Vom Leiden zur Hoffnung – Ostern als Weg des Lebens
27.03.2026 KircheIn diesem Jahr ist die Passionszeit schon früh. Karfreitag und Ostern sind Anfang April.
Darum möchte ich gerne mit Ihnen in Gedanken zurück nach Palästina reisen. In die Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und verschiedenem Volk unterwegs war. ...
In diesem Jahr ist die Passionszeit schon früh. Karfreitag und Ostern sind Anfang April.
Darum möchte ich gerne mit Ihnen in Gedanken zurück nach Palästina reisen. In die Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern und verschiedenem Volk unterwegs war. Mit wohlhabenden Menschen und mit solchen, die fast nichts zum Leben hatten. Mit frommen Würdenträgern und mit gewöhnlichen Gläubigen. In jenen Tagen freuten sich alle, als sie sahen, wie Jesus kranke Menschen heilte und traurige tröstete. Ausser dem Heilen am Sabat. Das war seitens der Pharisäer ein unmögliches Benehmen. Sie fragten sich, warum Jesus ihre alten Gesetze von Mose nicht beachtete.
Sie ärgerten sich auch, dass Jesus eine Frau mit schlechtem Ruf ganz nahe an seinen Körper heranliess. So, als hätte er noch nie gehört, dass eine anständige Frau dies nicht tut. Die Jünger empörten sich, als diese Frau mit einer ganzen Flasche teurem Nardenöl Jesus den Kopf salbte.
Denn sie wussten nicht, was diese Frau dazu bewegte. Darum sagte Jesus zu den Jüngern: «Lasst diese Frau in Frieden, sie muss dies tun für mein Begräbnis.»
Unsere Gedanken gehen mit Jesus weiter bis nach Jerusalem. Eine Eselin trug den Heiland in die Stadt. Die Menschen jubelten und riefen: «Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn.» Und sie warfen ihre Kleider vor das Tier, welches den Heiland trug.
Wir erinnern uns daran, dass Jesus ein letztes Mal mit seinen Jüngern zu Abend essen begehrte. Er sagte sogar: «Ich habe mir sehnlichst gewünscht, mit euch dieses Mahl einzunehmen.» Es war das Abendmahl. Mit dem Brot und dem Kelch kündigte er seinen Tod für die Menschheit an. Jesus sprach: «Nehmt und esst von diesem Brot und trinkt aus diesem Becher zur Vergebung eurer Schulden.» Bis heute dürfen wir Christen dieses Abendmahl feiern. Bis Christus wiederkommt.
Kurz nach diesem Essen wurde Jesus von einem seiner Jünger verraten. Jesus wurde verhaftet, verurteilt, geschlagen und gekreuzigt.
Soldaten teilten die Kleider Jesu. Sie verspotteten und verhöhnten ihn.
Nur einer von ihnen blieb abseits stehen: der römische Hauptmann.
Er sah dem unheimlichen Geschehen zu. Im Tempel zerriss der Vorhang in die Gräber. Einige davon öffneten sich. Als dies alles vorüber war, sprach der Hauptmann erschüttert: «Das war Gottes Sohn.»
Am dritten Tag gingen Maria aus Magdala und die andere Maria zum Grab. Sie erschraken, als sie sahen, dass der Stein weggestossen war. Eine Gestalt, ein Engel, sprach zu den beiden Frauen: «Fürchtet euch nicht, Jesus ist auferstanden.»
Inzwischen sind viele Jahre vergangen, sogar mehr als zweitausend. Die Nachfolger und Nachfolgerinnen Christi sind durch gute Zeiten gegangen. Viele Menschen haben ihren Glauben an Jesus Christus weitergetragen. In Liebe und treuer Nachfolge. Leider wurde das Christentum auch immer wieder als Machtinstrument missbraucht.
Trotzdem wollen wir nicht vergessen, dass für viele Menschen das Evangelium zur Quelle, zu einer Kraft wurde, Gutes zu tun in der Welt. Zum Beispiel in Kriegszeiten für die Wahrheit einzustehen. Das heisst, für die Menschlichkeit. Wir dürfen zurückschauen. Aber unser Blick soll sich auch vorwärts richten zu ihm, dem auferstandenen Jesus Christus. Vielleicht kann uns dazu sogar die Natur ein Vorbild sein. Im Herbst hat sie sich zurückgezogen. Alles wurde stiller und die weissen Schneeflocken deckten die Erde zu.
In diesem Jahr hat sich der Frühling schon im Februar das erste Mal gemeldet. Bis auf über tausend Meter blühten die Krokusse.
In einer leichten Brise bewegten die ersten Schneeglocken ihre Köpfchen, so als würden sie läuten. Dieses Erwachen in der Natur erinnert uns an die Auferstehung Christi.
Auch in unserem Leben gibt es Zeiten, in denen wir wachsen und uns entfalten können. Wir sind glücklich und kommen vorwärts. Dann gibt es Zeiten, da steht alles um und in uns still. Uns fehlen plötzlich die Kräfte und die Lebensfreude.
In einem Gedicht schrieb ein unbekannter Schriftsteller folgende Worte: «Die Erfahrung sollte ein Leuchtturm sein, der uns den Weg weist, kein Liegeplatz, an dem man festhält.» Dazu möchte ich eine kleine Geschichte erzählen.
Rebekka war eine achtzehnjährige fröhliche Frau. Beliebt bei Kolleginnen und Kollegen. Sie war in der Mitte ihrer Berufsausbildung als Bäckerin. Schule und Beruf – beides war für sie kein Problem. Aber dann wurde Rebekka ernsthaft krank. Es wurden mehrere Operationen nötig. Dazu kamen längere Therapien – welche sie mal besser vertragen konnte, und manchmal wurden diese Therapien zusätzlichen eine grosse Belastung für sie. Während dieser Zeit wurde ihr seitens der Hausärztin mitgeteilt, dass sie keine Kinder bekommen würde. Dieser Gedanke war für Rebekka unerträglich. Für Tage und Wochen verlor sie allen Mut. Sie vermochte sich nicht einmal über ihren guten Berufsabschluss zu freuen. Rebekka blieb plötzlich tagelang zu Hause und wollte niemanden sehen.
Eines Tages besuchte sie eine Freundin. Mitten im Gespräch fragte die Freundin Rebekka plötzlich: «Willst du dich nicht umschulen und eine Ausbildung zur Lehrerin beginnen? Du kannst so gut mit Kindern umgehen und hättest die Fähigkeiten dazu.»
In der nächsten Zeit musste Rebekka immer wieder an dieses Gespräch denken. Immer besser gefiel ihr dieser Gedanke. Und sie meldete sich für das Lehrerinnenseminar an und wurde eine begnadete Lehrperson.
Später erzählte Rebekka ihrer Freundin: «Ich durfte selbst nicht Mutter werden. Aber Gott hat mir einen neuen Weg aufgezeigt. Ich durfte für kurze oder längere Zeit viele Kinder begleiten.»
Darauf wurde es einen Moment still zwischen den beiden Frauen, dann meinte die Freundin nachdenklich: «Ich bin überzeugt: An jedem Tag, an dem wir einem Kind, einem Kranken, einem Geflüchteten, einem Einsamen ein freundliches Wort schenken, sind wir in der Nachfolge Christi. Dann wächst und blüht Liebe auf wie die Blumen und Gräser im Frühling.»
KIRCHGEMEINDE LAUENEN
HILDE TEUSCHER, PRÄDIKANTIN

