Samichlöisla, so weit das Auge reicht
10.12.2024 RegionVon Tälern wie dem Turbach bis zum glitzernden Eisfeld in Gstaad – der Samichlous zog am Freitag durch die Gemeinden des Saanenlands und sorgte überall für strahlende Gesichter. Wir trafen in Gsteig, Turbach, Lauenen, Saanen und Gstaad auf den bärtigen Mann mit rotem Mantel, begleitet von seinem Schmutzli, einem prall gefüllten Sack und offenen Ohren. Die Kinder hatten sich gut vorbereitet: Viele trugen mit glänzenden Augen ihre Sprüche und Lieder vor. Vom traditionellen «Liebe Samichlous» bis hin zu kleinen Gedichten – die Kreativität kannte keine Grenzen. Einige Kinder trauten sich jedoch nicht so recht und suchten Schutz hinter Mama oder Papa. Doch mit sanften Worten und einem liebevollen Lächeln schaffte es der Samichlous fast immer, auch die Schüchternsten aus ihrem Versteck zu locken. Neben Lob für die guten Taten im vergangenen Jahr hatte der Samichlous auch den ein oder anderen gut gemeinten Ratschlag für die Kinder parat. Ob ein bisschen mehr Geduld beim Spielen mit Geschwistern oder ein «Bitte und Danke» im Alltag
– alles wurde mit einem Lächeln aufgenommen. Als Belohnung gab es für alle ein Säckchen, gefüllt mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade. Besonders magisch war der Besuch auf dem Eisfeld in Gstaad, wo der Samichlous auf den Kufen seine Runden drehte und die Kinder beim Schlittschuhlaufen überraschte.
Auf Kufen, zu Ross oder zu Fuss: Der Samichlous ist überall!
«Das hesch du guet gmacht!»
Der Samichlous und seine Schmutzli hatten alle Hände voll zu tun. Die vielen Kinder konnten es kaum erwarten, dem Mann mit dem langen weissen Bart ihre Versli vorzutragen.
ANITA MOSER
Den Auftakt zum diesjährigen Samichlous-Abend in Gstaad machte ein Konzert der Schülerinnen und Schüler der Musikschule Saanenland-Obersimmental unter der Leitung von Rita Walker. Ganz hibbelig vor Vorfreude warteten die vielen Kinder auf die Ankunft vom Samichlous – das eine oder andere wohl auch mit einem Kribbeln im Bauch.
«Är chunnt, är chunnt…»
…tönt es plötzlich von da und dort. Und da ist er endlich: der Samichlous, sein Eseli und die Schmutzli. «Wärum hesch du Gummistiefel a?», fragt ein Junge etwas vorlaut, während der Samichlous sich zu einem kleinen Mädchen hinunterbeugt. Der Mann in der roten Kutte lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. «I bi no im Stall gsy», antwortet er und widmet sich danach dem kleinen Mädchen, das mit etwas zittriger Stimme sein Versli aufsagt. «Das hesch du guet gmacht», lobt der Samichlous und überreicht ihm das Chlousesäckli.
Viele Versli, ein Tanz und ein «Thank you, Santa Claus»
Er geht von Kind zu Kind, von Familie zu Familie und hört sich geduldig die kurzen und längeren Versli an. Einige Kinder – beste Freundinnen oder Klassengspänli – haben sich zusammengetan und tragen ihr Versli zusammen vor. «Dr Schmutzli isch hüt e chly langsam», sagt der Samichlous mit einem Schmunzeln zu den Kindern, als sein Gehilfe beim Eseli Knut Chlousesäckli-Nachschub holen muss.
Zwei Mädchen führen zu «All I Want for Christmas Is You» einen Tanz vor – etwas, das der Samichlous wohl nicht alle Tage zu sehen bekommt. Er wechselt auch ein paar Worte mit englisch sprechenden Kindern und ihre Augen strahlen, als er ihnen die gefüllten Chlousesäckli überreicht.
Punsch, Glühwein und weihnächtliche Klänge
Während der Samichlous den Kindern geduldig zuhört und Chlousesäckli verteilt, schenken Mitglieder der Dorforganisation heissen Glühwein und Punsch aus und eine Delegation der Musikgesellschaft Gstaad umrahmt den Anlass mit weihnächtlichen Klängen. Die Füsse und Hände werden nun aber langsam kalt, die Nasen rot. Der Kapälliplatz leert sich und der Samichlous, Esel Knut und die Schmutzli machen sich auf den langen Heimweg. Bis zum nächsten Jahr, lieber Samichlous.
«Dr Samichlous im Turbach»
«Samichlous, du guete Maa, ändlich bisch du wieder daa.
Chunnsch cho luege, was i mache, wie ich spiele, singe, lache?»
EUGEN DORNBIERER-HAUSWIRTH
Als ob Sankt Nikolaus die aufgeregt und ungeduldig wartenden Turbacherinnen und Turbacher angeschlichen hätte – plötzlich erschien er im Garten des «Sunne-Stüblis». Das Cheminéefeuer und die flackernden Lichter der Kerzen sorgten für eine märchenhafte Stimmung.
Sankt Nikolaus kam aus der Tiefe des Turbachtals, aus seinem Quartier in der Wintermatte. Die Reise ins Tal trat er ohne Esel, ohne Schlitten und auch ohne den erkrankten Schmutzli an. Ein etwa zwölfjähriger Bub sagte zu seinem Vater: «Ich erlebe den ersten Samichloustag ohne Schnee.» Der Samichlous bestätigte diese Aussage und meinte: «Ja, ja, in früheren Jahren lag viel Schnee. Mein Esel ‹Donkey› zog meinen Schlitten, auf dem ich mich ausruhen konnte. Heute musste ich den schweren Sack mit den vielen Geschenken auf meinen Schultern tragen. Aber das machte ich gerne und ich freue mich, euch im Turbachdörfli anzutreffen. Liebe Kinder, seid ihr schön brav gewesen? Gerne höre ich eure Versli und schenke zum Dank Nüsse, Birnen und Schokolade.»
Die Augen, vor allem der Kleinsten, glänzten im fahlen Licht der Kerzen. Ein Kind nach dem andern begab sich hin zum sitzenden Samichlous, um ihm zum Beispiel dies zu erzählen: «Es Liechtli brönnt im Tannewald, was söll äch das bedüte? Chunnt äch dr Samichlous scho bald? Oh Samichlous, bring Öpfel, Nuss und ou ä Grittibänz…»
Dunkle Nacht, der Mond schien hell und im Garten des «Sunne-Stüblis» freuten sich auch die Glühwein oder Punsch trinkenden Erwachsenen.
Hurra, Sankt Nikolaus ist da!
MARIANNA BETTLER
Am frühen Abend des 6. Dezembers tat sich vor dem Eingang des Gsteiger Pfarrhauses Ungewöhnliches. Leute gingen ein und aus und stellten grosse Gefässe und Becher auf einen Tisch. Auf dem «Mätteli» entdeckte man Strohballen. Eltern und Grosseltern kamen mit ihren Kindern und warteten gespannt auf den seltenen Gast.
Gemessenen Schrittes kam er im roten Gewand und mit schwerem Sack daher. Zum Verschnaufen gab es für ihn keine Zeit, denn schon stand ein kleines Mädchen vor ihm, blickte tapfer in das bärtige Gesicht und sagte sein Sprüchlein auf. Der Nikolaus lobte es und überreichte ihm ein Säcklein mit vielen leckeren Köstlichkeiten. Glücklich hüpfte die Kleine zu ihren Eltern.
Geduldig warteten die anderen Kinder, bis sie an die Reihe kamen. Nebst den herzigen Verslein streckten einige dem Nikolaus eine Rolle mit einem selbst verfassten Brief entgegen.
Um sich ein wenig aufzuwärmen, gabs für die Jüngsten Apfelpunsch und für die Erwachsenen einen feinen Glühwein. Unter Lachen, Plaudern und Schmunzeln verflog die Zeit im Nu. Glücklich und mit schönen Erinnerungen an den frohen Nikolausabend begaben sich die Familien auf den Heimweg.
Ein grosses Kompliment und ein herzliches Dankeschön an die Dorforganisation Gsteig, welche diesen Anlass auch heuer so schön gestaltet hatte.
In Lauenen kam der Samichlous persönlich nach Hause…
Der Samichlous auf Kufen
…und in Saanen erwartete er die braven Kinder auf dem Sanonaplatz






















