Schweiz erwärmt sich schneller als globaler Durchschnitt
30.06.2026 SchweizSwiss Re, die Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft, fokussierte sich vergangene Woche an ihrem jährlichen Schweizer Resilienz-Tag auf das Thema Hitze.
Die Schweiz wird immer häufiger von Hitzeperioden betroffen. Laut Daten von MeteoSchweiz gab es 1990 ...
Swiss Re, die Schweizerische Rückversicherungsgesellschaft, fokussierte sich vergangene Woche an ihrem jährlichen Schweizer Resilienz-Tag auf das Thema Hitze.
Die Schweiz wird immer häufiger von Hitzeperioden betroffen. Laut Daten von MeteoSchweiz gab es 1990 durchschnittlich fünf Hitzetage mit mindestens 30 Grad pro Jahr, heute sind es bereits 10 bis 15. Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte sich diese Zahl gemäss Klimaszenarien von MeteoSchweiz und der ETH Zürich auf 20 bis 30 Hitzetage jährlich erhöhen.
Hitze verursacht mehr Todesfälle als andere Naturgefahren
Gemäss Swiss Re erwärmt sich die Schweiz zudem schneller als der globale Durchschnitt. Zwischen 2015 und 2024 lag die Durchschnittstemperatur hierzulande bereits 2,8 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Weltweit beträgt der Anstieg 1,2 Grad. Erich Fischer, Klimaforscher an der ETH Zürich, sagte gegenüber SRF, die Hitze sei das am meisten unterschätzte Risiko des Klimawandels. «Auch in der Schweiz verursacht die Hitze die meisten Todesfälle, viel mehr als Hochwasser, Erdrutsche und so weiter. Trotzdem fehlt immer noch das Verständnis, wie gross die Auswirkungen von Hitze bei uns sind.»
Infrastruktur im öffentlichen Raum muss angepasst werden
Die Folgen der Hitze betreffen nicht nur die Gesundheit, sondern zunehmend auch die Infrastruktur. Hohe Temperaturen beschleunigen laut Swiss Re den Verschleiss von Strassen, Brücken, Wasserleitungen und Bahnstrecken, die ursprünglich nicht für ein deutlich wärmeres Klima ausgelegt wurden. Gleichzeitig steigt der Strombedarf für Kühlung, während die Effizienz der Stromerzeugung und Stromübertragung abnimmt.
Die zunehmende Hitze stellt auch Städte und Gemeinden vor neue Herausforderungen. Schulen, öffentliche Plätze und andere Infrastrukturen wurden vielfach für ein deutlich kühleres Klima geplant. Fachleute fordern deshalb, die Anpassung an Hitze bei Neubauten und Sanierungen stärker zu berücksichtigen. Dazu gehören mehr Bäume und Grünflächen, entsiegelte Böden sowie begrünte Dächer und Fassaden. Auch sogenannte Schwammstadt-Konzepte gewinnen an Bedeutung. Dabei wird Regenwasser nicht möglichst rasch abgeleitet, sondern vor Ort gespeichert und versickert. Das kühlt die Umgebung an Hitzetagen und entlastet gleichzeitig die Kanalisation bei Starkregen. Laut dem Swiss Re Institute müssen solche Massnahmen künftig vermehrt in Bauvorschriften, Raumplanung und Infrastrukturprojekte einfliessen.
Klimaziele weiterverfolgen, infrastrukturell Prävention bieten
Gegenüber SRF sagte Gianfranco Lot, Schweiz-Chef des Rückversicherers Swiss Re, Hitze komme zwar nicht plötzlich, verstärke aber andere Gefahren wie Hagel, Fluten oder Dürren. Damit steigen auch die möglichen Kosten. Gleichzeitig weisen Fachleute darauf hin, dass Anpassung allein nicht genügt. Bäume können eine heisse Stadt erträglicher machen, aber sie machen sie nicht kühl. Deshalb müsse die Schweiz ihre Klimaziele weiterverfolgen und zugleich Strassen, Plätze und Gebäude vorsorglich auf eine deutlich wärmere Zukunft ausrichten.
JOP
