«Raclette Guy»: Inspiration – Transpiration
23.01.2026 Hotellerie / GastronomieVon Raclettefahrten in der Kutsche bis zu aussergewöhnlichen Anlässen rund um den Käse: Der «Raclette Guy» Adrian Sejrani setzt verschiedene Ideen um, tauscht sich mit regionalen Fachleuten aus und bringt sich auch in einen geplanten Racletteweltrekord in ...
Von Raclettefahrten in der Kutsche bis zu aussergewöhnlichen Anlässen rund um den Käse: Der «Raclette Guy» Adrian Sejrani setzt verschiedene Ideen um, tauscht sich mit regionalen Fachleuten aus und bringt sich auch in einen geplanten Racletteweltrekord in Gstaad ein.
EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
«Happy New Year!» Neues Jahr – neues Glück! Verlassen wir uns darauf, dass am letzten Tag des Jahres viele Menschen der Hoffnung Ausdruck geben, im neuen Jahr dies und jenes anders gestalten zu wollen. Inspiration (schöpferischer Einfall) ist das Wort der Stunde. Tage später, losgelöst von der Freude über den Jahreswechsel, beginnen die Stunden der Wahrheit zu schlagen. Es gilt, den guten Vorsätzen Taten folgen zu lassen. Transpiration «Schwitzen» ist nun das Wort der Stunde.
Einer der es versteht, Ideen umzusetzen, ist Adrian Sejrani, der «Raclette Guy», wie er sich selber nennt. Er weiss, dass seine Projekte mit einem Drittel Inspiration beginnen und erst nach zwei Dritteln Transpiration erfolgreich abgeschlossen werden können. Ihm ist bewusst, dass der zweite Schritt, die Ausführung der Idee, enorm schweisstreibend ist. Aber Sejrani ist ein kreativer Tüftler, vielleicht auch ein guter «Verrückter», der mit ansteckender Begeisterung das Leben aufregender machen will.
Fondue und Raclette sind im Saanenland so beliebt und verbreitet wie Pommes in Frankreich oder Fish and Chips in England. Es erhebt sich die Frage, ob Serjani mit Raclettes bei den Saaner:innen neue Glücksgefühle entfachen könnte. Wohl kaum, eher bei den Gästen, die aus dem In- und Ausland die Dörfer im Saanenland besuchen. Wäre es eine Option, den Besuchenden auf einer Kutschenfahrt ein Raclette zu servieren?
Zusammenarbeit mit Walter Reuteler…
Am 24. Dezember 2024 kam Serjani mit Walter Reuteler ins Gespräch. Er präsentierte ihm seine Option «Kutschenfahrt mit Raclette».
Serjanis Idee entlockte dem geerdeten Kutscher vorerst keine Jubelschreie. Reuteler liess noch einige Kubikmeter Wasser die Saane talwärts fliessen, ehe er dem «Raclette Guy» die Hand zum Einverständnis reichte.
… und Hanspeter Reust
Hanspeter Reust ist einer wie der «Raclette Guy» – ein guter «Verrückter». Auch seinen Ideen folgen Taten. Reust war eine Schlüsselfigur bei der Promotion von Schweizer Käsekultur und grossen Racletteevents in der Region Gstaad, die auf einen Weltrekord abzielten. Der bekannte Käsespezialist und Unternehmer aus Gstaad realisierte am 18. August 1996 einen Fondueweltrekord beim Hotel Alpenland in Lauenen. Gegen 4500 Personen «verspeisten» damals 1013 Kilogramm Fondue.
Auf einer gemeinsamen Reise in der Kutsche, gezogen von Reutelers Gespann Felina und Ronja, philosophierten die beiden über die Vorzüge der Walliser und Saaner Raclettekäse. Käsermeister Reust und der in Belangen der Käseherstellung wenig erfahrene «Raclette Guy» diskutierten über Rohund pasteurisierte Milch, über Kolibakterien und über die praktisch veranlagten Käser auf den Alpen im Saanenland, die exakt Bescheid wissen über Fettund Wassergehalt.
Die Raclette-geniessenden Gäste auf der Kutsche waren begeistert – nicht nur vom schmackhaften Käse, sondern auch von der humorvollen Art und Weise, wie die beiden «Verrückten» Käsegeschichten zum Besten gaben.
Weltrekord: mit Tisch und Racletteofen in der Luft
«Raclette Guy» Adrian Sejrani hat die- Nach ein paar Wochen Tüfteln war es Mitte September 2025 so weit. Gemeinsam mit einem Piloten schwang er sich samt Tisch und einem halben Käselaib im Racletteofen mit einem Gleitschirm in die Lüfte. Hoch über dem Genfersee wurde das Raclette dann ganz traditionell geschabt und mit Essiggurken und Gschwellti serviert.
Auf die Frage, wie so ein fliegendes Raclette schmeckt, antwortete Serjani: «Mit dem ganzen Adrenalin und den Emotionen schmeckt es definitiv besser!» Es gebe jedoch einen Nachteil: «Man muss schnell essen, sonst wird es kalt.» Auf ihrem rund zehnminütigen Flug blieb den beiden dennoch genügend Zeit, eine ordentliche Portion Raclette zu geniessen.
Adrian Sejrani erzählt
«Nach Covid und Krankheit suchte ich einen neuen Sinn im Leben. Mit meinem kleinen Auto reiste ich durch Deutschland und landete in Köln, wo mein Flitzer den Geist aufgab. Während zwei Wochen logierte ich bei einer gastfreundlichen Familie. Als Dank machte ich ihnen ein Fondue.» Den Gastgebern gefiel das so gut, dass sie ihn baten, am Kölner Weihnachtsmarkt Fondue anzubieten. «Das war ein grossartiges Erlebnis. In mir keimte eine neue Leidenschaft auf.» Der geschmolzene Käse markierte den Beginn seiner heutigen Raclette-Begeisterung.
Hauptberuflich arbeitet er als kaufmännischer Angestellter. An den Wochenenden und in den Ferien bereite er nun mit Raclette, diesem schweizerischen Kulturgut, anderen Menschen Freude.
Einen eindrücklichen Anlass erlebte er am 13. September 2025 im Vatikan, wo er für 140 Schweizergardisten ein Raclette zubereitete. Mit dem Verein Schweizergardisten wird er in den Monaten April und Mai dieses Jahres in jedem Kanton, beginnend mit Uri und endend mit Jura, einen Racletteabend organisieren. Bundespräsident Parmelin wird die Tour eröffnen. «Mein Ziel ist es, über die Kantons- und Sprachgrenzen hinweg Menschen zusammenzubringen.»
Ein Raclette-Weltrekordversuch in Gstaad
Eine Folge der fachorientierten Gespräche zwischen den beiden «Raclette-Angefressenen» ist, in der Promenade von Gstaad den Wallisern den Weltrekord, den sie im April 2025 in Martigny aufgestellt hatten, zu entwenden. «Ein derartiger Event schafft nicht nur weltweitweite Beachtung, sondern auch Wertschöpfung für unsere Bauern und die regionalen Raclettekäseproduzenten», kommentierte Hanspeter Reust die Idee des «Racletteurs» Adrian Sejrani, alias «Raclette Guy».



