Probentagebuch – ein Blick hinter die Kulissen von «Coppélia»
04.08.2026 KulturEin Wohnzimmer wird zur Schneiderei, ein Festivalzelt zur Bühne: Seit Ende Januar wächst im Saanenland mit viel Herzblut das Musiktheater «Coppélia» für das Kinder- und Familienkonzert des Menuhin Festival Gstaad heran. Am 23. August stehen im Festivalzelt ...
Ein Wohnzimmer wird zur Schneiderei, ein Festivalzelt zur Bühne: Seit Ende Januar wächst im Saanenland mit viel Herzblut das Musiktheater «Coppélia» für das Kinder- und Familienkonzert des Menuhin Festival Gstaad heran. Am 23. August stehen im Festivalzelt Gstaad insgesamt 34 Kinder und Jugendliche aus der Region auf der Bühne und bringen das Werk gemeinsam zum Leben. Wir durften einen Blick hinter die Kulissen werfen und die Vorbereitungen für das Kinderkonzert hinter den Kulissen mitverfolgen.
CLAUDIA HEINE
30. Januar: Probenbeginn im Kirchgemeindehaus
Geschäftiges Treiben und geordnetes Chaos am 30. Januar im Kirchgemeindehaus Gstaad: Es ist der offizielle Start der Proben. Margrith Gimmel-Dauwalder und ihre Tochter Fiona begrüssen die grosse Kinderschar, die sich einfindet. Es gibt noch vereinzelte schüchterne Gesichter und fragende Augen. Doch schon am Ende der ersten Probe kommen die jungen Mitwirkenden mit strahlenden Augen aus dem Probenraum.
Es wird rege diskutiert, welche Rollen es wohl geben wird und wer sich in welcher Funktion sehen könnte. Die Kinder und Jugendlichen aus dem Saanenland dürfen selbst wählen, wie sie ihre vielfältigen Talente in verschiedensten Bereichen einbringen möchten: als Schauspieler, Tänzer oder hinter den Kulissen als Lichttechniker, Bühnenbildner oder Kostümbildner.
Bis zu den Frühlingsferien: Szenen und Choreografien wachsen
In den wöchentlichen Proben bis Mitte April wächst die Geschichte Stück für Stück zusammen. Mitte April ist die Arbeit bereits weit fortgeschritten: Die Szenen stehen, ein grosser Teil der Proben ist geschafft und gemeinsam mit Xenia Stucki sind bereits erste Choreografien entstanden.
Nähatelier und Bühnenbild-Workshop in den Frühlingsferien
Überall liegen Stoffe, Schnittmuster und Garnrollen auf Tischen und Stühlen, die gesamte Familie Gimmel, mehrere Kinder und Erwachsene helfen beim Zuschneiden, Stecken, Nähen und Ordnen. Es wird synchron an mehreren Nähmaschinen gearbeitet und Masken werden dekoriert. Alle sind konzentriert und mit guter Stimmung dabei. Aus Stoffbahnen werden Puppenkleider, aus einzelnen Details entstehen Charaktere.
Auch das Bühnenbild wächst und wächst. Riesige Kartons werden ausgeschnitten, mit Malerrollen wird Farbe aufgetragen. Torbögen werden stilisiert, Dachschindeln gemalt, ein Balkon mit Blumen dekoriert. Die gesamte Bühne wird selbst gemacht.
Ende April: der Wechsel ins Festivalzelt
Nach den Frühlingsferien verlagern sich die Proben ins Festivalzelt Gstaad, wo später auch die Aufführung stattfindet. Damit wechselt das Projekt vom geschützten Probenraum in jene grosse Umgebung, in der Bühne, Raumgefühl und Auftrittssituation plötzlich ganz real werden. Für die Kinder ist dieser Schritt wichtig, weil nun nicht mehr nur Szenen geübt, sondern auch Wege, Einsätze und Abläufe auf der eigentlichen Bühne erarbeitet werden.
Die Probe kurz vor den Sommerferien
Besonders die Probe am 12. Juni zeigt, dass jetzt der Endspurt beginnt. Die Texthefte brauchen die Kinder schon lange nicht mehr, die Tänze sitzen. Jetzt werden Einsätze präzisiert und der Feinschliff gemacht.
Sommerproben und Ausblick auf den grossen Auftritt
Bis zur Aufführung stehen noch weitere Sommerproben, eine Generalprobe und die letzten Feinarbeiten bevor. Doch schon jetzt wird sichtbar, wie viel in den vergangenen Monaten entstanden ist: «Coppélia» ist nicht nur eine Aufführung, sondern auch ein grossartiges (Kunst-)Werk: ein mitreissendes Theatererlebnis. Schon jetzt dürfen sich die Zuschauer darauf freuen, wenn das Geheimnis von «Coppélia» endlich gelüftet wird. Eines darf schon jetzt verraten werden: Es wird fantasievoll, spannend und voller Musik und Tanz.
Kinderoper «Coppélia» am 23. August um 11 Uhr im Festivalzelt






