Vier Reihen zu weit vorne
24.07.2026 KolumneJOCELYNE PAGE
Als eingefleischte Verfolgerin des internationalen Skizirkus ist der Sommer für mich jeweils eine eher triste Angelegenheit. Keine Weltcuprennen im Fernsehen. Kein Mitfiebern. Kein Zittern im Zielraum. Dieser kleine Nervenkitzel fehlt mir einfach.
Seit ich im ...
JOCELYNE PAGE
Als eingefleischte Verfolgerin des internationalen Skizirkus ist der Sommer für mich jeweils eine eher triste Angelegenheit. Keine Weltcuprennen im Fernsehen. Kein Mitfiebern. Kein Zittern im Zielraum. Dieser kleine Nervenkitzel fehlt mir einfach.
Seit ich im Saanenland wohne, habe ich allerdings einen würdigen Sommerersatz gefunden: das Tennisturnier in Gstaad. Keine Angst, der Tennissport wird meine grosse Leidenschaft zum Skirennsport nie verdrängen. Aber er hilft mir, die lange Sommerpause etwas angenehmer zu überbrücken. Vor allem, weil ich jedes Jahr als Journalistin darüber berichten darf.
Ich liebe es, hinter die Kulissen zu schauen. Zu beobachten, wie sich die Spieler auf den Match vorbereiten, wie sie auf dem Platz reagieren, Emotionen zeigen und nach dem letzten Ballwechsel wieder ganz normale Menschen werden.
Dieses Jahr durfte ich unsere neue Praktikantin Maxime in diese Welt einführen. Ich wollte ihr die Gelegenheit geben, den besonderen Reiz unseres Berufs kennenzulernen. Mit der Kamera möglichst nahe ans Geschehen, den entscheidenden Moment festhalten und danach unter Zeitdruck einen Sportbericht schreiben. Deshalb überliess ich ihr am ersten Turniersonntag den Einsatz. Und wer tauchte genau an diesem Tag auf? Natürlich Marco Odermatt. Ich gebe zu: Ein kleines bisschen geknickt war ich schon.
Na gut... Sie dürfen jetzt gerne schmunzeln: Ich war wirklich traurig.
Am Montag war ich dann selbst an der Reihe. Produktionsmontag. Das bedeutet bei uns vor allem eines: Tempo. Rauf auf die Tribüne, Fotos machen, zurück in die Redaktion, Bilder bearbeiten, einen neuen Abschnitt schreiben, wieder zurück auf die Tribüne. Hin und her. Immer mit einem Auge auf den Center Court und mit dem anderen auf die Uhr. Nur eines unterliess ich: Ich schaute mich nicht um.
Als ich nach dem letzten Match bereits vor der Türe unseres Büros stand und der Redaktionsschluss mir bedrohlich im Nacken sass, vibrierte mein Natel. Mein Mann schickte mir einen Screenshot einer topaktuellen Instagram-Story. Darauf zu sehen: Marco Odermatt.
Er war auch am Montag in Gstaad.
Er sass auf der Tribüne.
Vier Reihen hinter mir.
Den ganzen Tag.
Ich glaube, mehr muss ich dazu nicht sagen…
jocelyne.page@anzeigervonsaanen.ch
