JONATHAN SCHOPFER
«Ach, jetzt nicht krank werden», sagte ich mir in den diesjährigen Ferien in Jesolo, Italien, während ich einen Espresso am Strand trank und dabei immer wieder ins Nastuch schnäuzen musste, da ich den Schnuderi des Jahrhunderts hatte. So hat wahrscheinlich auch mein ...
JONATHAN SCHOPFER
«Ach, jetzt nicht krank werden», sagte ich mir in den diesjährigen Ferien in Jesolo, Italien, während ich einen Espresso am Strand trank und dabei immer wieder ins Nastuch schnäuzen musste, da ich den Schnuderi des Jahrhunderts hatte. So hat wahrscheinlich auch mein Immunsystem die Koffer gepackt und ist ins Blaue gefahren – «Znüni näh» anstatt einer Immunantwort. Sonst ist ja mein Abwehrsystem top, wie ein Schäferhund, aber nun halt zu einem untrainierten Dackel mit Rückenproblemen geworden. So werden fröhlich die Influenzaviren, die E.-coli-Bakterien oder die Salmonellen durchgewinkt.
Dass Menschen ausgerechnet in den Ferien krank werden, habe ich schon von anderen gehört. Das hat sogar einen Namen: Laut Universitätsspital Zürich heisst dieses Phänomen «Leisure Sickness», also Freizeitkrankheit. Dabei wird man in den Ferien oder am Wochenende krank. Wieso das so ist, habe man noch nicht ganz aufgeklärt. Man nimmt an, dass Faktoren wie stressvolle Tage und die darauffolgende ruhige Ferienzeit eine Rolle spielen könnten: «Während belastender Phasen schüttet der Körper vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus. Diese helfen, leistungsfähig zu bleiben und können Entzündungsreaktionen vorübergehend unterdrücken.» Weiter schreiben sie, dass Magen-Darm-Probleme oder Erkältungssymptome erstmals deutlich in Erscheinung treten könnten, wenn der Hormonspiegel nach einer intensiven Stressphase rasch absinke.
Jetzt habe ich zu mir gesagt: Man kann sich ja in den Ferien einfach ein wenig selber stressen, damit das nicht passiert! Ein wenig am Morgen kalt duschen, beim Besuch des Schiefen Turms von Pisa einen 100-Meter-Sprint einlegen oder halt das Parteiprogramm der gegnerischen Partei – anstatt einer Ferienlektüre – lesen, sodass es einem den Puls bis zum Trommelfell hinaufjagt.
Aber das Universitätsspital Zürich empfiehlt das nicht, sondern, dass man Erholung nicht ausschliesslich auf das Wochenende oder die Ferien verschiebe. «Regelmässige Pausen, ausreichend Schlaf und gesundheitsfördernde Routinen unterstützen das Immunsystem.»
Ob das bei mir helfen würde? Wahrscheinlich war nämlich schlicht menschliches Versagen der Auslöser: Ich hätte in den Ferien einfach nicht unter der Klimaanlage einschlafen sollen.
jonathan.schopfer@anzeigervonsaanen.ch