Saanen am Europawochenende in Darmstadt
12.06.2026 GesellschaftIm Rahmen der Gemeindepartnerschaft zwischen Saanen und Darmstadt reiste auf Einladung von Oberbürgermeister Hanno Benz wieder eine gemeinderätliche Delegation nach Darmstadt zum kommunalpolitischen Workshop und zum traditionellen Grenzgang.
...Im Rahmen der Gemeindepartnerschaft zwischen Saanen und Darmstadt reiste auf Einladung von Oberbürgermeister Hanno Benz wieder eine gemeinderätliche Delegation nach Darmstadt zum kommunalpolitischen Workshop und zum traditionellen Grenzgang.
Gemeindepräsidentin Petra Schläppi und Gemeinderat Philippe Marmet fuhren bereits am Donnerstag, 28. Mai, per Bahn nach Darmstadt, wo sie am Bahnhof von der langjährigen Begleiterin Ingrid Janetzko abgeholt wurden. Das nachfolgende Abendessen mit Vertretern der Darmstädter Behörden sowie sämtlicher Partnerdelegationen diente der Begrüssung und dem ersten gegenseitigen Austausch. Von den insgesamt 17 Partnerstädten Darmstadts nahmen folgende zehn teil: Brescia (IT), Chesterfield (UK), Graz (AT), Gyönk (HU), Liepaja (LV), Nahariya (IL), Plock (PL), Saanen (CH), Trondheim (NO) und Uzhhorod (UA).
Kommunalpolitischer Workshop
Jeweils am Freitag besprechen die Delegationen ein gemeindespezifisches Thema. Dieses Jahr ging es um «Resiliente Infrastrukturen digitaler Städte» mit dem Besuch des Anwendungsund Transferzentrums «Digital Resilience Xchange DiReX» und des LOE-WE-Zentrums «emergenCITY» an der Technischen Universität Darmstadt, einem Fachreferat und anschliessender moderierter Gesprächsrunde mit den Delegierten der Partnerstädte. Im Zentrum stand die Frage nach der digitalen Strategie einer Stadt für die Erhöhung der Resilienz in Krisenzeiten, z.B. nach Starkregen, Sabotage oder Stromausfall. Einerseits wurde das Darmstädter Modell vorgestellt, andererseits konnten die Delegationen dieses mit ihren eigenen Ansätzen vergleichen.
Am Nachmittag standen die äusserst interessanten Besuche der «European Space Agency ESA» und des «European Space Operations Centers ESOC» auf dem Programm.
Europäischer Abend
Das feierliche Nachtessen am Freitagabend an einem bedeutungsvollen oder einfach schönen Ort ist der offizielle Höhepunkt: Diesmal empfing Oberbürgermeister Hanno Benz alle Delegationen und einige Mitglieder seiner Behörden im Georg-Christoph-Lichtenberg-Haus – 1899 in wunderschöner Lage am östlichen Stadtrand als Hotel gebaut, später vielseitigen Zwecken dienend wie Fürstenvilla, Schulungsraum der Nationalsozialisten, Lazarett, Tuberkulose- und dann Frauenklinik, Studentenheim und heute Gästehaus der technischen Universität Darmstadt.
Neben dem Apéro auf sommerlicher Terrasse und dem feinen Buffet im stuckaturengeschmückten Saal stellte der Oberbürgermeister seine Grussworte an die Delegationen und seinen Appell ins Zentrum, in diesen unwägbaren, von Diktatoren gesteuerten Zeiten die Kultur des Dialogs, des gegenseitigen Respekts und der lösungsorientierten Zusammenarbeit im Sinne von Freundschaft, Friede und Freiheit ganz bewusst zu pflegen, wofür sich der gelebte Austausch auf Gemeindeebene geradezu anbiete. «Mit dem Europawochenende pflegen wir den fachlichen Austausch mit unseren Partnerstädten und leben die internationalen Freundschaften beim gemeinsamen Grenzgang mit der Stadtgesellschaft», sagte Hanno Benz. Um den multiplen Herausforderungen zu begegnen, müsse man über Gebietskörperschaftsgrenzen hinaus arbeiten.
Und genau diesem Austausch widmeten sich im Anschluss die gemischt an den Tischen platzierten Delegationen. Vereinzelte blieben bis zum Schlummertrunk in der Stadt zusammen, so auch Saanen, das mit Graz und Trondheim den ereignisreichen Tag in kurzweiliger Atmosphäre beschloss.
Grenzgang
Der Grenzgang am Samstag, eine Wanderung im Gemeindegebiet Darmstadts, folgt jedes Jahr einer anderen Route. Circa sechseinhalb Kilometer durch Wald und Wiesen, entlang schöner Gebäude bis hin zur Schlussrast bummelten die rund 800 Teilnehmenden und liessen sich an den acht Ständen verwöhnen: Fünf Partnerstädte und drei örtliche Anbieter boten ihre Spezialitäten zum Kosten. Saanen ist seit Jahrzehnten dabei und machte auch dieses Jahr mit Hobelkäse, Zopf und Weisswein viel Freude. Markus Iseli und Liliana Felix, unterstützt von langjährigen Freund:innen und Helfer:innen der Stadt, präsentierten die Köstlichkeiten frisch aus dem Kühlbus der Molkerei Schönried, was bei den herrschenden hohen Temperaturen sehr geschätzt wurde. Petra Schläppi und Philippe Marmet wanderten die ganze Strecke mit, liessen es sich aber nicht nehmen, beim Saaner Stand vorübergehend beim Ausschenken zu helfen. Es wurde gelacht, geplaudert, das Wiedersehen oder die Neubegegnung gefeiert und man konnte auf wohltuende Weise kurz mal den Alltag vergessen.
Zur Schlussrast fanden sich alle zu Erbssuppe, Wurst und Bier im Platanenhain der Mathildenhöhe mit ihrem einzigartigen Hochzeitsturm ein, seit Kurzem Unesco-Weltkulturerbe und an diesem Samstag von unzähligen Hochzeitsgesellschaften und der bunten Grenzgangschar gleichermassen geschätzter Ort.
Schlussabend mit Ehrungen
Nochmals versammelte der Oberbürgermeister seine Gäste zum feinen Nachtessen unter dem traditionsreichen Gewölbe des Jagdhofkellers. Diesmal herrschte freie Platzwahl und rasch waren die Stühle besetzt. Die lebendig-laute Gesellschaft wurde nochmals von Oberbürgermeister Hanno Benz unterbrochen, der sich bei allen für die Anwesenheit und das Engagement im Rahmen der Städteverschwisterung bedankte. Den Sinn und Wert professionellen wie auch ehrenamtlichen Engagements zugunsten der Gemeinschaft hob er am Beispiel zweier Personen hervor, die als Anerkennung ihres langjährigen persönlichen Wirkens mit der Überreichung der städtischen Freundschaftsplakette geehrt wurden.
Am Sonntag ging es dann wieder heimwärts, alle in ihre Herkunftsorte, aber bereichert um gemeinsame Erlebnisse und viele neue Eindrücke.
MARKUS ISELI



