Scherenschnitt Schweiz: bald 40 Jahre alt und immer noch sehr kreativ

  14.05.2024 Kultur

Für seine Generalversammlung hat Scherenschnitt Schweiz diesmal den Ort Affoltern im Emmental ausgewählt. In der Schaukäserei trafen sich am Samstag, 4. Mai über 40 Mitglieder.

Einige liessen es sich nicht nehmen, ihr Zuhause schon in den frühen Morgenstunden zu verlassen, um bei diesem Wiedersehen die neuesten Nachrichten austauschen und über aktuelle Themen sprechen zu können. Aus allen Ecken des Landes kamen hier Scherenschnittkünstler:innen, Scherenschnittfans und leidenschaftliche Sammelnde zusammen: Basel, Aargau, Zürich, Thurgau, St. Gallen, Glarus, Waadt, Wallis, Freiburg, Solothurn, Bern … Man konnte sich nach Herzenslust an den kunterbunten Klängen der unterschiedlichen Dialekte erfreuen.

Neben dem Jahresbericht 2023, der Jahresrechnung 2023 und dem Budget 2025, die alle drei einstimmig angenommen wurden, standen auch Themen auf der Traktandenliste, die sich speziell auf unsere Traditionen beziehen. Die Kunst des Scherenschnitts gehört zu den anerkannten lebendigen Traditionen unseres Landes und heute stehen wir mehr denn je vor der Herausforderung, uns für die Weitergabe dieser Kunst an die nächsten Generationen einzusetzen. In einer Zeit, in der Social Media die Jugend beschäftigt und virtuelle Gemeinschaften schafft, in der sich alles zu beschleunigen und das Wesentliche zugunsten von Rentabilität oder Sinnlosem verloren zu gehen scheint, ist es wichtig, Wege zu finden, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Unter den anwesenden Mitgliedern fand ein reger Austausch statt. Sie stimmten dem vorgesehenen Budget zu, damit der Verein seine Präsenz in den Social-Media-Kanälen, insbesondere bei Instagram, ausbauen kann. Dies soll mit Hilfe einer jungen Expertin geschehen, die sich in diesem Bereich gut auskennt. Sie stimmten auch der Idee eines «Konformitätskennzeichens für traditionelle Scherenschnitte» zu, das gezielt denjenigen Künstler:innen Anerkennung verschaffen soll, die ihre Werke auf eine bestimmte Art und Weise schaffen und bearbeiten: «Gezeichnet, von Hand ausgeschnitten, geklebt». Das neue Kennzeichen soll den nach diesen Regeln entstandenen Werken durch die Kunstschaffenden selbst vergeben werden. Nun müssen nur noch die Modalitäten festgelegt werden. Die Fortsetzung folgt also.

Die verschiedenen Gespräche fanden unter der Leitung von Monique Buri auf Deutsch und Französisch statt. Die Waadtländerin wurde nach dem Rücktritt von Philipp Kuntze im Oktober letzten Jahres zur Interimspräsidentin ernannt. Sie freut sich, den Verein gemeinsam mit ihren Vorstandskolleg:innen Katharina Cuthbertson, Erika Hager, Moreno Bottesi, Hans-Jürgen Glatz, René Jaggi und Marc Schweizer in die Zukunft zu führen.

Der Verein wurde 1986 gegründet und plant nun sein 40-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass sieht er eine Ausstellung von Dezember 2025 bis April 2026 im Museum des Pays-d’Enhaut und im Schweizer Scherenschnittzentrum in Château-d’Oex vor, die allen Mitgliedern offensteht. Der Verein ist wie eine grosse Familie, die gerne regelmässig zusammenkommt. Er fördert die Aktivitäten des einen oder anderen und vermittelt Wissen über die Geschichte des Scherenschnitts. Hierfür nutzt er auch die Zeitschrift «Schnittpunkt». Ausserdem ist er auch bei diversen Veranstaltungen präsent, etwa beim Eidgenössischen Trachtenfest Ende Juni in Zürich oder bei den Scherenschnitt-Tagen Anfang Juli in Châteaud’Oex. Vor allem lebt er jedoch von jedem einzelnen seiner Mitglieder, die in ihrer jeweiligen Region Kontakte pflegen, über ihre Kunst sprechen und Einführungskurse geben.

Am Nachmittag des Versammlungstages machten sich alle Teilnehmer:innen schliesslich zufrieden auf den Heimweg, nicht ohne vorher ein typisches, kräftiges Emmentaler Mahl genossen zu haben.

VORSTAND SCHERENSCHNITT SCHWEIZ, MONIQUE BURI

www.scherenschnitt.ch


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