Saaner Gemeindeversammlung nimmt alle Geschäfte an
22.09.2026 Saanen253 Saaner Stimmberechtigte stellten am 18. September an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung die Weichen für künftige Projekte. Sie bewilligten einen Beitrag an die Planungskosten für den Neubau des Chinderhuus Ebnit, verlängerten die Leistungsvereinbarung mit den ...
253 Saaner Stimmberechtigte stellten am 18. September an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung die Weichen für künftige Projekte. Sie bewilligten einen Beitrag an die Planungskosten für den Neubau des Chinderhuus Ebnit, verlängerten die Leistungsvereinbarung mit den Bergbahnen Destination Gstaad AG und genehmigten zusätzliche 12 Millionen Franken für das Generationenprojekt Horneggli/Hornberg.
Ja zu Investitionen in Chinderhuus und Bergbahnen
Alle fünf Geschäfte wurden an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung Saanen angenommen. 253 Stimmberechtigte entschieden am vergangenen Freitagabend unter anderem über zwei Vorlagen der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) sowie über das Neubauprojekt Chinderhuus Ebnit.
JONATHAN SCHOPFER
Chinderhuus Ebnit: Wofür werden die 1,1 Millionen Franken verwendet?
Die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung Saanen sprachen sich für einen Investitionsbeitrag von 1,1 Millionen Franken aus. Damit kann die weitere Planung des Neubaus des Chinderhuus Ebnit am Standort Gstaad erfolgen. Mit dem Betrag wird noch nicht der Neubau selbst finanziert, sondern dessen Planungskosten. Das Geschäft wurde mit 226 Ja- zu 16 Neinstimmen angenommen.
Mehr Platz für die Kinderbetreuung
«Die Nachfrage nach Kitaplätzen ist steigend, davon zeugt die grosse Warteliste», sagte Sigbert Feller, Gemeinderat Ressort Soziales. Jedoch ist das Gebäude des Chinderhuus Ebnit in Gstaad in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den heutigen Richtlinien, wie eine fachmännische Beurteilung zeigte. Seit Längerem wird deshalb ein Neubau geplant. Verschiedene Standorte wurden geprüft, wobei sich der heutige Standort in Gstaad als die machbarste Lösung erwies.
Mit dem Neubau soll das Betreuungsangebot ausgebaut werden. Am Standort Gstaad sollen die Kitaplätze von heute 16 auf rund 30 erhöht werden. Bereits 2019 diskutierte das Chinderhuus Ebnit an seiner Generalversammlung über eine dritte Kita (siehe «Anzeiger von Saanen» vom 18. April 2019). An der hohen Nachfrage hat sich seither wenig geändert. Auch 2025 waren die Kindertagesstätten des Chinderhuus Ebnit mit einer Gesamtauslastung von 98,12 Prozent sehr gut ausgelastet.
Gab es dazu Fragen aus der Versammlung?
Ein Votant wollte wissen, weshalb in den im «Anzeiger von Saanen» publizierten Erläuterungen von einem Vorund Bauprojekt bis zur Baubewilligung die Rede gewesen sei, an der Versammlung jedoch nur noch vom Bauprojekt und den weiteren Phasen, also bis zu der sogenannten Phase 33. Gemeinderat Sigbert Feller erklärte, ein Teil des Vorprojekts sei bereits erarbeitet worden. Mit dem nun beantragten Planungskredit werde das Projekt bis zur Phase 33 weitergeführt. Für detailliertere Auskünfte müsse er die Fachleute beiziehen.
Wie teuer soll der Neubau werden?
Die Gemeinde Saanen soll sich später mit voraussichtlich 10,6 Millionen Franken am Neubau beteiligen. Ein Teil davon ist als nicht rückzahlbarer Beitrag vorgesehen, ein weiterer als verzinsliches und rückzahlbares Darlehen. Die restlichen rund 5,5 Millionen Franken will der Verein Chinderhuus Ebnit über Bundesbeiträge, Eigenmittel und Spenden finanzieren. Insgesamt wird derzeit mit Projektkosten von rund 16,1 Millionen Franken gerechnet.
Was sagt Institutionsleiter Patric Bill?
Institutionsleiter Patric Bill zeigte sich froh und erleichtert. «Ich bin dankbar für die grosse Unterstützung aus der Bevölkerung. Das gibt Energie für die weiteren Schritte.»
Wie geht es nun weiter?
Mit dem bewilligten Kredit kann die Detailplanung weitergeführt werden und wird bis zum Baubewilligungsverfahren vorangetrieben. Dabei können die Verantwortlichen des Chinderhuus Ebnit die Hauptplaner nicht frei wählen. «Die Planungsleistungen müssen öffentlich ausgeschrieben werden», sagte Patric Bill. Die eingereichten Angebote werden anschliessend anhand verschiedener, im Voraus festgelegter Kriterien bewertet und mit Punkten gewichtet. Den Zuschlag erhält das Angebot, das gemäss dieser Bewertung am besten abschneidet.
Der Zeitplan ist wegen des öffentlichen Vergabewesens langfristig angelegt: Wie die Verantwortlichen an der letzten Generalversammlung des Chinderhuus Ebnit bekannt gaben, wird mit einem Baubeginn frühestens 2029 gerechnet.
BDG: weitere sechs Jahre jährlich 3,8 Millionen Franken
Bereits für die Jahre 2023 bis 2026 unterstützte die Gemeinde Saanen die BDG mit 3,8 Millionen Franken pro Jahr. Nun stand die Fortführung dieser jährlichen Leistungsvereinbarung für die Jahre 2027 bis 2032 zur Abstimmung. Die Beiträge werden für folgende Leistungen ausgezahlt: Sicherstellung des Sommerbetriebs der BDG, unentgeltliche Jahreskarten für Kinder aus der Gemeinde sowie Beiträge an die Abschreibungen der BDG.
Neu sieht die Leistungsvereinbarung vor, den Sommerbetrieb während der Vor- und Nachsaison zu erweitern.
Warum gab es einen Änderungsantrag?
Votantin Vera Steiner stellte zu Beginn ihrer Wortmeldung klar, dass sie die Zahlungen an die BDG nicht grundsätzlich infrage stelle. Sie kritisierte vielmehr den weiteren Ausbau der Neben- und Zwischensaison. «Die Zwischensaison ist unsere Zeit», sagte Steiner. Sie beantragte, die neue Leistungsvereinbarung auf vier statt sechs Jahre zu begrenzen. So könne die Gemeindeversammlung nach vier Jahren bei Bedarf Anpassungen verlangen.
Christof Huber vom Hotelierverein Gstaad-Saanenland argumentierte dagegen. Es gehe nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern darum, die Gäste besser zu verteilen. Da die Bergbahnen an den Wochenenden ohnehin geöffnet seien, gehe es vor allem um zusätzliche Betriebstage unter der Woche, sagte Huber. Insgesamt handle es sich um rund 20 zusätzliche Öffnungstage.
Auch Michael Teuscher vom Verwaltungsrat der BDG sprach sich für die sechsjährige Laufzeit aus. Eine längerfristige Vereinbarung könne bei der Finanzierung zu besseren Konditionen bei den Banken führen, argumentierte er.
Wie wurde abgestimmt?
Im direkten Vergleich erhielt Steiners Änderungsantrag für eine vierjährige Laufzeit 22 Stimmen, der Antrag des Gemeinderats für sechs Jahre 192 Stimmen. Damit kam die sechsjährige Variante in die Schlussabstimmung. Diese wurde mit 226 Ja- zu 20 Neinstimmen angenommen.
Ein Nachkredit von 12 Millionen Franken für das Generationenprojekt
Das zweite Geschäft, das die BDG betraf: Bereits 2022 hatte die Gemeindeversammlung für die Neu- und Ersatzbauten im Gebiet Horneggli/Hornberg einen Investitionsbeitrag von 40 Prozent beziehungsweise 36 Millionen Franken bewilligt. Damals wurde mit Gesamtkosten von rund 90 Millionen Franken gerechnet. Inzwischen liegen die Kosten bei rund 120 Millionen Franken. Nun entschieden die Stimmberechtigten darüber, den maximalen Beitrag der Gemeinde um 12 Millionen Franken zu erhöhen und damit gesamthaft 48 Millionen Franken beizusteuern. Die Stimmberechtigten genehmigten das Geschäft mit 199 Ja- zu 41 Neinstimmen. Zu diesem Geschäft gab es keine weitere Wortmeldung.
Warum sind die Kosten gestiegen?
Nathanael Perreten, Gemeinderat und Leiter des Ressorts Finanzen, verwies unter anderem auf die Kostenentwicklung seit 2022: «Gestiegene Stahlpreise, der Teuerungsanstieg und die Fusionierung von Bergbahnherstellern haben nicht geholfen, dass die Kosten günstiger werden.»
Wer finanziert das Projekt?
Die Finanzierung soll auf mehrere Schultern verteilt werden. Neben der Gemeinde und der BDG können sich auch Dritte beteiligen. Perreten erklärte, dass bereits Zusagen von grossen Aktionären in Höhe von 13 Millionen Franken vorlägen.
Welche Bedingungen gelten für die zusätzlichen 12 Millionen Franken?
Die Finanzierung der zentralen Projekte muss zunächst mit mindestens 100 Millionen Franken verbindlich nachgewiesen werden. Dieser Betrag ist für die neue Hornegglibahn inklusive Parkhaus sowie den Speichersee Hornberg bestimmt. Die darüber hinausgehenden Kosten müssen ohne weitere Beteiligung der Gemeinde Saanen finanziert werden.
Die zusätzlichen 12 Millionen Franken sollen von 2027 bis 2032 in jährlichen Raten von zwei Millionen Franken auf das bereits bestehende Sperrkonto bei der Saanen Bank überwiesen werden. Eine allfällige Beteiligung der Gemeinde an einer Erhöhung des Aktienkapitals der BDG muss ebenfalls aus dem auf diesem Sperrkonto vorhandenen Kapital finanziert werden.
Was bedeutet dies finanziell für die Gemeinde?
«Das ist eine erhebliche Belastung für die Liquidität der Gemeinde Saanen», sagte Perreten. In den Jahren 2027 bis 2032 belaufen sich die jährlichen Beiträge aus der Leistungsvereinbarung von 3,8 Millionen Franken und die Investitionsbeiträge von 5,6 Millionen Franken zusammen auf 9,4 Millionen Franken. Es sei nicht auszuschliessen, dass ein Teil davon nur durch die Aufnahme von neuem Fremdkapital finanziert werden könne, so Perreten.
Was sagt der CEO der Bergbahnen Destination Gstaad AG dazu?
Matthias In-Albon, CEO der Bergbahnen Destination Gstaad AG, sagt auf Anfrage, dass er der Stimmbevölkerung von Saanen für das Vertrauen und die klare Unterstützung der beiden Geschäfte danke. «Die Zustimmung schafft die notwendige Planungs- und Finanzierungssicherheit für die nächsten Schritte.» Sobald die Überbauungsordnung vom Kanton genehmigt sei, könne das Plangenehmigungsverfahren öffentlich aufgelegt werden. Parallel dazu bereite die BDG die Aktienkapitalerhöhung vor. «Wir werden die Bevölkerung weiterhin über die Fortschritte informieren und das Projekt in enger Abstimmung mit der Gemeinde, den Behörden, Aktionären und Partnern weiter vorantreiben.»
WAS SONST NOCH BESCHLOSSEN WURDE
Beim ehemaligen Altersheim Rübeldorf stimmten die Stimmberechtigten einer Änderung des Zonenplans Nr. 3 und des Baureglements zu. Die Parzelle wird neu der Wohn- und Gewerbezone (WG) zugewiesen. Dadurch kann die Gemeinde Saanen künftig unterschiedliche Nutzungen ermöglichen und insbesondere die Weitervermietung an die «WG Mischer» über das Jahr 2029 hinaus sichern. Der Antrag wurde mit 240 Ja- zu 4 Neinstimmen angenommen.
Für die Abwasserleitungen Saanematte und das Regenbecken Gstaad wurde eine Erhöhung des bisherigen Investitionskredits von 890’000 Franken um 13,11 Millionen Franken auf insgesamt 14 Millionen Franken beantragt. Die Stimmberechtigten genehmigten die Krediterhöhung mit 212 Ja- zu 31 Neinstimmen.
JSC



