Schatzsuche oder Skirennen?
01.05.2026 SportZwischen spektakulärer Schatzsuche und sportlichem Wettkampf trafen sich in Obertauern rund 100 Bergführerinnen und Bergführer zu den internationalen Skimeisterschaften. Mit dabei war auch eine Delegation aus dem Saanenland, die sich in einem starken Teilnehmerfeld mehrere ...
Zwischen spektakulärer Schatzsuche und sportlichem Wettkampf trafen sich in Obertauern rund 100 Bergführerinnen und Bergführer zu den internationalen Skimeisterschaften. Mit dabei war auch eine Delegation aus dem Saanenland, die sich in einem starken Teilnehmerfeld mehrere Podestplätze sicherte. Doch die grosse Aufmerksamkeit galt einem ganz anderen Ereignis.
Obertauern liegt ca. 80 km südöstlich von Salzburg und eine Dreiviertelstunde mit dem Auto von Schladming entfernt. Das Touristendorf ist in einen Passübergang auf 1700m eingebettet. Fährt man von dort weiter Richtung Süden, erreicht man in gut einer Stunde Spittal und weiter Villach und Klagenfurt in Kärnten an der slowenischen Grenze.
Im Ort Obertauern leben ca. 300 Einwohner das ganze Jahr über, und während der Winterhochsaison sind alle 10’000 Hotelbetten besetzt. Als wir am 16. April im Hotel ankamen, wurden wir herzlich zur alljährlich stattfindenden Schatzsuche empfangen. Wir mussten bald einmal konstatieren, dass die traditionelle Schatzsuche, welche in ganz Österreich bekannt ist und 1500 begeisterte, potenzielle BMW-Neulenker anlockt, weitaus wichtiger ist als unsere internationalen Skimeisterschaften der Bergführer.
50 versteckte Kisten neben sportlichen Bergführern
Für die Schatzsuche werden im Herbst vor dem ersten Schneefall 50 Kisten mit mehr oder weniger wertvollem Inhalt im untersten Teil der Gamskogl-Piste deponiert. Dann kommt den ganzen Winter über natürlicher und Kunstschnee darauf, es wird während fünf Monaten darüber Ski gefahren, und am Tag X in der zweiten Aprilhälfte erhalten alle angemeldeten Schatzsucher eine kleine Schaufel – dann wird umgestochen… Irgendeine glückliche Person findet den Hauptpreis und darf mit einem nigelnagelneuen BMW nach Hause fahren! Die «kaiserschmarrnsche» Idee, Ende Saison mit 1500 Schatzsuchenden noch 3000 Hotelübernachtungen zu generieren, könnte unsere Touristiker zur Nachahmung animieren.
Wie weiter oben erwähnt, trafen sich aber nebenbei in Obertauern auch noch eine Hundertschaft Bergführerinnen und Bergführer aus dem ganzen Alpenraum, viele mit Begleitung, um an den IVBV-Skimeisterschaften teilzunehmen. Weil der Anlass leider eine Woche früher als üblich angesetzt war, konnten einige unserer Vereinskollegen dieses Jahr nicht daran teilnehmen, da sie an diesen Tagen bereits mit Kunden verabredet waren. So zählte unsere Delegation vom Bergführerverein Gstaad-Lenk dieses Jahr nur 14 Personen.
Die Gundersen-Methode
Am Freitag standen von einheimischen Bergführern begleitete Skitouren oder Freeriden auf dem Programm, und am Samstagmorgen fand der Riesenslalom statt, mit anschliessendem Aufstiegsrennen im Gundersen-Modus. Die Gundersen-Methode ist ein Wertungssystem in der nordischen Kombination, das Sprungpunkte in Zeitabstände für das Langlaufrennen umrechnet. Diese Methode kann somit auch für die Kombination Riesenslalom/Aufstiegsrennen angewendet werden: Der Sieger des Riesenslaloms startet als Erster, gefolgt von den anderen Bergführerinnen und Bergführern basierend auf ihrem Rückstand. Die erste Person, welche die Ziellinie nach ca. 450 Höhenmetern überquert, gewinnt die Kombination, was für hohe Spannung und Transparenz sorgt.
Drei Podestplätze für Gstaad-Lenk
Beim Riesenslalom konnten wir drei Kategorien-Podestplätze herausfahren, wobei zu erwähnen ist, dass Ruth Oehrli ihrer Rolle als schnellste Gemeindepräsidentin von Mitteleuropa einmal mehr gerecht wurde. Gestartet wurde in 10-Jahres-Kategorien, wobei ich konstatieren darf, dass die Schweizer Skilehrer gnädiger mit Kategorienbezeichnungen umgehen als die österreichischen Bergführer… Beim Swiss Snow Happening hätte ich, wenn ich denn gestartet wäre, in der Kategorie Ü70 starten dürfen, während ich mich hier in Obertauern in der Gruppe U80 wiederfand. Und da Wolfgang Russegger als Präsident des Salzburger Bergsportführer-Verbandes wusste, dass unser IVBV-Ehrenmitglied nicht weiss, dass man beim Skifahren Handschuhe tragen kann, hat er extra für Armin Oehrli gepolsterte Torstangen organisiert – Danke Wolfi!
In der Kombination Riesenslalom/Aufstiegsrennen gab es für uns dieses Jahr nur einen Podestplatz, und wenn – wie sonst üblich – auch eine Mannschaftswertung gemacht worden wäre, hätten wir total fünf Podestplätze erreicht.
Wir freuen uns auf die IVBV-Klettermeisterschaften im November in Berchtesgaden!
BERGFÜHRERVEREIN GSTAAD-LENK, UELI HAUSWIRTH






