Das Drogerie-Jaggi-Haus an der Dorfstrasse in Saanen ist heute als Drogerie und Reformhaus bekannt. Brigitte Leuenberger-Jaggi blickt in ihrem Leserbeitrag zurück auf die frühere Nutzung des Hauses als Schmiede und auf die Familiengeschichten, die sich bis heute in erhaltenen ...
Das Drogerie-Jaggi-Haus an der Dorfstrasse in Saanen ist heute als Drogerie und Reformhaus bekannt. Brigitte Leuenberger-Jaggi blickt in ihrem Leserbeitrag zurück auf die frühere Nutzung des Hauses als Schmiede und auf die Familiengeschichten, die sich bis heute in erhaltenen Gegenständen widerspiegeln.
Wer kennt es nicht, das reich verzierte Drogerie-Jaggi-Haus an der Dorfstrasse in Saanen, mit der Jahrzahl 1693 im Giebelfeld. Betritt man das Geschäft, riecht es nach Drogerie und Reformhaus. Die Farben sind dezent gehalten und es herrscht eine angenehme Ruhe. «Für Gesundheit und Schönheit» ist das Motto – das war nicht immer so – in diesem Lokal stand einst die Schmiede der Gebrüder Hans und Melchior Strähl. Es wurde dort in der Esse und auf dem Amboss gefeuert, gehämmert und gegossen. Die Gebrüder Hans und Melchior waren Schmiedemeister bzw. Büchsenschmiede. Hans Strähl war Hufschmied, Meister Melchior Strähl fertigte Büchsen (Gewehre).
1728 kaufte Büchsenschmied Christian Zwahlen von den Gebrüdern Strähl den rechten Teil des Hauses mit allen Rechten an der Schmitte inklusive Bohrrechte bei der Pulverstampfe Flühli. Mit der Bohre wurden aus Eisenstangen Gewehrläufe ausgebohrt und in der Pulverstampfe wurde Schwarzpulver (Schiesspulver) hergestellt.
Eine der Töchter des Christian Zwahlen, Anna Maria (1737–1806), heiratete Christian Strähl (1734–1816) aus der Linie der Hausbesitzer, so blieb die Liegenschaft in der Familie. Das war damals eine gängige Heiratspolitik.
Glücklicherweise sind zwei Gegenstände der Töchter des Christian Zwahlen bis heute erhalten geblieben, und zwar das kleine «Truheli» mit der Inschrift «17 AMZ 70» was 1770 Anna Maria Zwahlen bedeutet. Es wurde vermutlich anlässlich ihrer Heirat erstellt. Anna Maria Zwahlen und Christian Strähl heirateten 1769. In diesem «Truheli» bewahrte Anna Maria ihre persönlichen Sachen auf.
Ebenfalls erhalten ist ein Reisebesteck mit fünf kleinen Löffelchen. Es war damals noch üblich zu einem Gastmahl oder auf Reisen das eigene Besteck mitzunehmen. Das Wort Besteck leitet sich von «bestecken» ab, weil das Lederfutteral nämlich mit den Utensilien (z.B. Messer und Löffel) besteckt wurde. Die Initialen LCZ auf den Löffelchen weisen auf Lucia Zwahlen hin, sie war die Schwester von Anna Maria, war unverheiratet und lebte von 1742–1807.
BRIGITTE LEUENBERGER-JAGGI