Verantwortung im Gesundheitswesen und in den Gemeinden
04.09.2026 WirtschaftDas Gemeindeforum Berner Oberland wurde zum ersten Mal mit dem Gesundheitsforum ergänzt. Wie die Volkswirtschaft Berner Oberland mitteilt, tauschten sich Personen aus Gemeindepolitik, Verwaltungen, Regierungsstatthalterämtern, Planungsregionen und Regionalkonferenz sowie die ...
Das Gemeindeforum Berner Oberland wurde zum ersten Mal mit dem Gesundheitsforum ergänzt. Wie die Volkswirtschaft Berner Oberland mitteilt, tauschten sich Personen aus Gemeindepolitik, Verwaltungen, Regierungsstatthalterämtern, Planungsregionen und Regionalkonferenz sowie die Berner Oberländer Grossrätinnen und Grossräte im Berufsschulzentrum Interlaken bzi zu gesundheits- und gemeindepolitisch relevanten Themen aus.
Zum ersten Mal führte die Volkswirtschaft Berner Oberland im Rahmen des jährlich stattfindenden Gemeindeforums auch ein Gesundheitsforum durch. Die Herausforderungen im Bereich der medizinischen Grundversorgung in der Region seien vielfältig und die Rahmenbedingungen veränderten sich laufend. Am Gesundheitsforum gaben Karin Ritschard Ugi, Verwaltungsratspräsidentin Spitäler fmi AG, und David Roten, CEO Spital STS AG, einen Überblick über die Situation der Akutspitäler im Berner Oberland. Martin Hofer, Leiter Rettungsdienste Spitäler fmi AG, zeigte, wie die Rettungsdienste im Berner Oberland organisiert sind.
Regionale Spitalzentren im Lead
Eine wichtige Aufgabe von Karin Ritschard Ugi sei es, Verständnis bei den verschiedenen Anspruchsgruppen – Bevölkerung, Behörden, aber auch Mitarbeitende – zu schaffen. «Das Gesundheitswesen, und somit auch die Spitäler, ist von verschiedenen Seiten her unter Druck», erklärte sie. Da ist der Fachkräftemangel, der in den Regionalspitälern längst nicht nur das medizinische Personal betrifft, aber auch nicht kostendeckende Tarife oder die Digitalisierung, die meist mit hohem Aufwand – personell und finanziell – einhergeht.
Im Kanton Bern soll die integrierte Versorgung diese Probleme lösen, insbesondere durch eine bessere Vernetzung der Leistungserbringenden. Der Kanton hat dazu das 4+-Regionen-Modell definiert, das Berner Oberland gilt als eine Region. Hauptverantwortlich für die tiefere Vernetzung aller Leistungserbringenden im Rahmen der integrierten Versorgung sind die regionalen Spitalzentren. Als konkrete Massnahme daraus stärken und vertiefen die Spitäler fmi AG und die Spital STS AG daher ihre Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen.
Als weitere konkrete Massnahme zeigte Ritschard Ugi die Bestrebungen rund um den Aufbau des Gesundheitsnetzwerks Kandertal auf. Dieses Projekt könne auch als Basis für weitere Gesundheitsnetzwerke im Berner Oberland dienen.
Medizinischer Fortschritt heisst Spezialisierung
Spital-STS-AG-CEO David Roten blickte aus betriebswirtschaftlicher Sicht auf die Entwicklungen und Herausforderungen der Spitallandschaft. Die beiden Gesundheitsdienstleister STS und fmi sind mit total über 4000 Mitarbeitenden an allen Standorten einer der grössten Arbeitgeber im Berner Oberland.
Roten zeigte auf, wie der medizinische Fortschritt die Spitallandschaft verändert: «Medizinischer Fortschritt geht immer mit einer Spezialisierung einher. Je spezialisierter ein Spitalstandort ist, umso grösser muss sein Einzugsgebiet sein.» Die Spitalstandorte im Berner Oberland würden langfristig nicht alle Leistungen anbieten können, das könnten auch saisonale Spitzen durch den Tourismus nicht ändern.
Komplexe Organisation des Rettungsdienstes
Wie die enge Zusammenarbeit im Alltag konkret aussieht, zeigte Martin Hofer, Leiter Rettungsdienste Spitäler fmi AG, auf. Die Rettungsdienste sind im Berner Oberland bereits für das gesamte Versorgungsgebiet zentral unter dem Dach der Rettungsdienste Berner Oberland AG organisiert.
Hofer belegte mit eindrücklichen Zahlen und Beispielen, wie komplex die Organisation des Rettungsdienstes im Berner Oberland im Alltag ist: 193 Mitarbeitende stellen mit insgesamt 21 Ambulanzen die Versorgung der Region sicher. Daneben leisten First- und Rapid-Responder sowie Rapid-Responder-Hebammen wichtige, zusätzliche Unterstützung, ohne die die Versorgung in peripheren Gebieten nur schwer möglich wäre.
Haftungsrisiko in der Gemeinde
Der zweite Veranstaltungsteil, das Gemeindeforum, stand unter dem Motto «Haftung und Verantwortung in der Gemeinde». Ein äusserst aktuelles Thema gerade im Hinblick auf die Brandkatastrophe in Crans-Montana und den aktuellen Bondo-Prozess. Wann wird die Gemeinde haftbar? Unter welchen Voraussetzungen sind Personen aus Exekutive oder Verwaltung zur Verantwortung zu ziehen?
Jürg Wichtermann, Jurist und Geschäftsführer des Verbands Berner Gemeinden, ging auf die verschiedenen Verantwortlichkeiten und Haftungsformen im Gemeindekontext ein. «Solange eine Behörde oder eine Verwaltung sorgfältig arbeitet, ist das Risiko, haftbar zu werden, auch persönlich, überschaubar», sagte Wichtermann. Andererseits werde in Gemeinden gearbeitet und entschieden, und da seien Fehler möglich und manchmal hafte man dafür – in den meisten Fällen betreffe das aber die Gemeinde und nicht einzelne Personen.
Was es konkret heisst, in einer Notsituation Verantwortung zu übernehmen, zeigte anschliessend Peter Zumbrunn, Regierungsstatthalter Interlaken-Oberhasli, auf. Er erzählte von seinen Erfahrungen mit dem Grossereignis 2024 am Milibach, während seiner Zeit als Gemeinderatspräsident von Brienz. Wie bereits sein Vorredner plädierte auch Zumbrunn dafür, pragmatisch zu bleiben und sich der Verantwortung zu stellen.
PD/AMO
THINK TANK ZUR INTEGRIERTEN MEDIZINISCHEN VERSORGUNG IM BERNER OBERLAND
Mit dem Entscheid des Kantons Bern, in der Gesundheitsversorgung das 4+-Regionen-Modell einzuführen, haben sich die Planungsregionen/ Regionalkonferenz und die Volkswirtschaft Berner Oberland Gedanken zur künftigen Gesundheitsversorgung im Berner Oberland gemacht. Im Dialog mit den beiden Akutspitälern sowie weiteren Akteuren im Gesundheitswesen wurde ein Thinktank aufgebaut. Die Vertreterinnen und Vertreter aus allen Versorgungsbereichen haben sich an drei Workshops ausgetauscht und eingehend diskutiert, wie eine gute medizinische Versorgung in Zukunft aussehen soll. Das Fazit sieht vor, dass ein Austausch zwischen den verschiedenen Versorgungsbereichen wertvolle Erkenntnisse bringen kann und zur Vernetzung und zum gegenseitigen Verständnis beitragen kann. Der Thinktank Gesundheit soll durch die Volkswirtschaft Berner Oberland weitergeführt werden.
Für die Umsetzung der integrierten Versorgung sollen kleine Netzwerke direkt durch die Spitäler aufgebaut werden. Hier ist wichtig, die Akteure vor Ort zu bündeln, um die Versorgung gemeinsam sicherzustellen. Den Lead für diese Schritte übernehmen die Spitals STS AG und die Spitäler fmi AG.
Der regelmässige Austausch mit den Gemeinden ist wichtig, um die Bedürfnisse abzuholen und rechtzeitig über die Entwicklungen der Gesundheitsversorgung zu informieren. Dieser Austausch soll ins Gemeindeforum der Volkswirtschaft Berner Oberland integriert werden.
PD/VOLKSWIRTSCHAFT BERNER OBERLAND
