Sag niemals nie…
09.01.2026 KolumneRANDNOTIZ
ANITA MOSER
Kennen Sie das? Sie begegnen einem Bekannten/einer Bekannten und denken: Was ist anders? Die Frisur? Hat er neu einen Bart? Keinen Schnauz mehr? Eine neue Brille? Ich bin nicht so gmerkig. Und trotzdem fällt mir auf, dass zahlreiche ...
RANDNOTIZ
ANITA MOSER
Kennen Sie das? Sie begegnen einem Bekannten/einer Bekannten und denken: Was ist anders? Die Frisur? Hat er neu einen Bart? Keinen Schnauz mehr? Eine neue Brille? Ich bin nicht so gmerkig. Und trotzdem fällt mir auf, dass zahlreiche Bekannte plötzlich irgendwie anders aussehen. Das liegt an der modernen Medizin. Sie haben sich aber weder liften noch botoxen lassen – ämel nicht so, dass man es auf den ersten Blick sehen würde. Nein, sie brauchen keine Brille mehr. Den medizinischen Fortschritten sei Dank. Die einen haben sich die Augen lasern lassen, die meisten – oft in meinem Alter oder etwas älter – haben den Grauen Star operieren lassen müssen. Was ja zum Glück heute möglich ist und meistens mit sehr gutem Resultat.
Ich trage seit meinem 18. Lebensjahr – seit dem Sehtest für die Fahrprüfung – eine Brille. Ich hatte anfangs schampar Mühe mit dem Nasengestell. Einerseits fand ich mich doof, andererseits veränderte sich mein Blickwinkel. Wenn ich an mir hinunter blickte, schienen meine Beine kürzer als normal, dafür wurde ein normal dicker Wasserschlauch auf einer Baustelle zu einer schier unüberwindbaren Grösse. Ich erinnere mich noch gut, wie die Bauarbeiter mich grinsend beobachteten, als ich mit einem Riesenschritt über den Schlauch stieg. Peinlich, peinlich…
Meine Sehstärke nahm bis zu meinem 30. Lebensjahr praktisch von Jahr zu Jahr ab. Ohne Brille bewege ich mich heute fast im Blindflug, der Halbmond wird zum Vollmond, Bekannte auf der Strasse würde ich kaum erkennen. Weil ich im Hallenbad die Brille aber nicht trage, grüsse ich «sicherheitshalber» praktisch alle, die an mir vorbeigehen. Nicht dass man mir nachsagen kann, ich grüsse nicht mehr oder tue so, als ob ich sie oder ihn nicht mehr kenne oder so.
«Lass doch deine Augen lasern», «Hast du schon mal Kontaktlinsen ausprobiert?», bekomme ich hie und da zu hören. Ich ohne Brille? Das kann ich mir nach so vielen Jahren als Brillenträgerin nicht vorstellen. Eigentlich. Aber ich halte es wohl doch lieber wie damals Sean Connery anno 1983 als James Bond 007: «Sag niemals nie». Denn wer weiss, vielleicht holt auch mich dereinst der Graue Star… und dann…?
anita.moser@anzeigervonsaanen.ch
