Starker Bergsommer rückt Besucherlenkung in den Fokus
25.09.2026 TourismusDie Ferienregion Gstaad blickt auf einen starken Bergsommer 2026 zurück. Die Hotellogiernächte bewegen sich laut einer aktuellen Medienmitteilung von Gstaad Saanenland Tourismus weiterhin auf hohem Niveau. Gleichzeitig berichten zahlreiche Leistungspartner von höheren ...
Die Ferienregion Gstaad blickt auf einen starken Bergsommer 2026 zurück. Die Hotellogiernächte bewegen sich laut einer aktuellen Medienmitteilung von Gstaad Saanenland Tourismus weiterhin auf hohem Niveau. Gleichzeitig berichten zahlreiche Leistungspartner von höheren Besucherfrequenzen. Rund 70 Prozent der Hotellogiernächte entfallen auf Gäste aus der Schweiz. Mit der hohen Nachfrage rücken auch Fragen zur Besucherlenkung und zur Lebensqualität stärker in den Fokus.
Die Rückmeldungen der Leistungspartner zeichnen gemäss Gstaad Saanenland Tourismus ein differenziertes Bild. Während sich die Hotelübernachtungen auf hohem Niveau stabilisiert hätten, sei die wahrgenommene Besucherfrequenz vielerorts höher gewesen als im Vorjahr. Dies deute unter anderem auf eine stärkere Bedeutung von Tagesgästen sowie Gästen in Chalets und Ferienwohnungen hin. Hitzewellen in den Städten, steigende Temperaturen im Mittelmeerraum und die wachsende Nachfrage nach Sommercamps würden gleichzeitig die Attraktivität der Alpenregionen als sommerliche Rückzugs- und Erlebnisräume stärken. Internationale Unsicherheiten hätten sich bei einzelnen Leistungspartnern bemerkbar gemacht, insbesondere in gewissen asiatischen Märkten zu Beginn der Sommersaison. Die breite Gästestruktur mit einer starken Nachfrage aus der Schweiz, Europa und Nordamerika habe jedoch stabilisierend gewirkt.
«Wir blicken auf einen starken Bergsommer zurück. Gleichzeitig ist es uns wichtig, die Entwicklung mit Augenmass zu gestalten und sowohl die Bedürfnisse der Einheimischen als auch unserer Gäste im Blick zu behalten», wird Mediensprecherin Ariane Ludwig in der aktuellen Medienmitteilung zitiert. In den Sommermonaten Juli und August stehe nicht das Wachstum im Vordergrund, sondern die Sicherung von Qualität und Lebensraum. «Unsere Heimat ist ein kostbares Gut. Deshalb setzen wir unsere Kommunikationsmassnahmen bewusst dort ein, wo noch Potenzial besteht und wir Nachfrage gezielt lenken können.» Der Erfolg der Region entstehe durch das gemeinsame Wirken von Hotellerie, Bergbahnen, Veranstaltungen, Gewerbe, Landwirtschaft und weiteren Partnern. Ziel sei eine nachhaltige touristische Wertschöpfung im Einklang mit der Lebensqualität vor Ort.
Bergbahnen und Veranstaltungen mit hohen Frequenzen
Bei den Bergbahnen zeigt sich laut Medienmitteilung ein stabiles bis positives Bild. Die Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) erreichten von Mai bis August Frequenzen auf Vorjahresniveau. Nach einem wetterbedingt verhaltenen Saisonstart brachte insbesondere der Juli einen deutlichen Aufschwung. «Nach dem Schwung des ersten Magic-Pass-Jahres ist es erfreulich, dass sich die Ersteintritte auf diesem Niveau halten liessen», sagt BDG-Geschäftsführer Matthias In-Albon. Auch beim Wasserngrat sei der Magic Pass
deutlich spürbar gewesen. Glacier 3000 verzeichnete dagegen zwölf Prozent weniger Gäste als im Vorjahressommer. Das Unternehmen zieht dennoch eine positive Bilanz und verweist auf die Nachfrage aus Nordamerika und der Schweiz sowie auf seine Ganzjahresangebote. Als Herausforderungen nennt es den Klimawandel und die zunehmenden Unsicherheiten auf den internationalen Märkten.
Auch die grossen Sommerveranstaltungen verzeichneten hohe Besucherzahlen. Beim Swatch Beach Pro Gstaad waren über die fünf Turniertage 77 Prozent der Plätze auf dem Center-Court ausgelastet. Das EFG Swiss Open Gstaad steigerte seinen Ticketverkauf gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent und verzeichnete vier ausverkaufte Turniertage. Über die internationale TV-Ausstrahlung wurden nach Angaben von Gstaad Saanenland Tourismus rund sechs Millionen Zuschauer erreicht. 90 Prozent des Publikums vor Ort stammten aus der Schweiz. Das Menuhin Festival Gstaad blickt nach der ersten Saison unter Intendant Daniel Hope auf 52 Festivaltage mit mehr als 100 Konzerten und Veranstaltungen sowie knapp 27’000 Besucherinnen und Besuchern zurück. Zum Veranstaltungssommer gehörte auch der Hublot Polo Gold Cup Gstaad. Den traditionellen Abschluss des Bergsommers bilden die Gstaad Züglete mit den Alpabzügen sowie die Country Night Gstaad.
Wachstum soll gezielter gelenkt werden
Mit der starken Nachfrage treten nach Einschätzung von Gstaad Saanenland Tourismus auch die Herausforderungen deutlicher hervor. Genannt werden Verkehrsspitzen, hohe Frequenzen an einzelnen Orten und Tagen sowie steigende Erwartungen an Infrastruktur und Service. Hinzu kämen die Folgen des Klimawandels, die sich vom Gletscher über die Landwirtschaft bis zu den sommerlichen Besucherströmen bemerkbar machten.
«Der starke Sommer bestätigt die Attraktivität unserer Region. Gleichzeitig müssen wir Verkehrsplanung und Besucherlenkung so weiterentwickeln, dass wir Spitzen besser verteilen und die hohe Aufenthalts- und Lebensqualität für Gäste und Einheimische sichern», wird Tourismusdirektor Flurin Riedi in der Medienmitteilung zitiert. Es gehe darum, Potenziale gezielt zu nutzen, ohne die besonders stark nachgefragten Wochen zusätzlich zu belasten.
Die weitere Entwicklung des Sommertourismus soll deshalb gemäss Gstaad Saanenland Tourismus nicht allein an steigenden Frequenzen gemessen werden. Im Zentrum stehen entsprechend der gemeinsam formulierten Tourismusstrategie eine höhere Wertschöpfung, eine bessere zeitliche und räumliche Verteilung der Nachfrage sowie die Stärkung der Randzeiten. Gleichzeitig sollen die «Ruhemonate» April und November gewahrt werden. Der Bergsommer gewinne weiter an Bedeutung, hält die Tourismusorganisation fest. Damit wachse auch die Verantwortung, dessen Qualitäten langfristig zu erhalten.
PD/JOP
Stimmen aus der Ferienregion Gstaad:
Frédéric Delachaux
Geschäftsleitung & Verantwortlicher Marketing & Sales MOB:
Die Sommersaison 2026 verlief für die MOB insgesamt erfreulich. Rückgänge in einzelnen Fernmärkten konnten teilweise durch eine höhere Nachfrage aus der Schweiz, Europa und den USA kompensiert werden. Gleichzeitig beobachten wir, dass Gäste bewusster auf Preise achten, während authentische und gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbare Angebote stark gefragt bleiben. Für die Zukunft stehen die Weiterentwicklung des Reiseerlebnisses und die Bewältigung von Spitzenkapazitäten im Fokus.
Sonja Kurth
Koordinationsstelle Tourismus & Sport, Gemeinde Zweisimmen:
Das Freibad Zweisimmen blickt auf eine Rekordsaison zurück. Besonders erfreulich ist, dass immer mehr Besucher aus dem Greyerzerland, dem Pays-d’Enhaut und dem Niedersimmental die Badi entdecken. Gleichzeitig zeigt sich, dass Naherholungsangebote in den Bergen angesichts steigender Temperaturen weiter an Bedeutung gewinnen.
Bernhard Tschannen
CEO Glacier 3000:
Trotz eines anspruchsvollen internationalen Umfelds und leicht rückläufiger Gästezahlen gegenüber dem Vorjahr blicken wir auf eine solide Sommersaison zurück. Die Nachfrage aus Nordamerika und der Schweiz konnte Einbussen in einzelnen internationalen Märkten teilweise kompensieren. Die grössten Herausforderungen bleiben der Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Gletscher sowie geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten. Insgesamt bestätigt die Saison die breite und stabile Ausrichtung von Glacier 3000 als Ganzjahresdestination.
Ivo Paroni
Geschäftsführer Wasserngrat:
Immer mehr Menschen suchen in den Bergen Abkühlung, Ruhe und einen Ausgleich zum Alltag. Davon profitiert der Sommertourismus deutlich. Entscheidend wird sein, die Balance zwischen steigender Nachfrage und der hohen Qualität des Bergerlebnisses zu bewahren – denn genau diese Authentizität macht unsere Region aus.
Daniel Hope
Intendant Menuhin Festival Gstaad:
Nach meiner ersten Saison bin ich vor allem von der Neugier und Offenheit des Publikums begeistert. Gstaad und das Saanenland sind nicht einfach Kulisse für das Menuhin Festival, sondern Teil seiner Identität. In Zukunft möchte ich diese Verbindung weiter stärken und insbesondere die lokale Bevölkerung – von Schulkindern bis zu Erwachsenen – noch stärker in unser Festival einbeziehen.
Stefan von Grünigen
Mitglied der Geschäftsleitung Drogerie von Grünigen:
Besonders erfreulich waren die deutlich höheren Frequenzen im Juni und Juli sowie die zahlreichen Familien in der Destination. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Servicequalität. Sorgen bereitet uns, insbesondere mit Blick auf die kommende Wintersaison, die angespannte Verkehrssituation rund um Gstaad. Hier braucht es rasch gute Lösungen.
Christoph Romang
Eigentümer Schuhhaus Romang:
Die Sommersaison 2026 verlief für unsere Branche solide, auch wenn sie nicht ganz an das Vorjahr anknüpfen konnte. Aufgrund des geringen Wetterwechsels haben auch die Kunden weniger Schuhe gekauft. Nach einem verhaltenen Juni entwickelten sich die Frequenzen im Juli und August erfreulich. Beim Umsatz liegen wir dennoch leicht unter dem Vorjahresniveau.
David Perreten
Präsident Landwirtschaftliche Vereinigung Saanenland:
Die Trockenheit hat auch im Saanenland Spuren hinterlassen. Weniger Futter, knappe Wasserreserven und die Unsicherheit über künftige Wetterextreme stellen die Landwirtschaft vor grosse Herausforderungen. Anpassungsfähigkeit, Vorsorge und die Unterstützung regionaler Produkte gewinnen deshalb weiter an Bedeutung.
Ruedi Hählen
Co-Hüttenwart Grubenberghütte SAC:
Wir dürfen auf eine erfolgreiche Sommersaison zurückblicken. Die Wochenenden waren praktisch durchgehend ausgebucht, gleichzeitig ist der Trend zum Hütten- und Weitwandern ungebrochen. Auffällig ist auch, dass sich die Saison immer weiter in den Frühling und Herbst ausdehnt. Auch die Zahl der Tagesgäste steigt erfreulich. Dazu tragen die PostAuto-Verbindung Saanen–Jaun sowie die zunehmende Beliebtheit der Grubenberghütte bei Gästen aus den Gstaader Chalets bei.
Andrea Scherz
General Manager und Eigentümer Gstaad Palace:
Die Sommersaison 2026 war für unser Haus in vielerlei Hinsicht eine Rekordsaison. Gleichzeitig haben uns auffallend viele Gäste auf die hohe Besucherfrequenz angesprochen. Das zeigt das grosse Potenzial des Sommertourismus, erinnert uns aber auch daran, wie wichtig es ist, die Qualität der Destination zu bewahren und die Tourismusströme so zu lenken, dass sich Gäste und Einheimische auch künftig gleichermassen wohlfühlen.














