Steuersenkung um zwei Zehntel
11.12.2023 PolitikLediglich drei Traktanden standen an der ordentlichen Gemeindeversammlung in Gsteig auf dem Programm. In weniger als einer Stunde waren sie behandelt.
JENNY STERCHI
Für die Stimmenzähler in der Gsteiger Mehrzweckhalle gab es am Freitagabend nicht sehr viel zu tun. Das Budget für das kommende Geschäftsjahr wurde ohne Gegenstimmen genehmigt, nachdem Finanzverwalter Karl Graa die finanzielle Entwicklung des Gemeindehaushalts sorgfältig erläutert hatte.
Mit der positiven Abrechnung von zwei Verpflichtungskrediten und dem kurzen Rückblick auf ein sehr bewegtes gemeindepolitisches Jahr beendete Gemeindepräsident Markus Willen die Gemeindeversammlung, an der 45 Stimmberechtigte teilnahmen. Dies entsprach sieben Prozent der 646 Stimmberechtigten.
Für Gemeinderatsmitglied Ernst Reichenbach war es die letzte Gemeinderatsversammlung in seinem Amt. Nach acht Jahren verlässt er das Gremium am Ende des wohl turbulentesten Jahres, das er als Ratsmitglied erlebt hat.
Steuersenkung dank Mehreinnahmen
Das sehr gute Rechnungsergebnis des letzten Jahres und das zu erwartende hervorragende Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres würden laut Graa eine Steuersenkung von zwei Zehnteln auf 1.3 Einheiten ermöglichen.
Im Finanzplan für die Jahre 2024 bis 2028 wurde von voraussichtlich negativen Rechnungsabschlüssen ausgegangen. «Die Aufwandsüberschüsse können jedoch durch den Bilanzüberschuss gedeckt werden», fügte der Finanzverwalter hinzu.
Der Geldsegen resultiert, so Graa, aus Mehreinnahmen durch die gestiegenen amtlichen Werte in der Gemeinde sowie durch einen hohen Steuerertrag in der Jahresrechnung 2023. Die neu erstellten Wohnungen im ehemalige Schulhaus konnten alle vermietet werden und so bereits Mieterträge generieren.
Das bietet die Möglichkeit für eine Darlehensrückzahlung in Höhe von 2,9 Millionen Franken im kommenden Jahr.
Kehrseite des Geldsegens
Die unerwartet hohen Steuereinnahmen haben zur Folge, dass die Zahlungen, die Gsteig zukünftig in den Finanzausgleich für den Disparitätenabbau unter den Gemeinden leisten muss, immens ansteigen werden. Der so steigende harmonisierte Steuerertragsindex führt wiederum zur Streichung des Geo-Topografischen Zuschusses in Höhe von 545’000 Franken.
Für Diverses aufgewendet
Die Gemeinde Gsteig nimmt einen voraussichtlichen Mehraufwand bei den Personalkosten in Kauf. Resultiert doch daraus eine neu geschaffene Verwaltungsstelle und ein sorgfältig eingearbeiteter neuer Brunnenmeister. Ausserdem werde im kommenden Jahr unter anderem in ein neues Feuerwehrfahrzeug, allenfalls in das Trainingszentrum Skifuture Saanenland und den Investitionsbeitrag für den Neubau der Hornegglibahn im Auftrag der Bergbahnen Destination Gstaad AG in Schönried investiert.
«Der nach wie vor hohe Bilanzüberschuss vermag den budgetierten Aufwandüberschuss zu decken», fasst Karl Graa abschliessend zusammen.
BUDGET 2024
• Bilanzüberschuss: 6,894 Millionen Franken
• Für 2024 budgetierter Aufwandüberschuss im allgemeinen Haushalt: 293’286 Franken
• Für 2024 budgetierter Aufwandüberschuss im Gesamthaushalt: 303’236 Franken
• Zu erwartende Mehreinnahmen gegenüber 2023: 1’556’580 Franken
• Zu erwartender Mehrertrag bei Pacht- und Mietzinsen gegenüber 2023: 66’660 Franken
• Finanzausgleich für den Disparitätenabbau unter den Gemeinden steigt um 626’000 Franken auf 934’000 Franken
• Geplante Nettoinvestitionen: 1,221 Millionen Franken


