Sara Isabelle Ispas: drei erste Preise in Folge und ein Leben für die Musik
16.10.2026 KulturDie junge Geigerin Sara Isabelle Ispas hat beim Internationalen Alberto-Lysy-Wettbewerb sowohl den ersten Preis als auch den Publikumspreis gewonnen. Damit krönt sie eine intensive Zeit voller musikalischer Arbeit und bemerkenswerter Erfolge. Nach drei Wettbewerbssiegen in Folge spricht ...
Die junge Geigerin Sara Isabelle Ispas hat beim Internationalen Alberto-Lysy-Wettbewerb sowohl den ersten Preis als auch den Publikumspreis gewonnen. Damit krönt sie eine intensive Zeit voller musikalischer Arbeit und bemerkenswerter Erfolge. Nach drei Wettbewerbssiegen in Folge spricht die Künstlerin über ihre Emotionen auf der Bühne, die Herausforderungen des Musikerlebens und ihren Traum, eines Tages in den berühmtesten Konzertsälen der Welt aufzutreten.
IRINI PAPANDREOU
Musik ist für Sara Isabelle Ispas weit mehr als eine Leidenschaft. Sie ist eine Art zu leben, zu fühlen und sich auszudrücken. Mit aussergewöhnlicher musikalischer Sensibilität, beeindruckender Disziplin und dem ständigen Wunsch, sich weiterzuentwickeln, gelingt es der jungen Geigerin, jeden ihrer Auftritte zu einem besonderen Erlebnis zu machen.
Kürzlich gewann Sara Isabelle Ispas beim Internationalen Alberto-Lysy-Wettbewerb gemeinsam mit Zi Yang Low aus Malaysia den ersten Preis (siehe AvS vom Dienstag). Darüber hinaus wurde die Australierin mit dem Publikumspreis ausgezeichnet – einer Ehrung, die für sie eine ganz besondere Bedeutung hat. «Ich versuche immer noch zu begreifen, was gerade passiert ist. Ich denke an die vergangenen drei Tage zurück, an die Arbeit und die Energie, die ich in jede Wettbewerbsrunde investiert habe, um das Finale zu erreichen. Ich bin stolz darauf, dass ich durchgehalten habe, und unglaublich dankbar, dass sowohl die Jury als auch das Publikum meine Musik verstanden haben», erzählt die junge Künstlerin.
Einer der emotionalsten Momente des Wettbewerbs war für sie die Bekanntgabe des Publikumspreises. «Als ich meinen Namen zum ersten Mal hörte, wurde gerade der Publikumspreis verkündet. Diese Auszeichnung ist für mich genauso wichtig wie der erste Preis, denn sie bedeutet, dass das Publikum all das empfangen hat, was ich mit meiner Musik vermitteln wollte.»
Das musikalische Erbe von Alberto Lysy
Der Erfolg bei diesem Wettbewerb hat für Sara Isabelle Ispas eine besonders persönliche Bedeutung. Die junge Musikerin ist Absolventin der renommierten International Menuhin Music Academy, die vom grossen Geiger und Pädagogen Alberto Lysy gegründet wurde. Für Ispas ist der Gewinn des ersten Preises deshalb nicht nur eine musikalische Auszeichnung, sondern auch eine Bestätigung ihres künstlerischen Weges. «Ich versuche stets, alles, was ich an der Akademie gelernt habe, in meine Musik einfliessen zu lassen, jene musikalischen Werte, die Alberto Lysy seinen Studierenden vermittelt hat. Dass ich nun den ersten Preis bei einem Wettbewerb gewonnen habe, der seinen Namen trägt, gibt mir das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein und sein musikalisches Erbe auf meine eigene Weise weiterzuführen.» Vor ihren Auftritten hat die Geigerin ein kleines Ritual: Mindestens 30 Minuten bevor sie die Bühne betritt, zieht sie ihre Konzertkleidung an, um sich mental auf den Auftritt einzustimmen. Anschliessend spielt sie besonders schwierige Passagen noch einmal durch, damit sie mit einem sicheren Gefühl auf die Bühne gehen kann.
Vom singenden Mädchen zur international ausgezeichneten Geigerin
Sara Isabelle Ispas musikalische Geschichte begann bereits in frühester Kindheit. Schon mit vier Jahren sang sie beinahe ununterbrochen. Wenn ihre Eltern Musik hörten, sang sie mit und improvisierte eigene Melodien dazu. Ihr Vater versuchte damals, ihr das Geigenspiel beizubringen. Doch sie hatte bereits ganz eigene Vorstellungen davon, wie man dieses Instrument spielen sollte. «Wenn mein Vater mir etwas zeigen wollte, sagte ich: ‹Nein, Papa, so macht man das nicht! So macht man das!› Da wusste er, dass es wohl noch nicht der richtige Zeitpunkt war», erzählt sie lachend. Schliesslich begann Ispas im Alter von neun Jahren mit dem Geigenunterricht, zunächst lediglich als Hobby. Doch schon bald wurde die Geige zu einem unverzichtbaren Teil ihres Lebens. «Ich entdeckte, dass ich auch durch die Geige singen konnte, dass das Instrument zu meiner eigenen Stimme werden konnte. So habe ich mich schliesslich in die Geige verliebt.»
Auf ihrem musikalischen Weg wurde Ispas nicht nur von ihrer Familie unterstützt, sondern auch von bedeutenden Persönlichkeiten der klassischen Musik geprägt. Eine davon ist die international bekannte Geigerin Alena Baeva, die als erste Künstlerin ihr gegenüber zum Ausdruck brachte, dass sie an ihr Talent glaube und überzeugt sei, dass Sara der Musikwelt etwas Besonderes zu geben habe. Eine weitere wichtige Persönlichkeit war Gábor Takács-Nagy, ihr Kammermusikprofessor an der Akademie. «Er hat mich unglaublich inspiriert und unterstützt. Er ermutigte mich, mir selbst treu zu bleiben und meine eigene musikalische Stimme zu entdecken», erinnert sich die Musikerin.
Mehr als technische Perfektion
Für Sara Isabelle Ispas geht Musik weit über technische Perfektion und eine korrekte Interpretation hinaus. «Wenn ich Geige spiele, verbinde ich mich sofort mit dem Klang meines Instruments. Ich spüre seine Schwingungen in meinen Fingern und an meinem Kinn. Das hilft mir, ganz im Moment und in der Musik zu bleiben. Irgendwie verbindet sich der Klang meiner Geige direkt mit meinem Herzen.»
In letzter Zeit erlebt die junge Künstlerin auf der Bühne immer häufiger besondere musikalische Momente, die sich während der Proben nicht vorhersehen lassen. «Manchmal entstehen plötzlich neue Klangfarben oder musikalische Freiheiten, die ich nie geprobt habe. Solche Momente gibt es nur im Konzert. Ich beginne, sie wirklich zu geniessen, denn sie machen meine Musik noch lebendiger.»
Obwohl sie ein vielseitiges Repertoire spielt, hat Ispas kein bestimmtes Lieblingswerk. «Ich versuche, jedes Stück, das ich spiele, zu meinem Lieblingsstück zu machen. Ich möchte eine persönliche Verbindung zu jeder Komposition aufbauen und sie zu meiner eigenen machen.»
Vier bis fünf Stunden täglich Üben
Hinter den Erfolgen auf der Bühne stehen jahrelange Arbeit, Disziplin und zahlreiche persönliche Opfer. Sara übt durchschnittlich vier bis fünf Stunden täglich Geige. Je nach Stundenplan, Orchesterproben, Kammermusikprojekten und Verpflichtungen ihres Masterstudiums kann diese Zeit jedoch variieren.
Auf den Alberto-Lysy-Wettbewerb bereitete sie sich mehrere Monate lang intensiv vor. Während dieser Zeit nahm sie zusätzlich an zwei weiteren Wettbewerben teil, bei denen sie ebenfalls jeweils den ersten Preis gewann. Damit wurde der Erfolg beim Alberto-Lysy-Wettbewerb zu ihrem dritten Wettbewerbssieg in Folge. «All die Arbeit und die Erfahrungen, die ich während dieser Zeit gesammelt habe, haben meiner Vorbereitung eine neue Tiefe gegeben. Alles hat schliesslich beim Alberto-Lysy-Wettbewerb seinen Höhepunkt gefunden. Es war ein wunderbarer Abschluss meines Sommers, und ich bin unglaublich glücklich darüber, wie alles verlaufen ist.»
Das Leben einer professionellen Musikerin verlangt jedoch auch zahlreiche Entbehrungen. Treffen mit Freunden müssen manchmal zugunsten des Übens abgesagt werden. Wochenenden werden zu intensiven Arbeitsphasen, und selbst die Ferien dienen häufig dazu, möglichst viele Konzerte zu organisieren. «Natürlich gibt es viele Opfer, die man als Musikerin bringen muss. Aber das ist das Leben, für das wir uns entschieden haben, und es ist gleichzeitig unglaublich spannend. Uns wird eigentlich nie langweilig!», sagt die Musikerin aus Australien. Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu, dass es noch ein weiteres, eher kleines Opfer gebe: Als Geigerin könne sie niemals lange Fingernägel tragen oder sich eine aufwendige Maniküre gönnen.
Familie als unverzichtbare Stütze
Neben ihren Lehrpersonen und musikalischen Erfahrungen spielt Ispas Familie eine zentrale Rolle in ihrer Entwicklung. Ihre Eltern haben sie stets unterstützt und ermutigt, obwohl sie ursprünglich nicht damit gerechnet hatten, dass ihre Tochter einmal eine professionelle Musikkarriere einschlagen würde. Besonders ihre Mutter unterstützt sie bei organisatorischen Aufgaben und hilft ihr dabei, den Stress des Alltags zu reduzieren, damit Sara sich möglichst intensiv auf das Üben konzentrieren kann. Auch ihr Partner spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. «Er hat mich unglaublich unterstützt und mir geholfen, mehr Selbstvertrauen und innere Stärke zu entwickeln.»
Der Traum von den grossen Konzertbühnen
Nach drei ersten Preisen in Folge blickt Sara Isabelle Ispas voller Zuversicht in die Zukunft. Ihr grösster Wunsch ist es, sich eine Karriere als Solistin und Kammermusikerin aufzubauen, in möglichst vielen Ländern Konzerte zu geben und durch die Musik neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. «Ich würde sehr gerne meinen Lebensunterhalt als Solistin und Kammermusikerin verdienen. Das ist es, was mir am meisten Freude bereitet. Ich möchte in viele verschiedene Länder reisen, Konzerte spielen, neue Orte entdecken und Menschen aus aller Welt kennenlernen.»
Zu den berühmten Konzertsälen, in denen sie eines Tages auftreten möchte, gehören das Rumänische Athenäum in Bukarest, das Sydney Opera House in Australien und die Royal Albert Hall in London. Nach einer intensiven Wettbewerbsphase plant die junge Geigerin nun, vorerst eine Pause von Wettbewerben einzulegen und sich auf die Erarbeitung eines neuen Repertoires zu konzentrieren. Dank ihrer drei aufeinanderfolgenden Siege stehen im kommenden Jahr bereits zahlreiche Konzerte in Aussicht, auf die sie sich sorgfältig vorbereiten möchte.
Erfolg dank Selbstvertrauen
Auf die Frage, was ihre Geige wohl über sie sagen würde, wenn sie sprechen könnte, antwortet sie mit bemerkenswerter Offenheit: «Sie würde mir wahrscheinlich sagen, dass ich mehr an mich selbst glauben sollte. Denn jedes Mal, wenn ich das tue, gelingt alles viel besser.» Und wenn sie ihren jüngsten Wettbewerbssieg mit einer einzigen musikalischen Note beschreiben müsste? Ihre Antwort ist ebenso überraschend wie poetisch: «Vielleicht die letzte Note aus Tschaikowskys Violinkonzert.»
Eine Note, die ein grossartiges musikalisches Werk abschliesst und für Sara Isabelle Ispas zugleich den Beginn eines neuen künstlerischen Kapitels symbolisieren könnte. Für die junge Geigerin sind die drei ersten Preise in Folge weit mehr als eine Bestätigung ihres Talents und ihrer harten Arbeit. Sie zeigen, dass Leidenschaft, Ausdauer und Authentizität einen Kindheitstraum in eine vielversprechende musikalische Laufbahn verwandeln können. Und vielleicht bleibt der wichtigste Preis jener, den sie nach eigenen Worten bereits gewonnen hat: die Herzen des Publikums.

