Trailrunnig soll im Saanenland weiter wachsen
08.05.2026 SaanenMehr als 70 Interessierte tauchten an der Trailrunning Night in die Welt von Ultratrails, Bergläufen und mentalen Grenzerfahrungen ein. Der Anlass sollte Lust machen auf die zweite Ausgabe des Swiss Highlands Trails im September – und zeigte, weshalb Trailrunning auch ...
Mehr als 70 Interessierte tauchten an der Trailrunning Night in die Welt von Ultratrails, Bergläufen und mentalen Grenzerfahrungen ein. Der Anlass sollte Lust machen auf die zweite Ausgabe des Swiss Highlands Trails im September – und zeigte, weshalb Trailrunning auch touristisch immer wichtiger wird.
SONJA WOLF
Das Laufen auf Wegen und Bergpfaden statt auf Asphalt boomt – in Frankreich und im Welschen schon länger, zunehmend aber auch in der Deutschschweiz. Das zeigte die Trailrunning Night im Hotel Landhaus eindrücklich: Rund 70 Besucherinnen und Besucher liessen sich von spektakulären Bildern, persönlichen Geschichten und prominenten Gästen aus der internationalen Trailrunning-Szene inspirieren. Der Anlass war gleichzeitig der Auftakt zur zweiten Ausgabe des Swiss Highlands Trails, der Ende September in Gstaad stattfinden wird. Organisiert wurde der Abend von Helvetica Trail, die bereits im vergangenen Jahr hinter der ersten Austragung standen – die damals noch unter dem Namen Humani’Trail stattfand.
Mehr als nur Extremdistanzen
Für Gstaad Saanenland Tourismus passt der Anlass bestens zur Strategie, die Monate ausserhalb der klassischen Hochsaison stärker zu beleben. Gerade der September gehört zu jenen Monaten, in denen zusätzliche touristische Impulse gesetzt werden sollen.
«Dieser Anlass ergänzt unser Angebot an Trailrunning und den Events», sagte Eventmanagerin Katrin Haldi von Gstaad Saanenland Tourismus. Bereits heute gebe es in der Ferienregion etablierte Läufe wie den Glacier 3000 Run, den Rinderberglauf oder den Arnenseelauf. Der Swiss Highlands Trail ergänze dieses Angebot nun mit einem breiten Konzept für unterschiedliche Leistungsniveaus. Dabei gehe es ausdrücklich nicht nur um Extremdistanzen, betonte Haldi. «Man kann auch als ganz normaler Mensch mitlaufen, es gibt Angebote für Durchschnittssportler.» Gstaad Saanenland Tourismus sei wichtig, dass der Anlass von einer starken Community getragen werde.
Von La Réunion bis ins Saanenland
Die eingeladenen Gäste zeigten, wie vielfältig die Szene geworden ist. Die französische Ultratrail-Läuferin Manon Bohard Cailler berichtete über ihren Sieg bei der legendären «Diagonale des Fous» auf La Réunion – einem der härtesten Rennen der Welt mit 175 Kilometern und über 10’000 Höhenmetern. Der Schweizer Joey Hadorn wiederum sprach über die Verbindung von Orientierungslauf und Trailrunning sowie über die internationale Golden Trail Series. Für einen touristischen Blick auf den Sport sorgte Patrice Hennequin aus Besançon. Der Präsident des dortigen Tourismusbüros erklärte, wie Trailrunning helfen könne, eine Region bekannter zu machen. Laut seinen Erfahrungen reisen viele Läuferinnen und Läufer von ausserhalb an, sorgen für zusätzliche Übernachtungen und entdecken dabei auch Kultur und Natur einer Region. Auch der Ultraläufer Michel Zysset aus dem Saanenland begeisterte das Publikum mit seinen Erzählungen über sein mehrtägiges Extremrennen quer durch die Schweiz. Für ihn seien solche Läufe wie Ferien machen. «Eine Stunde am Strand liegen wäre für mich dagegen die grösste Bestrafung!»
Bilder von Grenzerfahrungen
Immer wieder wurden während des Abends spektakuläre Filmsequenzen eingeblendet: Läufer auf schmalen Berggraten, nächtliche Passagen im Sturm oder Zieleinläufe nach Tagen ohne Schlaf. Szenen von aufgestochenen Blasen oder heftigen Stürzen sorgten im Publikum regelmässig für hörbares Raunen. Gleichzeitig zeigte der Abend, dass sich auch im Saanenland zunehmend eine Trailrunning-Community bildet – darunter viele jüngere Sportbegeisterte.
Der Swiss Highlands Trail findet am 26. und 27. September statt. Angeboten werden Strecken über 15, 25, 42 und 60 Kilometer sowie ein Family Relay.
«FRAUEN HABEN AUF LANGEN DISTANZEN BESONDERE STÄRKEN»
Die französische Ultratrail-Läuferin Manon Bohard Cailler sprach an der Trailrunning Night über Frauen im Extremsport. Je länger die Distanzen seien, desto kleiner werde der Unterschied zwischen Männern und Frauen, erklärte sie. Frauen seien häufig sehr stark im Zeitmanagement, in der mentalen Vorbereitung und in der Einteilung der Kräfte über lange Distanzen. Gerade bei Ultratrails spiele die mentale Stärke eine zentrale Rolle. Bohard Cailler gewann 2024 die berühmte «Diagonale des Fous» auf La Réunion. Trotzdem habe sie am Ziel erlebt, dass die Siegerin deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten habe als die männlichen Topläufer. «Es sollte für die Organisatoren enorm wichtig sein, dass die erste Frau im Ziel genauso gefeiert wird wie der erste Mann», sagte sie. Gleichzeitig sieht sie eine positive Entwicklung: Während beim Rennen auf La Réunion nur rund 13 Prozent Frauen am Start standen, seien es bei anderen grossen Ultratrailrennen inzwischen bereits etwa 25 Prozent. Bei kürzeren Trailrennen sei das Verhältnis inzwischen sogar ausgeglichen.
SWO




