«Soldat Vögeli»: vom Lätzgüetli zur Theaterkulisse
21.07.2026 KulturBevor am 31. Juli die Premiere des Freilichttheaters «Soldat Vögeli» stattfinden kann, leisten viele Menschen ihren Beitrag hinter den Kulissen. Sie stellen Land, Gebäude und Infrastruktur zur Verfügung oder sorgen dafür, dass das Publikum auch kulinarisch auf seine Kosten kommt. Der ...
Bevor am 31. Juli die Premiere des Freilichttheaters «Soldat Vögeli» stattfinden kann, leisten viele Menschen ihren Beitrag hinter den Kulissen. Sie stellen Land, Gebäude und Infrastruktur zur Verfügung oder sorgen dafür, dass das Publikum auch kulinarisch auf seine Kosten kommt. Der «Anzeiger von Saanen» hat mit ihnen gesprochen.
Der ideale Spielort
Eine Wiese, eine Scheune und ein ehemaliges Skiliftgebäude bilden die Grundlage für das Freilichttheater «Soldat Vögeli». Möglich wird dies, weil mehrere Beteiligte dem Theaterverein unkompliziert ihre Unterstützung zusagten.
MAXIME VÖGELE
Auf einem Spaziergang entdeckte Regisseurin Ruth Domke das Lätzgüetli als möglichen Spielort für das Freilichttheater «Soldat Vögeli». Auf den ersten Blick ist der Ort unscheinbar. Doch er bringt vieles mit, was für einen Freilichttheaterbetrieb nötig ist: Strom und Wasser sind vorhanden, Parkplätze liegen in unmittelbarer Nähe und die bestehenden Gebäude bieten ideale Voraussetzungen – sowohl für die Theaterkulisse als auch für die Gastronomie.
«Ein Zelt aufstellen kann man immer», sagt Vereinspräsident Jürg Domke. Viel schöner sei es jedoch, wenn sich die Theaterbeiz in einer bestehenden Scheune unterbringen lasse, die zudem zur Zeit passe, in der das Stück spielt.
Viele offene Türen
Bis das Lätzgüetli tatsächlich zum Spielort werden konnte, brauchte der Freilichttheaterverein die Zustimmung von mehreren Parteien: von den Landbesitzern Ueli und Lisi Hauswirth sowie von Christian von Siebenthal, dem Pächter Viktor Sulliger und der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG). Während die Einwilligungen von Hauswirths und Sulliger die Nutzung von Land und Scheune ermöglichten, stellt Christian von Siebenthal das Land für die Zuschauertribüne zur Verfügung. Die BDG stellt zudem das ehemalige Skiliftgebäude sowie den Kiesparkplatz zur Verfügung. Stellvertretend für die Beteiligten sprach der «Anzeiger von Saanen» mit Pächter Viktor Sulliger, den Landbesitzern Ueli und Lisi Hauswirth sowie Gerhard Marti von der BDG.
Überzeugungsarbeit war dabei kaum nötig. Sowohl Hauswirths als auch Viktor Sulliger und die BDG sagten auf die Anfrage rasch zu. «Wir mussten nicht lange überlegen», sagen Ueli und Lisi Hauswirth. Auch Sulliger erinnert sich an seine erste Reaktion: «Das sei doch kein Problem», antwortete er auf die Anfrage des Freilichttheatervereins. Für die Nutzung von Land, Gebäuden und Infrastruktur verlangen die Beteiligten keine Entschädigung. Das Freilichttheater soll davon profitieren – nicht sie.
Requisiten mit Geschichte
Die Unterstützung beschränkt sich nicht nur auf die Zurverfügungstellung von Land und Gebäuden. Ueli und Lisi Hauswirth steuerten auch Requisiten aus ihrem Fundus bei – «alten Grümpel», wie Lisi Hauswirth lachend sagt. Da die Geschichte während des Zweiten Weltkriegs spielt, waren genau solche Gegenstände gefragt. Ein alter Brunnentrog oder eine Heugabel aus vergangenen Zeiten finden nun ihren Platz im Theater. «In diesem Fall kann man neue Dinge ja nicht gebrauchen», meint Ueli Hauswirth.
Kaum Einschränkungen
Seit der Pensionierung von Lisi und Ueli Hauswirth im Jahr 2019 bewirtschaftet Viktor Sulliger das Land als Pächter. Für seinen Betrieb hat das Theater nur geringe Auswirkungen. Während der Vorbereitungs- und Aufführungszeit befindet sich sein Vieh ohnehin auf der Alp. Lediglich eine Ecke des Landes wird für das Theater beansprucht und kann nicht gemäht werden. «Deswegen habe ich nicht zu wenig Futter für die Kühe im Winter», sagt Sulliger gelassen. Abgesehen davon könne der Theaterverein und seine Helfenden Gelände und Gebäude nach ihren Bedürfnissen nutzen. Voraussetzung sei einzig, dass am Ende wieder alles so hinterlassen werde, wie es vorgefunden wurde.
Vom Skilift zum Pfarrhaus
Auch das ehemalige Skiliftgebäude erhält während der Aufführungen eine neue Aufgabe. Das Gebäude, das die BDG heute hauptsächlich als Materiallager nutzt, wird während der Aufführungen zum Backstagebereich für Schauspielerinnen und Schauspieler. Mit einer eigens errichteten Hausfassade verwandelt es sich im Stück in das Pfarrhaus. «Ich muss sagen: Das Ergebnis ist phänomenal geworden», meint Gerhard Marti von der BDG. Für die Bergbahnen sei rasch klar gewesen, das Projekt zu unterstützen. «Es ist eine gute Sache, die sie auf die Beine stellen.»
Rückhalt
Die unkomplizierte Zusammenarbeit zog sich durch das gesamte Projekt. «Das braucht es doch, dass jemand so etwas macht», sagt Viktor Sulliger. Auch Ueli und Lisi Hauswirth sind gespannt auf das Ergebnis. «Wenn es nicht gerade hagelt, gehen wir an die Premiere», sagt Lisi Hauswirth schmunzelnd. Nach Monaten der Vorbereitung hoffen nun alle Beteiligten, dass das Wetter mitspielt – und das Lätzgüetli für einige Wochen zur passenden Kulisse für «Soldat Vögeli» wird.
Mit der Unterstützung aller Beteiligten sind die Voraussetzungen geschaffen worden. Nun gilt es, aus Scheune und Umgebung eine funktionierende Theaterbeiz und Infrastruktur entstehen zu lassen.
Von der Scheune zur Theaterbeiz
Damit auf dem Lätzgüetli nicht nur Theater gespielt, sondern auch gegessen werden kann, braucht es monatelange Planung. Marcel Burri und sein Team verwandeln eine Scheune in eine Theaterbeiz – und sorgen dafür, dass hinter den Kulissen alles funktioniert.
MAXIME VÖGELE
Damit das Freilichttheater auch kulinarisch zum Erlebnis wird, zieht Marcel Burri im Hintergrund die Fäden. Gemeinsam mit Heinz Oehrli und Peter Wyss verantwortet er die Gastronomie des Freilichttheaters. Unterstützt wird das Trio dabei von freiwilligen Helferinnen und Helfern.
Die drei sind ein eingespieltes Team. Bereits beim Freilichttheater «Der Castellan» vor zwei Jahren waren sie für die Gastronomie verantwortlich. «Wahrscheinlich lief es nicht so schlecht, dass sie froh waren, dass wir wieder zugesagt haben», sagt Burri schmunzelnd.
Grundlagen
Bevor überhaupt an das Menü gedacht werden kann, müssen zuerst die Grundlagen geschaffen werden: «Du kommst auf einen Platz. Da hast du einfach eine Scheune und dann mach mal.»
Woher kommen Strom und Wasser? Wo wird gekocht? Wie lassen sich Küche, Buffet und Sitzplätze unterbringen? Auch Sicherheits-, Hygiene- und Abfallkonzepte müssen frühzeitig erstellt werden, damit der Anlass bewilligt werden kann. «Für einen Gastronomiebetrieb reicht ein Gartenschlauch eben nicht», sagt Burri. Für die Trinkwasserversorgung gelten strenge Hygienevorschriften.
Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann das Menü endgültig festgelegt werden. Es orientiert sich an der Zeit, in der die Geschichte spielt, muss sich aber gleichzeitig mit der vorhandenen Infrastruktur umsetzen lassen.
Militärküche als Inspiration
Die Inspiration fanden Burri, Oehrli und Wyss in ihrer eigenen Militärzeit. Hörnli und Ghackets oder Käseschnitten passen nicht nur zur Epoche des Stücks, sondern lassen sich unter den gegebenen Bedingungen auch gut zubereiten.
Nicht jede Idee schaffte es jedoch auf die Speisekarte. Auch ein Pot-au-feu stand zur Diskussion. «Ein wunderbares Gericht», findet Burri. Für einen Theaterabend im August sei es jedoch zu schwer und unter den vorhandenen Bedingungen nicht praktikabel.
Trotz der Anlehnung an die Militärküche werden die Rezepte zeitgemäss interpretiert. «Im Militär haben wir die Käseschnitten noch im Ölbad zubereitet, damit sie mit Kalorien aufgeladen werden», sagt Burri lachend. Für die Theaterbeiz kommt stattdessen eine modernere Variante aus dem Ofen auf den Teller.
Steht die Speisekarte, geht es an die Beschaffung der Zutaten und der nötigen Infrastruktur.
Regional vernetzt
Wo immer möglich, bezieht Burri Lebensmittel und Material aus der Region. Die Käsemischung stammt von der Molkerei Schönried, Fleisch und Würste von der Buure Metzg. Für ihn zahlt sich diese Zusammenarbeit immer wieder aus. Die Lieferanten helfen nicht nur mit ihren Produkten aus. «Der Metzger bringt mir auch mal einen Grill mit Gas am Sonntag, wenn ich ihn brauche», sagt Burri.
Wie wertvoll dieses Netzwerk ist, zeigte sich auch bei der Suche nach einer Lösung für den Abwasch. Weil auf dem Gelände keine Spülküche vorhanden ist, stellte sich die Frage, wie die Gläser gereinigt werden sollen. Die Lösung fand Burri bei seinem Getränkelieferanten, der ihm seine Gläserspülmaschine zur Verfügung stellt. «So habe ich eine super Lösung gefunden», sagt Burri, «Es ist schön, wenn man mit den lokalen Lieferanten zusammenarbeiten kann.»
Joker
Wenn die ersten Gäste eintreffen, übernimmt Burri seine wichtigste Rolle. Während Heinz Oehrli und Peter Wyss mehrheitlich in der Küche zu finden sein werden, wird Burri kaum lange an einem Ort anzutreffen sein. Er bezeichnet sich selbst schmunzelnd als «Mädchen für alles». Wo gerade Unterstützung benötigt wird, springt er ein – sei es in der Küche, beim Buffet, bei der Infrastruktur oder am späteren Abend bei der Verpflegung der Schauspieler:innen.
Seine Arbeitstage werden jeweils bereits am frühen Nachmittag beginnen. Bis die letzten Gäste verabschiedet, die Küche aufgeräumt und alles für den nächsten Abend vorbereitet ist, dürfte es jeweils gegen Mitternacht werden. «Das gehört einfach dazu», sagt Burri.
Vorfreude steigt
Nach anderthalb Jahren Vorbereitung steigt nun die Spannung. «Es ist alles wie ein riesengrosses Puzzlespiel. Die Puzzleteile liegen alle auf dem Tisch. Und in der letzten Woche muss dann alles passen», sagt Burri. Vieles lasse sich planen, dennoch werde es Situationen geben, in denen improvisiert werden müsse.
Die Vorfreude bei Marcel Burri ist gross. «Ich freue mich auf das Gefühl und den Spirit, der in der Luft liegt», sagt Burri. Er freue sich darauf, viele bekannte Gesichter begrüssen und sich mit ihnen austauschen zu können. Gleichzeitig schätzt er den Einsatz des Freilichttheatervereins und der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer. «Sie machen das so leidenschaftlich. Es ist schon schön, ein Teil davon zu sein.»








