Starke Kinder, starke Grenzen
12.12.2024 RegionWie schütze ich meine persönlichen Grenzen? Und wie hole ich mir Hilfe, wenn etwas nicht stimmt? Der modernisierte Präventionsparcours «Mein Körper gehört mir» gibt Grundschulkindern im Saanenland eine spielerische Anleitung für viele wichtige ...
Wie schütze ich meine persönlichen Grenzen? Und wie hole ich mir Hilfe, wenn etwas nicht stimmt? Der modernisierte Präventionsparcours «Mein Körper gehört mir» gibt Grundschulkindern im Saanenland eine spielerische Anleitung für viele wichtige Fragen. Unter der Leitung der Schulsozialarbeit Saanen und der Kinder- und Jugendfachstelle Saanenland-Obersimmental (JUGA) nahmen zahlreiche Grundschulen des Saanenlands an diesem innovativen Projekt teil, das Kinder stärkt und sie auf ihrem Weg zur Selbstbestimmung begleitet.
ELISA OPPERMANN
Der neu überarbeitete Präventionsparcours «Mein Körper gehört mir» hatte kürzlich seinen ersten Auftritt im Saanenland. Unter der Leitung der Schulsozialarbeit Saanen und der Kinderund Jugendfachstelle Saanenland-Obersimmental (JUGA) wurde das Programm in die Schulen der Region gebracht. Die zentrale Botschaft: Kinder sollen lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und im Notfall Hilfe zu holen. Der Parcours «Mein Körper gehört mir» richtet sich an Kinder der zweiten bis vierten Klassenstufe und kombiniert anschauliche, interaktive Stationen mit einer sensiblen Herangehensweise. Figuren mit unterschiedlichsten Hintergründen begleiten die Kinder auf ihrer Reise durch den Parcours. An einer Station markieren die Kinder mithilfe von Stickern, wo sie gerne oder ungern berührt werden und von wem oder wem nicht, um die Bedeutung von Grenzen spielerisch zu verstehen. Eine weitere Station fordert die Kinder auf, «Nein» zu sagen, sobald eine Geschichte unangenehm wird – eine praktische Übung, um das eigene Unwohlsein wahrzunehmen und zu äussern. «Der Parcours ist so gestaltet, dass er Kinder nicht überfordert, aber wichtige Kernbotschaften vermittelt», erklärt Lara Pichler, Leiterin der JUGA.
Transparenz und Zusammenarbeit
Für die Eltern und Lehrpersonen der teilnehmenden Kinder gibt es Informationsanlässe, die von der Opferhilfe Thun (Vista) geleitet werden. «Es ist wichtig, dass die Erwachsenen wissen, was ihre Kinder lernen, damit sie die Werte und Botschaften auch zu Hause stärken können», so Pichler. Dieses Jahr war es erstmals möglich, auch die Heilpädagogische Schule (HPS) einzubeziehen, was die Bedeutung von Inklusion im Saanenland unterstreicht. Die Arbeit mit Themen wie körperlicher Selbstbestimmung und Prävention ist nicht immer einfach. Insbesondere kulturelle und religiöse Unterschiede können Hürden darstellen. Doch die Schulsozialarbeit und die JUGA betonten die Neutralität und Einfühlsamkeit des Parcours. «Wir möchten keine Angst machen, sondern Vertrauen aufbauen und Kinder ermutigen», sagt Erika Hefti, eine der Verantwortlichen. Das Feedback sei durchweg positiv. Eltern, Lehrpersonen und Kinder selbst berichten von den wertvollen Lektionen, die sie aus dem Parcours mitnehmen. «Kinder erzählen oft, wie sie den Mut gefunden haben, sich klarer auszudrücken oder eine Grenze zu setzen», freut sich Pichler.
Nachhaltige Botschaften
Der Parcours, der von einer schweizweiten Organisation entwickelt wurde, kann von lokalen Institutionen wie der JUGA und der Schulsozialarbeit für einen begrenzten Zeitraum gemietet werden. Die Finanzierung ist allerdings eine Herausforderung. Hier ist die Unterstützung der Gemeinde entscheidend. «Wir brauchen nicht nur finanzielle Hilfe, sondern auch eine Gemeinschaft, die diese Botschaften unterstützt», appelliert Pichler. Freiwillige können sich ebenfalls bei anderen Projekten der JUGA einbringen, auch wenn für den Parcours spezielle Schulungen erforderlich sind. Langfristig möchte die JUGA und die Schulsozialarbeit sicherstellen, dass die Kinder die erlernten Fähigkeiten nicht vergessen. Der Parcours ist ein Schritt in die richtige Richtung, um Kinder zu stärken und sie auf ihrem Weg zur Selbstbestimmung zu begleiten.