Unser Tourismus – auch im Sinn der Jugend?
13.02.2026 TourismusIst die Jugend eigentlich zufrieden mit dem Tourismus, den wir hier in der Destination Gstaad machen? Diese Frage haben wir uns in den vergangenen Wochen ganz bewusst gestellt. Nicht, weil es konkrete Vorwürfe gäbe. Nicht, weil etwas aus dem Ruder läuft. Sondern weil wir ...
Ist die Jugend eigentlich zufrieden mit dem Tourismus, den wir hier in der Destination Gstaad machen? Diese Frage haben wir uns in den vergangenen Wochen ganz bewusst gestellt. Nicht, weil es konkrete Vorwürfe gäbe. Nicht, weil etwas aus dem Ruder läuft. Sondern weil wir überzeugt sind: Wer die Zukunft einer Region gestaltet, muss jene anhören, die diese Zukunft einmal tragen werden.
Der Impuls dazu kam in einem Austausch, an dem ich im Januar teilnehmen durfte. Im «Destination Excellence Circle», einer Erfahrungsgruppe mit Tourismusdirektorinnen und -direktoren sowie Bergbahnverantwortlichen aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Italien, treffen wir uns zweimal jährlich, um voneinander zu lernen. Kein Selbstbeweihräucherungsanlass, sondern ein ehrlicher Blick über die eigene Komfortzone hinaus. Die letzte Sitzung fand in Zermatt statt – und dort wurde unter anderem diskutiert, wie man die junge Generation systematischer in strategische Fragen einbindet.
Zurück in Gstaad hat mich dieser Gedanke nicht mehr losgelassen. Wir investieren viel Zeit in die Überarbeitung unserer Tourismusstrategie, diskutieren über Nachhaltigkeit, Lebensraum, Events, Angebotsentwicklung. Doch wer sitzt am Tisch, wenn es um diese Fragen geht? In der Regel Menschen zwischen 40 und 60 Jahren – mit viel Erfahrung, mit Verantwortung, mit Weitblick. Aber eben auch mit einer bestimmten Lebensrealität.
Ich merke es bei mir selbst: Seit ich Kinder habe, betrachte ich gewisse Themen anders. Früher standen vielleicht andere Aspekte im Vordergrund. Perspektiven verändern sich. Und genau deshalb stellt sich die Frage: Reicht es, wenn wir aus unserer heutigen Sicht definieren, was für die nächsten 20 Jahre richtig ist? Oder laufen wir Gefahr, an den Bedürfnissen der 15-, 20- oder 25-Jährigen vorbeizuplanen?
Es geht nicht um Kritik am Bestehenden. Es geht um Neugier. Finden junge Menschen den Tourismus, wie wir ihn heute betreiben, attraktiv? Verstehen sie unter Nachhaltigkeit dasselbe wie wir? Welche Erwartungen haben sie an Events, an Mobilität, an Arbeitsplätzen im Tourismus? Und wo sehen sie vielleicht Themen, die wir noch gar nicht auf dem Radar haben?
Andere Destinationen haben begonnen, diese Fragen strukturiert anzugehen. In Zermatt beispielsweise wurde mit «iischi Next Gen» ein Verein gegründet, der die Perspektive der jungen Generation aktiv in Strategieprozesse einbringt. Bereits nach wenigen Monaten zählt er über 100 Mitglieder und arbeitet in strategischen Gremien mit. Ein spannender Ansatz – nicht als Kopie für Gstaad, aber als Inspiration.
Bei uns stehen wir noch am Anfang. Wir befinden uns in einer konzeptionellen Phase. Gemeinsam mit jungen Vertreterinnen und Vertretern aus bestehenden Gruppierungen – von Jugendorganisationen bis zu lokalen Eventinitiativen – wollen wir ein Format entwickeln, das wirklich funktioniert. Vielleicht einen Workshop. Vielleicht ein ganz anderes Gefäss. Entscheidend ist nicht die Form, sondern die Ernsthaftigkeit des Dialogs.
Denn eines ist klar: Es darf kein Alibigremium werden. Wenn wir die Jugend einbinden, dann mit dem echten Willen zuzuhören – auch wenn die Antworten unbequem sein sollten. Es geht nicht darum, Verantwortung abzugeben, sondern darum, sie zu teilen.
Vielleicht stellen wir am Ende fest, dass wir vieles bereits richtig machen. Vielleicht entdecken wir Handlungsfelder, die wir neu denken müssen. In jedem Fall aber gewinnen wir an Verständnis – und genau das braucht eine Destination, die Tourismus und Lebensraum langfristig in Balance halten will.
Ich bin gespannt auf diesen Prozess – und freue mich darauf, zu gegebener Zeit mehr darüber berichten zu dürfen.
FLURIN RIEDI
TOURISMUSDIREKTOR flurin.riedi@gstaad.ch

