Vier Jahrzehnte voller Spiel und Spass
22.09.2026 GesellschaftFröhliche Kinder, viele Spiele und süsse Leckereien: Die Ludothek Saanenland feierte letzten Freitag ihr 40-jähriges Jubiläum, mit grossem Spielangebot und viel Zusammenhalt im Team.
MAXIME VÖGELE
Vergnügte Kinderstimmen aus jeder Ecke ...
Fröhliche Kinder, viele Spiele und süsse Leckereien: Die Ludothek Saanenland feierte letzten Freitag ihr 40-jähriges Jubiläum, mit grossem Spielangebot und viel Zusammenhalt im Team.
MAXIME VÖGELE
Vergnügte Kinderstimmen aus jeder Ecke und «Schläckzüg» oder ein Stück Kuchen zum Zvieri. Die Besuchenden – ob Kind oder Erwachsene – tragen letzten Freitag am 40-Jahr-Jubiläum der Ludothek Saanenland zu einer ausgelassenen Stimmung bei. An verschiedensten Posten auf dem Areal des alten Spitals in Saanen stellen sich die Kinder spielerischen Herausforderungen. Mittendrin ist Nicole Ruf, die Präsidentin des Vereins. Über das sonnige Wetter am Fest freut sie sich: «Sonst wäre wohl nur das Puppentheater auf dem Programm gewesen.»
Das Ganze stemmt sie nicht alleine, überall packen die Vorstandsmitglieder, Helferinnen und auch deren Kinder mit an. Sogar ehemalige Mitglieder des Teams helfen am Jubiläumsfest mit. «Es ist der Zusammenhalt, der uns trägt», verrät Nicole Ruf. Für das Jubiläumsfest kommen die Helferinnen mit viel Gepäck: Ob selbstgemachte Kuchen und Apérogebäck, Strassenkreide oder Spiele – alle packen mit an.
Ausleihen statt kaufen
Jede Woche am Freitagnachmittag hat die Ludothek in Saanen geöffnet. Jeweils zu zweit sind die Helferinnen vor Ort. Sie helfen bei der Ausleihe, kontrollieren Rückgaben und reparieren wenn nötig. Die Idee, Spielsachen auszuleihen, statt zu kaufen, scheint ein bewährtes Konzept zu sein. Sie gibt Familien die Möglichkeit, dass ihre Kinder Spielsachen nach Hause nehmen können, die nicht bei allen im Budget liegen. «Nicht jedes Spielzeug, das Kinder gerne hätten, muss man kaufen. Dinge wie grosse Playmobil oder spezielle Fahrzeuge sind sehr teuer», sagt Nicole Ruf.
Die Auswahl der Ludothek ist gross. Neben Playmobil gibt es auch allerlei Gesellschaftsspiele, Nintendos und vieles mehr. Besonders stolz ist die Präsidentin auf die vielen Fahrzeuge wie Einräder, Gokarts, Skateboards und Spielzeugtraktoren, die sie haben: «Dafür sind wir auch bekannt, weil wir gegenüber anderen Ludotheken ein riesiges Angebot haben.» Auch CDs kann man ausleihen und bis vor zwei Jahren gab es sogar noch Kassetten. «Viele haben aber keinen Kassettenrekorder mehr zu Hause», meint Nicole Ruf. So sind diese heute nicht mehr im Sortiment.
Von Karteikarten zum Computersystem
Die Idee der Ludothek ist seit den 1980er-Jahren die gleiche, die Ludothek passt sich aber dem Rahmen der Zeit an. «Früher hatten sie eine Kartei, wo sie alles aufgeschrieben haben. Jetzt haben wir ein System, in dem wir alle Artikel erfassen und genau sehen, wo etwas ist.» Nicole Ruf erklärt, das erleichtere die Arbeit und mache es übersichtlicher.
Auch das Sortiment wird laufend angepasst. Mit den Einnahmen von den Abos und Mitgliederbeiträgen werden immer wieder neue Spielsachen gekauft. «Wir haben eine Wunschliste, auf der die Kinder aufschreiben können, was sie gerne hätten.» Das Team überprüft dann, ob die Ideen «ludotauglich» sind. Auch wenn die Ludothek beliebt ist, habe aber die Digitalität bei den Kindern etwas verändert, meint die Präsidentin: «Es ist schwieriger, die Kinder, die viel auf den Bildschirm fixiert sind, davon wegzuholen.»
Bildschirmfrei feiern
Bildschirme sind am Jubiläumsfest jedoch keine zu sehen. An einem Ort versuchen Kinder mit einem Frisbee, Ringe zu treffen, am nächsten duellieren sie sich im Grasskifahren und weiter hinten spielen sie «Vier Gewinnt». Nicht nur den Kindern scheint es zu gefallen, auch viele Eltern, die gekommen sind, begrüssen sich und tauschen sich untereinander aus. Nach einer Stunde Austoben an den verschiedenen Stationen geht es gespannt in die alte Cafeteria des ehemaligen Spitals. Dort wartet das Puppentheater auf die kleinen Gäste. Ein Junge wirft einen kurzen Blick zu seinem Vater: «Es ist egal, wo ich sitze, oder?» Der Vater nickt, zur Freude des Kindes: «Dann will ich nach vorne!»
Bei den Spielen oben wird es für eine gute Dreiviertelstunde ruhig. Schon im Briefing vor der Ankunft der Kinder war klar, dass es zur Zeit des Puppentheaters bei den Spielen wohl eine Pause geben würde. «Kafizyt», ruft Eveline Ellenberger freudig. Seit über 15 Jahren ist sie beim Verein engagiert und war auch im Vorstand. Ihre Kinder sind inzwischen erwachsen und so zieht sie sich auch langsam aus ihrer Funktion bei der Ludothek zurück: «Wenn ich die Leute in der Ludothek nicht mehr kenne, ist es Zeit zu gehen», meint sie lachend.
Frauenpower
Die meisten Mütter verlassen das Team, wenn ihre Kinder aus dem Spielalter raus sind, erzählt Nicole Ruf. «Wenn man mit anderen ‹Ludos› in der Schweiz vergleicht, gibt es auch viele, die pensionierte Leute im Team haben, für die das wirklich Leidenschaft ist.» Dass dies regional unterschiedlich sein kann, erstaunt sie. Auf die Frage, ob sie wisse, wie dieser Unterschied zustande komme, schüttelt sie den Kopf: «Für alle Vereine ist es aber schwierig, ehrenamtliche Leute zu finden, die helfen.»
Gefunden hat die Ludothek bislang vor allem Frauen. «Im Moment besteht das Team nur aus Frauen», merkt die Präsidentin an. «Männer wären erwünscht, wenn sie sich vorstellen können, mitzuhelfen», sagt sie mit einem Schmunzeln. Im Hintergrund hätten aber ab und zu Männer ihre Hände im Spiel: «Wir haben Männer, die uns im Hintergrund helfen, wenn wir zum Beispiel ein handwerkliches Problem haben.»
Wer das Team in Zukunft trägt, bleibt offen, Nicole Ruf blickt aber zuversichtlich voraus: «Solange die Bevölkerung das Angebot schätzt, habe ich nicht das Gefühl, dass es verschwinden wird.»
ÜBER DIE PRÄSIDENTIN
Nicole Ruf wohnt mit ihrer Familie in Saanen. 2019 wurde sie Helferin bei der Ludothek Saanenland und bereits ein Jahr später übernahm sie das Präsidium nach Doris Däpp. Sie und alle weiteren Helferinnen arbeiten ehrenamtlich für den Verein und sind nebenbei Hausfrau, Mutter und berufstätig.
MAV







