REAKTIONEN AUF DEN LESERBRIEF «CAPRICES – EIN FESTIVAL GEGEN MENSCH UND TIER» VOM 24. MÄRZ 2026
27.03.2026 LeserbriefeVielfalt statt Stillstand
Grossen Dank an das Caprices Festival für das Engagement, einen solchen Anlass im Saanenland zu ermöglichen.
Das Angebot an Nachtleben und Veranstaltungen in der Region ist seit längerer Zeit begrenzt. Formate wie das ...
Vielfalt statt Stillstand
Grossen Dank an das Caprices Festival für das Engagement, einen solchen Anlass im Saanenland zu ermöglichen.
Das Angebot an Nachtleben und Veranstaltungen in der Region ist seit längerer Zeit begrenzt. Formate wie das Caprices Festival schliessen diese Lücke und bringen insbesondere jüngere sowie junggebliebene Menschen ins Saanenland zurück. Dies leistet meines Erachtens einen wichtigen Beitrag zu einer lebendigen und zukunftsorientierten Entwicklung der Region.
Die Diskussion um die Lärmbelastung im Tal ist grundsätzlich nachvollziehbar. In einer ganzjährigen Betrachtung erscheint mir diese für eine internationale Destination wie Gstaad jedoch in einem vertretbaren Rahmen. Gleichzeitig entwickeln sich Musik und kulturelle Ausdrucksformen stetig weiter, unterschiedliche Geschmäcker sind Ausdruck einer vielfältigen und offenen Gesellschaft.
Es ist keineswegs selbstverständlich, dass Veranstalter einen derart grossen organisatorischen und finanziellen Aufwand auf sich nehmen.
Ich finde, dass solche Anlässe sowohl die touristische Attraktivität als auch das gesellschaftliche Leben im Saanenland stärken.
Bei aller Diskussion sollte zudem meiner Meinung nach berücksichtigt werden, dass auch frühere Generationen von einem vielfältigen Veranstaltungsangebot und einem aktiven Nachtleben profitiert haben, teilweise in zentraleren Lagen direkt im Dorf, was heute in dieser Form kaum mehr vorhanden ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir sinnvoll, neuen Formaten mit Offenheit und Augenmass zu begegnen, insbesondere wenn bewusst darauf geachtet wird, diese möglichst ausserhalb der bewohnten Gebiete durchzuführen.
PHILIPP WÜRSTEN, SAANEN
Sexy Caprices
Den letzten Leserbrief habe ich ehrlich gesagt nur kopfschüttelnd gelesen. Hat jemand eigentlich bemerkt, dass wir in einer Tourismusregion leben? Willkommen im Jahr 2026.
Die Jugend im Saanenland muss seit Jahren auswärts gehen, um überhaupt noch irgendwo tanzen und feiern zu können. Gleichzeitig wird gejammert, dass es hier immer weniger junge Leute gibt – ja, warum wohl? Und wenn dann endlich jemand die Initiative ergreift und junge, berufstätige Menschen ins Saanenland bringt, ist das wegen dem Lärm gleich ein «Umweltschaden». Ernsthaft?
Das Caprices Festival war meines Erachtens schlicht grossartig: Menschen von 17 bis 70 Jahren, alle gut drauf, fröhlich, entspannt – genau so sieht für mich eine lebendige Region aus. Vielleicht passt das einfach nicht in das Weltbild gewisser Einwohnerinnen und Anwohner.
Mein Tipp an alle Kritiker: Gehen Sie das nächste Mal selbst hin. Ich finde, es könnte nicht schaden, einmal zu erleben, wie sich Freude, Musik und ein bisschen Lebenslust anfühlen.
THOMAS BOO, SAANEN
Danke, Caprices!
Ich möchte der Gemeinde Saanen und den Organisatoren des Caprices Festivals für dieses Fest auf dem Eggli danken – nicht nur als Freund elektronischer Musik, sondern auch als einheimischer junger Mensch, der seit Jahren das Verschwinden von Ausgehmöglichkeiten im Saanenland miterlebt.
Entgegen der Darstellung bestimmter Personen begrüsse ich – ebenso wie viele Einheimische – das Engagement des Caprices. Ja, es bringt für zwei von 52 Wochenenden erhöhte Lärmemissionen mit sich. Das ist für Mensch und Tier meiner Meinung nach wohl zumutbar. Und wer sich ernsthaft um das Tierwohl sorgt, sollte sich bewusst sein: Mit einer vegetarischen oder veganen Ernährung lässt sich dieses wohl deutlich wirksamer schützen als mit punktueller Empörung über ein Festival.
Auch das Skierlebnis am 15. März 2026 wurde aus meiner Sicht nicht beeinträchtigt. Bis auf die Schliessung des Berghauses Eggli konnte im Sektor West ein wunderschöner Skitag genossen werden – ohne nennenswerte Einschränkungen.
Neben der kulturellen Belebung einer zunehmend ausgedünnten Ausgehund Musikszene bringt das Festival auch einen klaren wirtschaftlichen Mehrwert – gerade im sonst eher schwachen Monat März. Hotellerie, Bergbahnen, Gastronomie und weitere Leistungsträger profitieren meines Erachtens spürbar.
Und kaum zu glauben: Auch sogenannte «rechtschaffene» Menschen haben ihren Sonntag tanzend und feiernd am Caprices verbracht – und sind am Montag trotzdem wieder zur Arbeit erschienen. Zudem haben viele im Tal bis nach Gsteig wohnhafte Personen den angeblichen «Grundton» deutlich weniger dramatisch wahrgenommen, als es manche Leserbriefe darstellen. Dass dieser gar durch das ganze Saanenland, sprich auch bis nach Lauenen oder Saanenmöser, zu hören war, halte ich doch für sehr fraglich.
Aber keine Sorge: Schon bald kehrt wieder Ruhe ein. Nach dem Slopesound Festival in Saanenmöser fällt das Saanenland bis in den Juli zurück in die gewohnte «Tote Hose» – ganz ohne Lärm, dafür auch ohne Angebot für alle, die sich für Musik, Begegnung und ein lebendiges Dorfleben interessieren.
NICOLAS ZÜRCHER, FEUTERSOEY
