Vier Tage, viele Arten, Literatur zu erleben
18.09.2026 VorschauLesen und zuhören, selber schreiben und zeichnen, Musik und Literatur zusammenbringen oder mit einer Autorin durch die Landschaft gehen: Der Literarische Herbst Gstaad bringt ausgezeichnete Autor:innen und neue Stimmen ins Saanenland – und schafft dabei ganz verschiedene ...
Lesen und zuhören, selber schreiben und zeichnen, Musik und Literatur zusammenbringen oder mit einer Autorin durch die Landschaft gehen: Der Literarische Herbst Gstaad bringt ausgezeichnete Autor:innen und neue Stimmen ins Saanenland – und schafft dabei ganz verschiedene Möglichkeiten, ihnen zu begegnen.
Dass das Festival ein gutes Gespür für bemerkenswerte Gegenwartsliteratur beweist, zeigte sich einmal mehr nach der Zusammenstellung des diesjährigen Programms: Lilli Tollkien und Tomer Gardi wurden für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2026 nominiert, Yael Inokai wurde für den Schweizer Buchpreis nominiert und Lena Schätte gewann den Ingeborg-Bachmann-Preis. Vier eigenständige Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, die mit sehr unterschiedlichen Geschichten den Blick auf unsere Gesellschaft richten.
Ein besonderer Moment erwartet das Publikum am Samstagnachmittag im Museum der Landschaft Saanen. 2022 war ein Konzert von Endo Anaconda in Saanen geplant. Nachdem er es aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, gab es leider keine Möglichkeit mehr, dies nachzuholen. Vier Jahre danach begegnen seine Texte nun jenen von Ariane von Graffenried. Dazu spielt Boris Klecˇic´, der als Gitarrist mit Endo Anaconda und «Stiller Has» auf der Bühne stand. So findet Endo Anacondas Stimme auf besondere Weise doch noch den Weg ins Saanenland.
Dass Literatur keineswegs nur aus gedruckten Zeilen besteht, zeigt am Samstagabend Eric Schwarz mit Comicminiaturen aus seinem Werk «Fühl zu viel». Graphic Novels und Comics haben seit mehreren Jahren einen festen Platz im Festivalprogramm und gehören zu den besonders beliebten und zugänglichen Formen des literarischen Erzählens.
Wer selbst ausprobieren möchte, was beim Schreiben, Zeichnen und Zuhören entsteht, findet dazu zwei Workshops. Mit Karin Rey geht es am Freitag in die Welt des kreativen Schreibens. In der Papierwerkstatt Saanen werden am Samstag Stifte und Skizzenpapier zu einer anderen Art, Literatur wahrzunehmen: Nach einer Einführung nehmen die Teilnehmenden ihre Skizzenbücher mit ins Museum und zeichnen während der Lesungen weiter. Nicht Perfektion ist gefragt, sondern der Versuch, einer Stimme, einer Stimmung oder einem flüchtigen Eindruck eine Linie zu geben.
Am Sonntag wird schliesslich die Landschaft selbst zum Lesungsraum.
Ariane von Graffenried begleitet das Publikum auf dem traditionellen Literarischen Spaziergang von Gruben nach Gstaad. Mit ihren kraftvollen, klingenden Sprechtexten bringt sie Literatur in Bewegung – am Vortag noch auf der Bühne, nun zu Fuss und an der frischen Luft.
Vier Tage Literatur können so unterschiedlich aussehen. Man kann sich einen Abend lang auf zwei Bücher einlassen, einen Samstagnachmittag im Museum verbringen, eine Comicsammlung entdecken, selber schreiben oder zeichnen, Musik hören oder am Sonntag die Wanderschuhe anziehen. Und das sind nur einige der Autor:innen und Begegnungen, die das diesjährige Programm bereithält.
Der Literarische Herbst Gstaad versteht Literatur nicht nur als etwas, das auf einer Bühne vorgelesen wird, sondern als Anlass für Begegnungen mit Geschichten, mit Autor:innen und miteinander.
LITERARISCHER HERBST GSTAAD
Literarischer Herbst Gstaad, 22. bis 25. Oktober 2026 in Saanen, Gstaad und Gruben. Programm und Tickets: literarischerherbst.ch.
