Von Sand bis Schnee: ein Abend im Zeichen des Sports
06.11.2026 SportDas Saanenland und das Simmental räumten am Montag, 2. November, an den Berner Sports Awards ab. Franjo von Allmen verteidigte seinen Titel, Fabrice von Grünigen wurde ausgezeichnet und Ruedi Kunz erlebte eine besondere Überraschung.
MAXIME VÖGELE
«Ich dachte, ...
Das Saanenland und das Simmental räumten am Montag, 2. November, an den Berner Sports Awards ab. Franjo von Allmen verteidigte seinen Titel, Fabrice von Grünigen wurde ausgezeichnet und Ruedi Kunz erlebte eine besondere Überraschung.
MAXIME VÖGELE
«Ich dachte, ich bin der Fahrer von Urs Näpflin und plötzlich sitze ich in der Berner Sport-Ehrung», erzählte Ruedi Kunz im Interview, noch immer überrascht über seine Auszeichnung mit dem «Berner Sportbären». Der langjährige Turnierdirektor des Beachvolleyballturniers Swatch Beach Pro Gstaad wurde am Montagabend an den Berner Sports Awards im Kultur- und Kongresszentrum Thun für sein Engagement zugunsten des Sports geehrt. Dieser Ehrenpreis geht an eine Person, die sich, wie Moderator Mevion Heim erklärte, «ein paar Jahre, vielleicht ein wenig mehr, vielleicht sogar ihr ganzes Leben» in irgendeiner Form dem Berner Sport gewidmet hat. Wer die Auszeichnung erhält, bleibt jeweils bis zur Verleihung geheim. «Ich muss es noch ein bisschen sortieren, aber natürlich freue ich mich sehr», sagte Kunz. Neben ihm durften sich weitere Sportlerinnen und Sportler aus dem Saanenland und Simmental über Auszeichnungen freuen.
Eine gelungene Überraschung
Dass Kunz an diesem Abend überhaupt nach Thun gekommen war, ist Urs Näpflin zu verdanken. Die beiden hatten zuvor das Sportforum in Luzern besucht. Näpflin, OK-Präsident der Lauberhornrennen, erzählte Kunz, dass sie am Abend noch ein Gespräch mit dem Regierungsrat über die Bedeutung des Zivilschutzes hätten. Kunz ging deshalb davon aus, dass er Näpflin als Fahrer begleiten würde. Dass dieser an den Berner Sports Awards die Laudatio auf ihn halten würde, ahnte er nicht.
Näpflin machte zu Beginn seiner Rede mit Humor deutlich, dass er vom Veranstalter relativ viele Auflagen erhalten hatte. In drei Minuten ging er auf Kunz’ sportliches Engagement ein. Seine Laudatio verpackte er zunächst wie ein Rätsel. Vom benötigten Ehrgeiz im Spitzensport kam er auf die Rolle der Organisatoren von Sportevents zu sprechen: «Sie bieten den Athletinnen und Athleten die Plattform und die Bühne.» Und genau so jemand sei an diesem Abend auch anwesend, so Näpflin: «Er war in jungen Jahren selber Eishockeyspieler, später Trainer und ist heute immer noch im Eishockeyverband tätig.» An diesem Punkt klingelte es bei Ruedi Kunz, wie er im Interview mit dieser Zeitung schilderte: «Da wurde mir klar, dass es wahrscheinlich mich trifft.»
Tatsächlich reicht Kunz’ Engagement weit über das Beachvolleyballturnier in Gstaad hinaus. Neben seiner Tätigkeit bei Swiss Ice Hockey, dem Schweizer Eishockeyverband, ist er Präsident von SwissTopSport, der Vereinigung der 23 grössten jährlich stattfindenden Grosssportveranstaltungen der Schweiz.
Sand für Gstaad
«Ich glaube, ich sehe da das eine oder andere glänzende Auge», bemerkte Moderator Mevion Heim beim anschliessenden Interview mit dem frischgekürten Sportbär auf der Bühne vor rund 370 Personen. Er wollte von Ruedi Kunz wissen, wie das Beachvolleyballturnier seinen Weg ins Saanenland fand. «Es ist eine verrückte Idee, man muss ja erst mal brasilianischen Sand nach Gstaad hochbringen», witzelte Heim. Kunz erzählte, dass er einen Anlass für die jungen Menschen im Saanenland schaffen wollte. Denn Sport sei für ihn ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft. Um das Turnier auf die Beine zu stellen, verkaufte Kunz seine IT-Firma und investierte viel Geld und Zeit. Dabei lernte er aber auch seine Frau Mägi kennen. Auf Heims Frage, ob er diesen Weg noch einmal gehen würde, antwortete Kunz ohne zu zögern mit Ja.
Von Allmen gelingt die Titelverteidigung
Neben dem Engagement für den Sport standen an diesem Abend auch die sportlichen Leistungen selbst im Mittelpunkt. «Wir schauen immer gespannt auf Grossanlässe, aber Olympische Spiele sind noch einmal eine andere Schublade», sagte Marc Ringgenberg, Co-Leiter des Kompetenzzentrums Sport des Kantons Bern, zu Beginn der Preisverleihung. An den Berner Sports Awards wurden einerseits die Medaillengewinner:innen internationaler Wettkämpfe geehrt. Andererseits bestimmte eine Fachjury die Siegerinnen und Sieger verschiedener Kategorien.
Einer, der an den Olympischen Winterspielen in Milano Cortina besonders erfolgreich war, ist Speed-Spezialist Franjo von Allmen. Für seine beiden Goldmedaillen in der Abfahrt und im Super-G wurde der Boltiger zum zweiten Mal in Folge als «Berner Sportler des Jahres» ausgezeichnet. Der dreifache Olympiasieger steckte in den Saisonvorbereitungen und meldete sich deshalb mit einer Videobotschaft beim Publikum. «Nach den Weltmeistertiteln ist es mit Olympia noch einmal ein bisschen eskaliert», sagte von Allmen zu seiner Erfolgswelle und sorgte damit trotz physischer Abwesenheit für Lacher im Raum. Neben seinem Kategoriensieg wurde von Allmen gemeinsam mit Tanguy Nef auch für seine dritte olympische Goldmedaille, jene in der Team-Kombination, geehrt.
Für einen weiteren Lacher sorgte Regierungsrat Philippe Müller, der gemeinsam mit Grossratspräsidentin Anne Speiser-Niess und Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg die Preise übergab. Er erzählte mit einem Augenzwinkern von einer Fahrt durchs Simmental nach den Olympischen Spielen. Angesichts der zahlreichen Plakate für Franjo von Allmen hätte man beinahe meinen können, der Skirennfahrer kandidiere für den Nationalrat. «Ich bin auch überzeugt, dass er gewählt würde», fügte Müller an.
Das Simmental räumt weiter ab
Franjo von Allmen war nicht der Einzige, der einen Kategoriensieg ins Simmental holte. Auch der gebürtige Gstaader Para-Snowboarder Fabrice von Grünigen, der inzwischen in der Oeschseite wohnt, durfte unter tosendem Applaus eine Trophäe entgegennehmen. Er wurde in der Kategorie «Berner Sportlerin oder Sportler des Jahres 2026 mit Beeinträchtigung» als Sieger ausgezeichnet. An den Paralympischen Winterspielen hatte er Silber im Banked Slalom gewonnen.
«Schon wieder ein Titel, der ins Simmental geht. Fast schon ein bisschen auffällig. Warum sind die Bedingungen dort so gut für junge Sportler?», fragte Moderator Mevion Heim. «Das Klima ist einfach gut dort», antwortete von Grünigen ganz unaufgeregt.
Weitere Medaillen aus der Region
Nicht nur die Kategoriensiegerinnen und Kategoriensieger wurden an diesem Abend gefeiert. Auch die weiteren Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner durften auf der Bühne ein Diplom für ihre Leistungen entgegennehmen. Darunter war Kenny Schläppi, aufgewachsen in Blankenburg, der an der Junioren-WM im Snowboardcross gleich zweimal Silber gewann: einmal im Einzel und einmal im Team mit der Diemtigtalerin Noémie Wiedmer.
Im Gespräch nach der Ehrung blickte Schläppi auf seine beiden Silbermedaillen zurück. Besonders die Unterstützung seines Umfelds habe ihm geholfen: «Weil meine Familie und alle Teamkollegen da waren, gab mir ihr Support Kraft und Energie, um Topleistungen abzurufen.» Die Ziele für die kommende Saison hat der 18-Jährige bereits vor Augen: «Gold an der Junioren-WM, ein Weltcupdebut zu machen und in die Top 3 der Gesamtwertung im Europacup zu fahren.»
Weitere Diplome gingen an die Saanerin Celine Schwizgebel, die mit dem Curling-Team Hürlimann an der Europameisterschaft Bronze gewonnen hatte, sowie an Jack Spencer, Sue Piller und Dania Allenbach aus dem Saanenland. Das Skitrio hatte gemeinsam mit dem Walliser Giuliano Fux an der Junioren-WM im Team-Parallelrennen die Bronzemedaille gewonnen. Celine Schwizgebel und das Skiteam konnten aufgrund von Trainings und Wettkämpfen nicht persönlich an der Ehrung teilnehmen.
Sportliche Erfolge beginnen im Verein
Die Basis für die zahlreichen Erfolge der Berner Sportlerinnen und Sportler bilden die Vereine und Verbände im ganzen Kanton. Regierungspräsident und Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg betonte an der Preisverleihung, wie wichtig das Engagement jener Menschen sei, die in den Sportvereinen unzählige Stunden mit Kindern und Jugendlichen verbringen. «Als Gesundheitsdirektor bin ich überzeugt, dass diese Aktivität und dieses Engagement uns sehr viel bringen», sagte Schnegg.
Regierungsrat Philippe Müller hob hervor, wie wichtig gut funktionierende regionale, kantonale und nationale Verbände seien. Ebenso entscheidend sei das persönliche Umfeld der Athletinnen und Athleten: Familien, Freundinnen und Freunde sowie Trainerinnen und Trainer. «Harte Arbeit, Disziplin und Leidenschaft sind schlussendlich das Tüpfli auf dem i.»
DIE GEWINNERINNEN UND GEWINNER DER BERNER SPORTS AWARDS 2026
Berner Sportler des Jahres: Franjo von Allmen (Ski alpin) zwei Goldmedaillen an den Olympischen Winterspielen 2026
Berner Sportlerin des Jahres: Ditaji Kambundji (Leichtathletik) Gold über 100 Meter Hürden an der Weltmeisterschaft
Berner Sportler:in mit Beeinträchtigung: Fabrice von Grünigen (Para-Snowboard) Silber im Banked Slalom an den Paralympischen Winterspielen
Berner Team des Jahres: Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft der Frauen Bronze an den Olympischen Winterspielen
Berner Nachwuchssportlerin: Noémie Wiedmer (Snowboardcross) Silber an der Junioren-WM
Berner Nachwuchssportler: Raoul Schneeberger (Downhill) Gold an der Junioren-WM
Berner Nachwuchsteam: 4×100-Meter-Frauenstaffel mit Xenia Buri Silber an der U20-Weltmeisterschaft
Berner Sportbär (Ehrenpreis): Ruedi Kunz langjähriges Engagement im Sport, insbesondere als Turnierdirektor des Beachvolleyballturniers in Gstaad
MAV
«Es ist eine riesige Ehre und eine grosse Wertschätzung»
Der gebürtige Gstaader Para-Snowboarder Fabrice von Grünigen blickt auf bewegte Monate zurück. Bei den Paralympischen Winterspielen in Milano Cortina stürzte er im Training und konnte deshalb nicht im Snowboardcross antreten. Im Banked Slalom gewann er dennoch die Silbermedaille. Für diese Leistung wurde er nun an den Berner Sports Awards als «Berner Sportler des Jahres mit Beeinträchtigung» ausgezeichnet. Zurzeit absolviert er die Spitzensport-Rekrutenschule (RS).
INTERVIEW: MAXIME VÖGELE
Fabrice von Grünigen, wie fühlen Sie sich heute, wenn Sie an die Achterbahnfahrt an den Paralympics zurückdenken?
Sicher besser als damals (lacht). Nein, es ist natürlich eine riesige Ehre und eine grosse Belohnung für die ganzen Trainings, die man gemacht hat. Auch der Sturz in Milano, mit dem ich nicht optimal gestartet bin, gehört dazu. Es ist natürlich extrem schön, dass man im Nachhinein sogar noch einmal für die Leistung geehrt wird.
Als Sie auf der Bühne standen und gespannt auf die Bekanntgabe des Siegers warteten: Haben Sie damit gerechnet, dass Ihr Name erscheint?
Gerade damit gerechnet habe ich nicht, aber ich wusste, dass ich gute Chancen habe.
Im Hinblick auf die kommende Saison: Wie laufen die Vorbereitungen?
Der Grossteil der Saisonvorbereitungen lief sehr gut. Es gab aber einen kleinen Unterbruch. Ich musste etwas Kleines operieren lassen, was nicht ganz optimal war, weil wir es sehr spät gesehen haben. Die Spitzensport-RS kann bei den Vorbereitungen helfen. Jedoch ist es ein bisschen speziell, weil ich als Wintersportler die Winter-RS mache. Aber ich denke, es gibt aus allem positive Sachen zu ziehen. Wir müssen einfach das Beste aus dieser Situation machen, und dann denke ich, dass es auch eine sehr gute Saison wird.









