«The President’s Cake» – Kindheit im Schatten der Diktatur
08.05.2026 VorschauDas Filmpodium Saanenland zeigt am kommenden Montag den Film «The President’s Cake» von Hasan Hadi im Cinema Gstaad.
Der Spielfilm «The President’s Cake» ist im Südirak der 1990er-Jahre angesiedelt. Im Zentrum der Handlung steht die ...
Das Filmpodium Saanenland zeigt am kommenden Montag den Film «The President’s Cake» von Hasan Hadi im Cinema Gstaad.
Der Spielfilm «The President’s Cake» ist im Südirak der 1990er-Jahre angesiedelt. Im Zentrum der Handlung steht die neunjährige Lamia, die mit ihrer Grossmutter im irakischen Marschgebiet lebt. In der Schule zieht sie das gefürchtete Los: Zum Geburtstag des Präsidenten Saddam Husein soll sie den obligatorischen Kuchen backen. Die scheinbar einfache Aufgabe entpuppt sich als kaum lösbares Problem, denn Zutaten wie Eier, Mehl oder Zucker sind Mangelware. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Saeed und ihrem Hahn Hindi macht sich Lamia auf den Weg in die nächste grosse Stadt, um das Unmögliche möglich zu machen.
Auf den ersten Blick erzählt «The President’s Cake» eine einfache Geschichte über ein Kind, das mit einer Überforderung konfrontiert wird. Doch hinter dieser Schlichtheit entfaltet sich ein eindringliches Porträt eines Landes unter autoritärer Herrschaft.
Der Regisseur Hasan Hadi ist selbst im Irak aufgewachsen und verarbeitet in seinem Spielfilmdebüt eigene Kindheitserfahrungen. Die Auswirkungen der internationalen Wirtschaftssanktionen, die nach dem Zweiten Golfkrieg verhängt wurden, sollten das Regime von Saddam Hussein schwächen, trafen jedoch in erster Linie die Zivilbevölkerung. Rationierte Lebensmittel, mangelhafte medizinische Versorgung und ein Alltag im ständigen Kampf ums Überleben waren die Folge. Die politische Ideologie und die staatliche Kontrolle reichten bis in die intimsten Bereiche des Alltags, in den Schulunterricht und in den öffentlichen Raum, der von der allgegenwärtigen Präsenz des Präsidentenporträts dominiert war. Hasan Hadi erzählt die Geschichte ruhig, beobachtend und immer wieder mit leisem Humor. Lange verzichtet er auf offene Dramatik oder Schockmomente und zeigt stattdessen ein Mosaik des Alltags, in dem sich Unterdrückung und Anpassung, Angst und stille Hoffnung überlagern. Erst im letzten Teil verdichtet sich das Geschehen zu einer emotional spürbaren Wucht und macht unübersehbar, wie radikal politische Gewalt das Leben eines Kindes verändern kann.
Getragen wird der Film vor allem durch die eindrückliche Darstellung der beiden Kinder: Baneen Ahmad Nayyef als Lamia und Sajad Mohamad Qasem als Saeed. Die Kamera bleibt meist auf Distanz und lässt den Figuren Raum, wodurch die gezeigte Realität umso authentischer wirkt. Eine zurückhaltende, präzise Inszenierung, detailreiche Kulissen, sorgfältige Bildkomposition und ein ungewöhnliches Bildformat mit abgerundeten Ecken verleihen der Darstellung eine eigene Handschrift. «The President’s Cake» wurde grösstenteils auf den Strassen Bagdads gedreht und feierte 2025 seine Weltpremiere in Cannes. Neben anderen namhaften Auszeichnungen wurde er in Cannes sowohl mit dem Publikumspreis der «Quinzaine des Cinéastes» als auch mit der «Caméra d’Or» für das beste Debüt ausgezeichnet. «The President’s Cake» ist Iraks offizieller Beitrag für die Oscarverleihung 2026.
«The President’s Cake» ist kein lauter politischer Film. Er erklärt wenig und klagt nicht an. Es ist ein berührender Film über Kindheit unter schwierigen Bedingungen, über Anpassung und stillen Mut, über Freundschaft und Hoffnung, leise und klug. Ein Film, der nachhallt und lange im Gedächtnis bleibt. Nicht verpassen!
FILMPODIUM SAANENLAND
Wir zeigen den Film am Montag, 11. Mai, um 20.30 Uhr im Cinema Gstaad. Nichtmitglieder sind willkommen und zahlen an der Abendkasse.

