sie als Einladung zu verstehen, künftig etwas kürzerzutreten und den Blick auf die Region in Ruhe zu geniessen.
Sein designierter Nachfolger Daniel Matti fand in seiner Laudatio klare Worte für das Wirken des Abtretenden: Steimles Entscheidungen seien stets von «Klarheit und Verlässlichkeit» geprägt gewesen. Er habe die Bank «ruhig, umsichtig und sehr verlässlich» geführt und nachhaltig geprägt. Steimle selbst begründete seinen Rücktritt bereits vor Ablauf der ordentlichen Amtsdauer mit dem Anspruch auf Kontinuität. Weil CEO Jürg von Allmen im Sommer 2027 in Pension geht, wollte er einen gleichzeitigen Wechsel an der operativen und strategischen Spitze vermeiden.
Victor Steimle bedankte sich beim Verwaltungsrat, der Geschäftsleitung und den Mitarbeitenden für die langjährige Zusammenarbeit. Einen besonderen Dank richtete er an seine Frau Cornelia für ihre Unterstützung in den vergangenen zwei Jahrzehnten und auch für ihr Verständnis: «Manchmal war ich beim Mittagoder Nachtessen zwar physisch anwesend, gedanklich jedoch an einem anderen Ort, nämlich bei der Saanen Bank.» (siehe Interview)
Der Stabwechsel wird damit vollzogen: Daniel Matti wird das Verwaltungsratspräsidium der Saanen Bank übernehmen. Er gehört dem Gremium seit 13 Jahren an und leitet seit 2017 den Prüfausschuss. Neuer Vizepräsident wird Louis Lanz.
Wer wurde neu in den Verwaltungsrat gewählt?
Neben Steimle verabschiedete sich eine weitere Person aus dem Verwaltungsrat: Regula van der Velde schied nach acht Jahren aufgrund der statutarischen Altersbeschränkung aus dem Verwaltungsrat aus. Die ehemalige Finma-Kaderfrau wurde insbesondere für ihr Fachwissen in einer Zeit zunehmender Regulierung gewürdigt und verdankt.
Die entstandenen Lücken im siebenköpfigen Gremium wurden umgehend geschlossen. Mit grossem Mehr wurde zunächst der ehemalige Nationalrat Erich von Siebenthal für eine weitere vierjährige Amtsperiode bestätigt. Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurden Brigitte Hoefliger-von Siebenthal und Felix Graber. Hoefliger-von Siebenthal führt mit ihrem Mann das Hotel Maison Hornberg in Saanenmöser und bringt Erfahrung aus den für die Bank zentralen Bereichen Hotellerie, Tourismus, Marketing und Personalwesen mit. Felix Graber aus Luzern ist Inhaber einer Unternehmensberatung und verfügt über langjährige Erfahrung als Verwaltungsrat und Kenner von Regionalbanken. Die Saanen Bank unterstützte er bereits in der Vergangenheit unter anderem bei Strategiefragen und Statutenrevisionen.
Wem galt von Allmens besondere Aufmerksamkeit?
Während bei Banken naturgemäss die Bilanzsummen im Rampenlicht stehen, setzte CEO Jürg von Allmen in seiner Ansprache andere Akzente: die Menschen hinter dem Unternehmen. 63 Mitarbeitende stehen mittlerweile auf der Lohnliste der Saanen Bank. Von Allmen machte deutlich, dass jede:r Einzelne zählt: «Manche sieht man am Schalter oder hört sie am Telefon, andere sieht man nie. Aber sie sind alle wichtig, damit die Bank rund läuft.» Besonders hob er das Vertrauen innerhalb des Teams hervor: «Ich kann heute allen meinen Kolleginnen und Kollegen zu 100 Prozent vertrauen, das ist nicht selbstverständlich.»
Dass die Bank zudem fünf Auszubildende beschäftigt und alle Fachbereiche mit Spezialist:innen vor Ort in Saanen abdeckt, statt auf anonyme Callcenter zu setzen, sei ein zentraler Mehrwert für die Kundschaft.
Welche Zahlen stechen besonders hervor?
Erstmals in der 151-jährigen Geschichte überschritt die Bilanzsumme der Saanen Bank mit 2,057 Milliarden die Marke von zwei Milliarden Franken. Mit 8,1 Prozent verzeichnete die Bank ein «sehr gutes Wachstum, vielleicht sogar ein Wachstum an der oberen Grenze», betonte der CEO. Besonders erfreut zeigte sich Jürg von Allmen bei den Kundenausleihungen, die zu fast 100 Prozent durch Kundengelder refinanziert wurden, konkret zu 99,7 Prozent. Das gelte als Spitzenwert im Branchenvergleich.
Auch die Effizienz überzeugt: Die Cost-Income-Ratio, also das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag, liegt bei tiefen 45,7 Prozent.
Welche Rolle spielt die geopolitische Lage – und das Saanenland?
Wie bereits im Vorjahr, als der internationale Zollstreit die Schlagzeilen prägte (siehe AvS vom 15. April 2025), war die geopolitische Lage auch diesmal ein zentrales Thema. Jürg von Allmen verwies darauf, dass insbesondere US-Präsident Donald Trump die Märkte massgeblich verunsichere. Zusammen mit den Konflikten in der Ukraine und im Iran bleibe das Umfeld angespannt. Er beschönigte nichts: «Die aktuellen Rahmenbedingungen auf unserem Planeten Erde sind im Moment nicht gut.
Auch die demografischen und klimatischen Herausforderungen kommen noch hinzu und verbessern die Situation nicht wirklich.»
Für das Saanenland zog von Allmen dennoch ein positives Fazit. In der Vergangenheit habe die Schweiz und das Saanenland oft von Krisen profitiert. Die Attraktivität der Region sei ungebrochen: Weiterhin liessen sich gut situierte Personen im Saanenland nieder und investierten vor Ort. Das zeige sich nicht zuletzt an den zahlreichen, teils grossen Baustellen, einem starken Gewerbe und entsprechend stabilen Arbeitsplätzen.
Auch die Bank profitiere von diesen Rahmenbedingungen. «Wenn es der Region gut geht, geht es auch der Bank gut», so von Allmen. Gleichzeitig verschwieg er die Schattenseiten nicht: Die hohe Nachfrage verschärfe die Situation auf dem Wohnungsmarkt für Einheimische. Insgesamt zeigte sich der CEO jedoch zuversichtlich, dass sich die positive Entwicklung fortsetzen werde. Nach einem bereits sehr guten ersten Quartal 2026 blickt die Bank optimistisch auf den weiteren Jahresverlauf. «Die Reise geht weiter. Es bleibt spannend.»
Wie entschieden die Aktionärinnen und Aktionäre?
Sämtliche Traktanden der 151. ordentlichen Generalversammlung wurden mit grossem Mehr angenommen. Insgesamt nahmen 573 Aktionärinnen und Aktionäre vor Ort sowie 248 vertretene Stimmen an der Versammlung teil. Mit 11’166 Aktienstimmen waren damit 46,5 Prozent des Aktienkapitals im Festivalzelt in Gstaad vertreten.
Die Generalversammlung genehmigte den Jahresbericht, die Jahresrechnung 2025 sowie den Bericht der Revisionsstelle und erteilte den verantwortlichen Organen die Entlastung. Ebenfalls diskussionslos angenommen wurde die Verwendung des Bilanzgewinns: Die Dividende wird auf 57 Franken pro Aktie erhöht, zudem werden 1,87 Millionen Franken den freiwilligen Gewinnreserven zugewiesen. Wiedergewählt wurde zudem die PricewaterhouseCoopers AG in Bern als aktienrechtliche Revisionsstelle.
Wie schützt sich die Bank vor Bancomat-Sprengungen?
Ein besonderer Aspekt des «Blicks hinter die Kulissen» betraf die Sicherheit der Infrastruktur. Während andere Institute ihre Bancomaten aus Angst vor Sprengungen – dem laut Jürg von Allmen «modernen Bankraub» – ausser Betrieb nehmen würden, gehe die Saanen Bank einen anderen Weg. «Wir wollen an unseren Bancomaten festhalten und haben sie technisch aufgerüstet und sicherer gemacht», erklärte der CEO.
Die Geräte wurden mit dem System «Cash Protect» ausgestattet. Ein rotes Farbsignal weist darauf hin, dass die Banknoten bei einer Sprengung oder unbefugten Öffnung automatisch eingefärbt und damit wertlos würden. Zusätzlich werden die Bancomaten der Saanen Bank nachts von 23.30 Uhr bis 6 Uhr durch ein mechanisches Schild geschützt und ausser Betrieb genommen, um Angriffe zusätzlich zu erschweren.
Diese Massnahmen seien kostspielig, doch die Bank bekenne sich klar zum Bargeld. Jürg von Allmen gab den Aktionärinnen und Aktionären jedoch zu bedenken: «Bargeld ist nicht gratis. Es ist nur die Frage, wer die Kosten trägt.»
«Die Bank ist gewachsen, aber gleichzeitig bodenständig geblieben»
Über 20 Jahre lang war Victor Steimle Teil der Führung der Saanen Bank, zuletzt als Präsident. Der pensionierte Betriebsökonom und Treuhänder spricht im Interview über Wandel ohne «Transformation», wachsende Regulierung und weshalb er bei der Kundenberatung bewusst auf künstliche Intelligenz verzichten würde.
JOCELYNE PAGE
Victor Steimle, Sie waren über zwei Jahrzehnte im Verwaltungsrat der Saanen Bank. Wie sind Sie damals zu diesem Amt gekommen?
Ich wurde 2004 vom damaligen Verwaltungsrat Max Staub angefragt. Er kannte mich aus meiner beruflichen Tätigkeit und war überzeugt, dass ich einen Mehrwert einbringen kann.
Damals waren Finanzspezialisten noch weniger im Verwaltungsrat von Regionalbanken vertreten als heute.
Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt?
Am spannendsten war für mich die Entwicklung der Bank. Wenn ich heute zurückblicke, ist es beeindruckend, wie sich die Tätigkeit in einer Bank verändert hat, auch durch die zunehmende Regulierung. Besonders stolz bin ich darauf, wie sich das Team entwickelt hat. Heute arbeiten über 60 Mitarbeitende für die Bank und die Qualität ist sehr hoch.
Sie sprechen von Entwicklung, was meinen Sie konkret?
Wir haben die Bank stetig weiterentwickelt, ohne sie komplett umzubauen. Ich spreche bewusst nicht von «Transformation», ein Wort, das heute oft gebraucht wird. Für mich wäre das ein Bruch zu stetem Wandel gewesen. Die Saanen Bank ist ihren Werten treu geblieben: nahe bei den Kunden, mit persönlicher Beratung und einer starken regionalen Verankerung. Auch bei neuen Technologien bleiben wir konsequent. Uns wurden KI-Tools angeboten, welche die persönliche Beratung ersetzen, darauf haben wir bewusst verzichtet. Unsere Stärke liegt im direkten Kontakt zum Kunden. Moderne Technologien nutzen wir dort, wo sie sinnvoll sind.
Wie hat sich die Arbeit im Verwaltungsrat über die Jahre verändert?
Der Aufwand ist deutlich gestiegen. Früher kamen die Unterlagen per Post und betrugen rund 50 Seiten. Heute sind es umfangreiche digitale Dossiers von bis zu mehreren Hundert Seiten. Die Sichtung der Dokumente dauert entsprechend länger. Das hat nicht nur mit der Entwicklung der Bank sondern vor allem auch mit der zunehmenden Regulierung zu tun.
Wie schätzen Sie diese Entwicklung in Bezug auf die zunehmende Regulierung ein?
Die Regulierung ist grundsätzlich sinnvoll, aber die zunehmende Belastung ist wie auch in anderen Branchen enorm. Ich habe manchmal den Eindruck, dass man sich zu stark mit Formalitäten beschäftigt und zu wenig Zeit für das Wesentliche bleibt. Das kann langfristig auch Risiken bergen.
In Ihrer Dankesrede entschuldigten Sie sich bei Ihrer Frau, weil Sie bei gemeinsamen Essen manchmal mit den Gedanken bei der Bank waren. Was beschäftigte Sie in Ihrer Zeit als Verwaltungsratspräsident?
Eine einzelne Herausforderung herauszuheben ist schwierig. Es waren vor allem die vielen Themen und die Vorbereitung der Sitzungen. Die Verantwortung ist gross und man muss sicherstellen, dass nichts übersehen wird.
Sie haben die Bank stark mitgeprägt. Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf die kontinuierliche Entwicklung und auf das Team. Die Bank ist gewachsen, aber gleichzeitig bodenständig geblieben. Diese Balance zu halten, ist nicht selbstverständlich.
Was werden Sie am meisten vermissen?
Ganz klar die Menschen. Die Kontakte im Verwaltungsrat und innerhalb der Bank, zur Geschäftsleitung und zu den Mitarbeitenden. Ich war kürzlich in der Bank, um einem Jubilar zu danken und zu gratulieren – das sind stets schöne Ereignisse. Das werde ich vermissen, aber weniger die Arbeit am Wochenende (lacht).
Und worauf freuen Sie sich jetzt?
Auf mehr Freiheit. Ich habe bewusst darauf verzichtet, neue grössere Verpflichtungen einzugehen. Ich möchte meine Zeit künftig flexibler gestalten, zum Beispiel mit Reisen.



